Der Oktober hielt nicht nur die neue Schmuckausgabe des Herrn der Ringe bereit, sondern auch die Verleihung des Schwäbischen Lindwurms an den Tolkien-Künstler Alan Lee, dessen Illustrationen die neue Herr-der-Ringe-Ausgabe schmücken. Der Schwäbische Lindwurm für herausragende Leistungen in und für die Phantastik wurde während der Veranstaltung Star Wars meets Gollum im Mozartsaal der Liederhalle in Stuttgart dem persönlich anwesenden Alan Lee überreicht. Dieser Abend fand im Rahmen des Phantastik-Festivals Dragon Days am 29. Oktober 2016 statt. Eine Delegation der Deutschen Tolkien Gesellschaft war selbstverständlich auch anwesend.

Dem Titel Star Wars meets Gollum getreu bestand die Veranstaltung aus zwei Teilen. Zum Thema Star Wars fanden mehrere PoetrySlam-Vorträge statt, zu denen gleichzeitig drei Comickünstler zeichneten. Lord Vader und die 501st Legion, die weltweit größte Star-Wars-Vereinigung, gaben dem Ganzen einen gebührend feierlichen Rahmen.

Der Tolkien-Anteil des Abends wurde durch ein kurzes Interview mit Alan Lee eingeläutet. Daran schloss sich die Preisübergabe an, zu der unser Erster Vorsitzender, Tobias M. Eckrich, als Laudator geladen war. Die Laudatio auf Alan Lee hob sein Werk und seine Errungenschaften als Künstler heraus, aber auch seine Freundlichkeit und sein zuvorkommendes Wesen.

Charmant wie immer: Preisträger Alan Lee

2005 hatte ich das große Glück, Alan Lee auf der Elf Fantasy Fair in den Niederlanden persönlich kennen zu lernen. Er war dort als Gast geladen und ich hatte die Möglichkeit, abseits des Trubels ein paar Worte mit ihm zu wechseln. Die eigenen Helden und Vorbilder zu treffen, birgt immer ein gewisses Risiko, dass sie den viel zu hohen Erwartungen nicht gerecht werden. Bei Alan Lee war diese Sorge mehr als unbegründet und es war ein wunderschöner Augenblick. Sein Humor und seine Freundlichkeit fielen mir sofort auf und machten es mir leicht, ein Gespräch anzufangen. Wir konnten uns über seine Kunst, Phantasie und Tolkien austauschen.

Alan Lee nimmt uns durch seine Kunstwerke mit auf eine Reise. Auf diese Weise kann Phantasie zu etwas werden, das nicht nur im Kopf des Einzelnden stattfindet, sondern ein Teil der Welt von vielen wird. Alan Lees intuitive Bildkomposition und seine Liebe zum Detail tragen ebenso zu seinem markanten Stil bei wie sein unvergleichliches Wechselspiel aus hellen und dunklen Farbtönen. Seine oft in Erdtönen gehaltene Farbpalette sorgt für eine wunderbare Ruhe beim Betrachten seiner Bilder. Ein Gefühl der Behaglichkeit und des Vertrauten wohnt seinen Werken inne, sodass es leicht fällt, in sie einzutauchen.

Auszug aus der Laudatio auf Alan Lee

gehalten von Tobias M. Eckrich

Nach der Preisübergabe präsentierte Alan Lee bislang unveröffentlichte Skizzen, Illustrationen, Konzeptzeichnungen und am Computer erstellte Designs für die Herr-der-Ringe- und Hobbit-Verfilmungen. Auch wurden Fragen zu den Arbeiten an den Filmen, zur Oscar-Verleihung und generelle Fragen zu seinem Schaffenswerk beantwortet.

Andreas Fröhlich schloss den Abend mit einer hervorragenden Lesung

Die Veranstaltung im Mozartsaal wurde von Andreas Fröhlich abgeschlossen, Synchronregisseur der Herr-der-Ringe-Verfilmung, Gollums deutsche Stimme und als Bob Andrews bei den Drei Fragezeichen zuständig für Recherchen und Archiv. Selbst großer Tolkienfan, las Andreas Fröhlich aus dem Herrn der Ringe und erzählte, wie er dazu kam, Gollum zu sprechen. Er las grandios aus dem Aufeinandertreffen von Frodo und Sam mit Sméagol/Gollum in den Emyn Muil und aus der Wanderung durch die Totensümpfe, die mit dem Ringen zwischen Sméagol und Gollum abschloss. Ein wunderbarer Abend, ganz im Zeichen der Phantastik.

 

Der ganze Bericht und die vollständige Laudatio werden in unserer Vereinszeitschrift Flammifer von Westernis, Nr. 56 (1/2017), veröffentlicht.

Photos: Tobias M. Eckrich