Des Hobbits Buchhalter: Jonathan Harding
Während der Ring*Con vom 14.-16. Oktober 2011 in Bonn, führte ich ein Interview mit Jonathan Harding, Produktionsassistent und Schauspieler in Peter Jacksons ‚Herr der Ringe‘-Filmen und nun auch Buchhalter beim ‚Hobbit‘-Film. Der Text erschien vorab in der Vereinszeitschrift der Deutschen Tolkien Gesellschaft, dem Flammifer von Westernis.
Sie arbeiten als Buchhalter beim ‚Hobbit‘. Ist das ein ganz gewöhnlicher Buchhalter-Job?
Tatsächlich ist er das nicht. Ich habe nie Buchhaltung gelernt. Und wenn man mich früher gefragt hätte, ob ich jemals Buchhalter werden würde, hätte ich definitiv nein gesagt! Wenn man aber als Buchhalter für einen Film arbeitet, muss man die Filmindustrie gut kennen. Es gibt nur wenige tatsächlich gelernte Buchhalter in der Branche. Es kommt hier eher auf den gesunden Menschenverstand als auf mathematisches Genie an.
Das letzte Mal als Sie bei einer Tolkien Adaption, beteiligt waren, waren Sie auch zunächst nur hinter den Kulissen tätig.
Ich begann in der Produktionsfirma des ‚Herrn der Ringe‘, ohne die im Hintergrund praktisch nichts läuft. Ich habe vier Jahre an allen drei Filmen mitgewirkt und dabei alle möglichen Jobs gemacht.
Und eines Tages kam dann jemand auf Sie zu und sagte “Sie sind ein Elb!”?
Naja, ich war gerade im Büro, als der Casting Direktor vorbeikam und mich fragte, ob ich mir vorstellen könnte auch vor der Kamera zu stehen. Es gäbe da so eine Rolle … Und natürlich würde ich alles tun, um ein paar Tage aus dem Büro zu kommen, also nahm ich die Rolle an. Wir brauchten etwa zwei Wochen, um die Szene des Rats von Elrond zu drehen [in der Harding als Erestor zu sehen ist]. Danach wurde ich ab und zu für weitere kleine Szenen gebucht [z.B. zum zweitägigen Dreh als Dinendal, ein Elb der Galadhrim], wenn sie gerade niemand anderen finden konnten, der auf die Beschreibung passte.
Gehen Sie davon aus auch im ‘Hobbit’ wieder eine Rolle ergattern zu können?
Ich hoffe irgendwann als irgendwer gecastet zu werden, aber man weiß ja nie. Die Zeit dazu zu finden ist gar nicht so einfach, da ich bei meinem normalen Job schon so viel zu tun habe. Aber ich hoffe auf das nächste Jahr.
Ich habe gehört, es werden diesmal kleinere Schauspieler für die Waldelben des Düsterwalds gesucht.
Ja, das ist richtig … habe ich gehört. Es gibt verschiedene Elbenrassen in den Büchern, die verschieden groß sind. Also muss ich darauf warten, dass die Elben aus Bruchtal wieder auftauchen.
Sehen Sie die Leute am Set überhaupt oder arbeiten Sie in einem Büro außerhalb?
Ich arbeite zweieinhalb Tage am Set und zweieinhalb Tage im Büro. Ich komme also viel herum und sehe jede Menge Leute. Ich arbeite besonders gerne mit der Kern-Crew außerhalb des Sets zusammen, von denen ich viele schon seit der ‚Herr der Ringe‘-Verfilmung, also teilweise schon über zehn Jahre lang, kenne.
Wie sind Sie zur Filmindustrie gekommen?
Ich habe nie darauf hingearbeitet in der Filmindustrie zu arbeiten. Ich war tatsächlich auf einer Party, als mir jemand sagte eine Film-Crew suche Leute mit regionalen Kenntnissen rund um Nelson, wo sie Teile vom ‚Herrn der Ringe‘ gedreht haben. Ich dachte mir – klar, das kannst Du für ein paar Wochen machen. Vier Jahre später war ich immer noch dabei.
Haben Sie den Herrn der Ringe gelesen – und wenn ja wann?
Na klar. Ich habe den Hobbit und den Herrn der Ringe gelesen als ich noch ein Teenager war, also lange bevor ich für die Filme arbeitete. Seitdem habe ich sie allerdings nicht mehr gelesen, was ich wohl demnächst nachholen werde. Vor allem beim Hobbit habe ich so viele Details vergessen, die mir jetzt bei den Dreharbeiten wieder eingefallen sind. Ich habe diese wunderschön illustrierte Ausgabe zu Hause. Ich war total stolz, dass ich Alan Lee und John Howe treffen durfte. Sie haben so ein außergewöhnliches Talent.
Haben Sie schon Pläne für nach dem ‘Hobbit’?
Noch nicht wirklich. Meine Stelle bei der Produktionsfirma ist projektgebunden, aber normalerweise zieht man mit dem ganzen Team einfach zu einem neuen Film. Ehrlich gesagt versuche ich mich gerade eher als Musiker. Aber es ist schwer sich nicht total in der Arbeit an den Filmen zu verlieren, das ist einfach viel zu faszinierend. Ich versuche aber weniger Film und mehr Musik zu machen.
» Kostproben von Jonathan Hardings Musik
Bild: Miriam Watschong









