Warum steht auf dem Grabstein der Tolkiens unter den Namen John Ronald Reuel und Edith Mary eigentlich Beren und Lúthien? Und was war an Tolkiens Leben so spannend, dass jetzt ein Film darüber gedreht wird?

Diese und andere Fragen wurden beim Tolkien Lesefest am 18. November 2017 in der Phantastischen Bibliothek in Wetzlar ergründet. In einem Vortrag über „Die Leiden des jungen Tolkien“ berichtete Marie-Noëlle Biemer über Tolkiens eigene (fast) tragische Liebesgeschichte, die dem britischen Erfolgsautor als Inspiration für eine seiner ersten Geschichten im Universum von Mittelerde diente – ähnlich wie Ereignisse aus Johann Wolfgang von Goethes Leben ihm in Wetzlar Ideen zum Werther lieferten.

Bei der Geschichte Tolkiens handelt es sich um die des Sterblichen Beren, der sich in die Unsterbliche Lúthien verliebt. Nach der Überwindung größter Hindernisse finden beide zusammen. Die Verbindung zu Tolkiens Leben besteht nicht nur in einer Schlüsselszene, in der Lúthien für Beren auf einer Waldlichtung tanzt, wie Edith für Tolkien im Wald von Roos in Nordengland tanzte. Tolkien selbst schrieb in einem Brief an seinen Sohn Christopher nach Ediths Tod: „Sie war meine Lúthien (und wusste es).“ (Brief 340, S. 547, in: Carpenter, Humphrey (Hg.). J.R.R. Tolkien. Briefe. Stuttgart: Klett-Cotta, 2002)

Beim Lesefest wurde entsprechend eine frühe Fassung der Erzählung aus der in diesem Jahr bei Klett-Cotta erschienenen Textsammlung Beren und Lúthien komplett vorgelesen. Darüber hinaus gab es einen Zeichenworkshop mit Fantasy-Illustratorin Anke Eißmann, einen Miniaturenmal-Workshop mit Ralph Seibel und Einführungsrunden in Mittelerde-Spiele mit Jens Götz.

Organisiert vom Stammtisch Vogelsberg der Deutschen Tolkien Gesellschaft e.V., lockte die Veranstaltung Gäste von nah und fern. Als besondere Überraschung war Helmut Pesch, der Übersetzer von Beren und Lúthien vor Ort. Aber auch viele Jugendliche hatten sich eingefunden, die – über den Herrn der Ringe und den Hobbit hinaus – mehr über Tolkiens Welt erfahren wollten. Eine Neuauflage der Veranstaltungskooperation zwischen der DTG und der Phantastischen Bibliothek im Rahmen des Bundesweiten Vorlesetags ist im nächsten Jahr nicht ausgeschlossen.

Credits

Titelfoto:  Marie-Noelle Biemer