„In einer Höhle unter der Erde, da lebte ein Hobbit.“ Als J.R.R. Tolkien diesen Satz auf ein leeres Examenspapier schrieb, wusste er selbst noch nicht, was ein Hobbit überhaupt ist. Und was aus diesem Satz noch alles werden sollte, konnte er erst recht nicht absehen. Die spannende Abenteuergeschichte von Bilbo Beutlin, die Tolkien zunächst nur zur Unterhaltung seiner Kinder geschrieben hatte, ist heute auf den Tag genau vor 80 Jahren veröffentlicht worden. Wir sagen vielen Dank und herzlichen Glückwunsch!

Vom Anfang der Geschichte

Als der Hobbit beim Londoner Verlag Allen & Unwin im Gespräch war, gab Stanley Unwin das Manuskript an seinen damals zehnjährigen Sohn Rayner. Er war der Auffassung, dass ein Kinderbuch am besten von einem Kind beurteilt werden könne. Rayner Unwin gefiel die Geschichte sehr gut und er schrieb ein kleines Essay darüber, in welchem er die Gründe, die für eine Veröffentlichung sprachen, darlegte. Für diese Arbeit, vor allem aber für seine Einschätzung, bekam er als Lohn einen Schilling von seinem Vater. Wir verdanken es also einem Kind, dass Tolkien überhaupt jemals außerhalb seiner Akademikerkreise bekannt wurde. Tolkien selbst hat das Essay nie gelesen, wusste aber von seiner Existenz. Rayner fand es gar nicht schlimm, dass Tolkien es nie bekommen hatte, denn er selbst fand, es sei kein guter Aufsatz gewesen.

Der Hobbit wurde am 21. September 1937 bei Allen & Unwin mit einer Auflage von 1.448 Stück veröffentlicht. Bereits am 15. Dezember desselben Jahres war das Buch ausverkauft und der Verlag bat Tolkien um eine Fortsetzung. Man wollte gerne mehr über Hobbits wissen. Obwohl Tolkien nicht recht wusste, wie er an eine Erzählung anknüpfen sollte, die damit endet, dass jemand „glücklich bis ans Ende seiner Tage lebte“, machte er sich ans Werk. Eine Fortsetzung sollte es also werden, nun gut. „Als Herr Bilbo Beutlin von Beutelsend ankündigte, dass er seinen bevorstehenden einundelfzigsten Geburtstag mit einem rauschenden Fest zu feiern gedenke, begann in Hobbingen ein erregtes Getuschel.“ (Der Herr der Ringe, Klett-Cotta) Auch bei diesem Satz ahnte Tolkien wohl selbst noch nicht, wohin die Reise gehen sollte, dass daraus eines der beliebtesten Werke der modernen Fantasy werden würde: Der Herr der Ringe. Rayner Unwin übernahm später übrigens den Verlag seines Vaters und ermunterte Tolkien vor allem während der Arbeit am Herrn der Ringe immer wieder zum Weiterschreiben. Ihn und Tolkien verband eine enge Freundschaft.

Die zwei Übersetzungen

Bereits Ende der 1930er-Jahre suchte Tolkiens Verlag (Allen & Unwin) einen deutschen Verlag für eine Übersetzung des Hobbit. Als Partner fand man den Verlag Rütten & Loening. Wegen der zu diesem Zeitpunkt schon eingeführten Nürnberger Rassengesetze mussten alle Autoren, die in dem als ‘kriegswichtiges Unternehmen” eingestuften Verlag veröffentlichen wollten, einen Ariernachweis vorlegen. Tolkien war gar nicht erfreut darüber und schrieb seinem Verleger Unwin:

Muss ich mir diese Unverschämtheit wegen meines deutschen Namens bieten lassen, oder müssen nach ihren Wahnsinnsgesetzen alle Menschen aus allen Ländern ein Zeugnis über ihre „arische“ Abstammung beibringen?
Meinerseits wäre ich geneigt, jede solche „Bestätigung“ zu verweigern (obwohl es sich zufällig so verhält, daß ich sie geben könnte) und auf die deutsche Übersetzung zu pfeifen.

J.R.R. Tolkien - Aus einem Brief an Stanley Unwin. (Brief 29)

Der Hobbit kommt nach Deutschland

Ein Vertrag, und damit eine Übersetzung ins Deutsche, kam zwischen diesen beiden Verlagen nicht mehr zustande. Erst im Jahr 1957 erwarb der Paulus Verlag in Recklinghausen die Rechte an einer deutschen Veröffentlichung. Das etwas eigenwillige deutsche Cover illustrierte der Wolfsburger Künstler Horus Engels, übersetzt wurde das Werk von Walter Scherf. Engels stand zu diesem Zeitpunkt bereits mit Tolkien in Kontakt. So kam 1957 unter dem Titel Kleiner Hobbit und großer Zauberer der Hobbit ins Deutsche. Ab der zweiten Auflage (erschienen 1967) hieß das Werk Der kleine Hobbit. Vier Jahre später erschien Der kleine Hobbit unter dem neuen Verlagsnamen Georg Bitter Verlag. Für die dritte Auflage hatte Scherf sein Werk noch einmal überarbeitet, um es unter anderem an die 1969/70 erschienene deutsche Herr-der-Ringe-Ausgabe anzupassen. Damit wurde wieder der Hobbit wegen des Herrn der Ringe angepasst. Ab 1974 erschien Der kleine Hobbit dann nur noch als Lizenzausgabe im Verlag DTV Junior als Taschenbuch.

Ein zweiter Verlag steigt ein

Nachdem der Bitter Verlag 1997 aufgelöst wurde, sicherte sich der Verlag Klett-Cotta die Rechte an der Hardcoverversion des Hobbits. In diesem Zusammenhang bot es sich an, nach 40 Jahren eine neue Übersetzung anfertigen zu lassen. Die Neuübersetzung wurde von Wolfgang Krege vorgenommen. Als eigenständiges Werk kam Der Hobbit im Jahr 1998 in den Handel. 1997 erschien das Werk als ein Teil der limitierten Sonderausgabe Die Geschichte des großen Ringskriegs (sieben Bände im Schuber). 2010/11 entschied sich der Klett-Cotta Verlag, das Werk ein weiteres Mal zu überarbeiten und zu ergänzen (nach dem englischen Original). Durchgeführt wurde diese Arbeit von Joachim Kalka.

Damit hält DTV die Softcover-Rechte und Klett-Cotta die Rechte am Hardcover.

Skurriles und Witziges

Was kostet die Welt – oder eine Erstausgabe?

Wer eine Erstausgabe des Hobbits hat, der kann sich glücklich schätzen. Im Juni 2015 brachte es eine Erstausgabe beim Auktionshaus Sotheby’s auf die stolze Rekordsumme von 185.000€. Das Buch befand sich in außergewöhnlich gutem Zustand und trug sogar eine Widmung Tolkiens an eine seiner Studentinnen. Wer also solch eine Ausgabe sein eigen nennen will, der muss tief in die Tasche greifen.

Ein Replikat würde auch gehen

Für alle, die das passende Kleingeld nicht haben, gab es bereits 2012 einen Lichtblick: HarperCollins kündigte eine Faksimile Edition der Hobbit-Erstauflage an. Lieferbar sollte das Werk zwei Jahre später sein. Nun ist das Anfertigen eines Faksimile alles andere als einfach. Fotografieren/scannen und wieder ausdrucken reicht da nicht. Und so verschob sich der Veröffentlichungstermin erst auf Juni 2015, dann November 2015, Frühjahr 2016, bis das Buch endlich am 20. September 2016 tatsächlich veröffentlicht wurde. Die originalgetreuen Kopien der Erstausgabe sind im Gegensatz zur Originalausgabe erschwinglicher. Sie können bereits für 25 Pfund (oder etwa 23 Euro) bestellt werden.

Das Werk braucht 2 Bände

Der Hobbit ist bekanntlich ein kleines nettes Werk. Nicht zu viele Seiten, schön als Hard- oder Softcover zu erhalten, aber immer in einem Band. Der Verlag HarperCollins brachte anlässlich der Hobbit-Verfilmungen durch Peter Jackson (zu diesem Zeitpunkt waren nur zwei Filme geplant) eine zweibändige Ausgabe des Hobbits heraus. Dabei waren die Bücher so aufgeteilt worden, wie die Verfilmung das Werk geteilt hätte. Immerhin sind beide Büchlein in einem Schuber, sodass nicht eines davon verloren gehen kann.

Zwischen den Zeilen lesen

Im „großen Hobbit-Jahr“ 2012 erschien die deutsche Version des kommentierten Hobbits. Das Große Hobbit Buch enthält neben dem Text entsprechende Anmerkungen, Erklärungen und Interpretationen von Douglas A. Anderson. Man kann mit diesem wunderbaren Band u.a. nachvollziehen, wo welche Passagen von Tolkien im Nachhinein geändert wurden, um den Hobbit besser mit dem Herrn der Ringe zu verknüpfen. Die Übersetzung der Anmerkungen Andersons und der verschiedenen Zusatzkapitel übernahm Übersetzerin Lisa Kuppler. Die fehlenden Verszeilen in den deutschen Übersetzungen der Lieder und Gedichte wurden durch Joachim Kalka, der zu diesem Zeitpunkt bereits den Hobbit überarbeitete, ins Deutsche übertragen.

He aha ka’ōlelo e hiki ai? (Welche Sprache darf es sein?)

Der Hobbit wurde insgesamt in über 50 Sprachen und Dialekte übersetzt. Die erste Übersetzung des Werkes war 1947 die schwedische Version. Unter dem Titel: Hompen eller En resa Dit och Tillbaks igen übersetzte Tore Zetterholm das Werk. Zehn Jahre später kam als zweite Übersetzung die deutsche Ausgabe. Innerhalb der vielen unterschiedlichen Sprachen tauchen auch immer wieder besondere Übersetzungen auf. So wurde Der Hobbit ins Jiddische übertragen, 2012 mit hebräischen Schriftzeichen und 2015 mit lateinischen Schriftzeichen. Daneben wurde Der Hobbit unter anderem auch ins Kornische, Hawaiische und Lateinische übersetzt, aber auch ins Friesische oder in die Plansprache Esperanto.

Nicht nur zum Lesen

Auf die Ohren

Im Jahr 1980 produzierte der WDR zum ersten Mal ein Hörspiel zu einem Werk Tolkiens: den Hobbit. Die Erstausstrahlung im Radio war am 21. Dezember 1980 (Teil 1) und vom 24. bis 26. Dezember wurden die Teile 2 bis 4 gesendet. Damit es in vier Sendungen à einer Stunde passte, wurde das Hörspiel um 30 Minuten gekürzt. Erst 1987 kam das Werk in Gänze als Kassette heraus. Durch die Geschichte führt der mittlerweile verstorbene deutsche Schauspieler Martin Benrath (* 9.11.1926 † 31.1.2000) als Erzähler. Regie führte kein Geringerer als der Theater- und Hörspielregisseur Heinz Dieter Köhler. Trotz seiner vielen Produktionen bleibt sein bekanntestes Werk dieses Hörspiel. Es nutzt die Walter-Scherf-Übersetzung als Grundlage. Musikalisch begleitet ist das Hörspiel vom Collegium Vocale Köln und insgesamt sehr aufwändig gestaltet worden.

Am 8. Oktober 2013 erschien im Hörverlag das Hörspiel auch als Vinyl-Edition in einer nummerierten Sammleredition mit den beliebten Illustrationen von John Howe und auf 180g Vinyl. Übrigens stammen die Runen im Zierrahmen von unserem allseits geschätzten Sebastian Kleinen! 😉

Wem das Hörspiel nicht zusagt, der könnte vielleicht Interesse am Hörbuch haben. Auf zehn Audio-CDs, oder in 654 Minuten, liest Gert Heidenreich die Geschichte von Bilbo Beutlin vor. In der ungekürzten Fassung der Krege-Übersetzung.

Ein Film. Nein zwei, oder doch lieber drei? Nein vier!

Am 18. Dezember 2007 und damit vier Jahre nach dem Erscheinen des Films Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs kündigten New Line Cinema und Metro-Goldwyn-Mayer an, den Hobbit als Zweiteiler auf die Kinoleinwände zu bringen. Bereits im Jahre 2008 begann man mit den Drehbucharbeiten. Das erste Drehbuch wurde im November 2009 beendet.

Bereits vier Monate später sollten die Dreharbeiten beginnen. Zu diesem Zeitpunkt sah das Konzept vor, Peter Jackson und seine Frau Fran Walsh als Produzenten und den Mexikaner Guillermo del Toro als Regisseur zu engagieren. Im November 2009 meldeten die MGM-Studios Zahlungsprobleme und baten um einen Zahlungsaufschub. Dies brachte zeitweise einen möglichen Kauf der Metro-Goldwyn-Mayer Studios durch Time Warner ins Gespräch. Dazu kam es aber nicht und die MGM-Studios wurden erfolgreich saniert. Auf Grund der ganzen Verzögerungen gab del Toro am 30. Mai 2010 bekannt, dass er das Projekt verlassen würde. Am 1. Juli 2010 übernahm Peter Jackson offiziell die Regie, obwohl er dies zuerst ausgeschlossen hatte.

Am 21. März 2011 begannen die Dreharbeiten zu den ersten beiden Hobbit-Filmen. Nach nur 266 Drehtagen waren die Arbeiten am 6. Juli 2012 beendet. Nur gut 3 Wochen später gab Peter Jackson bekannt, dass aus dem Zweiteiler eine Trilogie würde. Deshalb wurde für 2013 mit Nachdrehs geplant. Der dritte Teil war zu diesem Zeitpunkt noch nicht gedreht. So wurden aus zwei Filmen plötzlich drei.

Doch eigentlich sind es vier!

Denn 1977 kam eine Zeichentrickadaption des Hobbit in die Kinos. Produziert von Arthur Rankin Jr. und Jules Bass, erzählt der Film buchnah in nur 78 Minuten die komplette Geschichte von Bilbos Abenteuer. Dazu sind sowohl die Animation als auch die Hintergründe aufwändig und herausragend gestaltet. Auch der Soundtrack (allen voran das Zwergenlied) kann sich mit der Peter-Jackson-Produktion, aber auch mit der Musik aus dem deutschen WDR-Hörspiel durchaus messen!

Wem die Namen Rankin/Bass bekannt vorkommen, wir helfen gerne: Sie haben auch Das letzte Einhorn gemeinsam produziert. Der Zeichenstil ist einfach unverkennbar. Sie haben auch die Produktion an der Herr-der-Ringe-Verfilmung durch Ralph Bakshi fortgeführt. So kommt es, dass es einen Zeichentrickfilm mit dem Titel Der Herr der Ringe gibt und einen Nachfolger, betitelt mit Die Rückkehr des Königs. Auch die Stile der beiden Filme sind entsprechend verschieden. Man sieht aber sehr deutlich, wo Mr. Jackson sich für die Realfilme hat inspirieren lassen!

Quellen

  • Carpenter, Humphrey (Hg.): J.R.R. Tolkien. Briefe, Klett-Cotta.
  • Tolkien, John Ronald Reuel: Der kleine Hobbit, DTV Junior.
  • Tolkien, John Ronald Reuel: Der Hobbit, Klett-Cotta.
  • Tolkien, John Ronald Reuel: Der Herr der Ringe, Klett-Cotta.
  • Klett-Cotta Verlag

Credits

  • Fotos: Tobias M. Eckrich
  • Cover Hobbit-Vinyl: Hörverlag