Es war kein ganz leichtes Erbe, das die German Castle Con als Nachfolger der abgesagten Medieval Fantasy Convention angetreten hat. Der neue Veranstalter hat die Herausforderung jedoch mit viel Engagement angenommen und ein gut organisiertes Event auf die Beine gestellt. Die Cool Conventions GmbH, sonst für die German Comic Con an verschiedenen Standorten verantwortlich, ließ sich nicht lumpen und lud gleich 16 Stargäste aus Film und TV ein. Aus den Tolkien-Verfilmungen waren John Rhys-Davies, Billy Boyd, Sylvester McCoy, Ryan Gage und Manu Bennett mit dabei, außerdem Schriftsteller-Urenkel Royd Tolkien.

Altbewährtes und neue Aktionen

In vielerlei Hinsicht orientierte sich die German Castle Con am Vorgänger: Autogramme gab es im Rittersaal, Fotoshooting in der Kemenate, die Hauptbühne war auf dem Schlossplatz aufgebaut. Zeremonienmeister Kevin (“nicht nur eine Diagnose, sondern auch ein Name”) plauderte gewohnt charmant mit den Stargästen, wenn gerade einmal keine Fragen aus dem Publikum kamen. Zwischen den Panels spielte eine Mittelalter-Band (in diesem Jahr die Formatio Angerspil) auf, und in den Innenhöfen der Burg fanden Markt und Burgbelebung statt. Dort präsentieren sich auch Profis aus der Cosplay-Szene, und wer wollte, konnte sich wieder mit den Greifvögeln der Falknerei Skyhunters fotografieren lassen. Neu waren diverse kleinere Aktionen für zwischendurch, etwa Workshops mit Fechtmeister Olaf Küppers, Besen-Rodeo für Quidditch-Fans, ein Karrikaturenzeichner und der eiserne Thron als Foto-Kulisse.

Cosplay, Literatur und Sneak Preview

Größere Änderungen gab es im Rahmenprogramm. Der Kostümwettbewerb wurde nicht mehr durch Punktesammeln bei den anderen Besuchern, sondern in einer Bühnenshow mit Jury entschieden. Hier konnte sich ein aufreizender Hexenkönig von Angmar mit einer Mischung aus Horror and Striptease gegen die Konkurrenz durchsetzen. Außerdem gab es in den neu renovierten Museumsräumen des Bergfrieds endlich die Möglichkeit für weitere Workshops und Vorträge. Hier fanden Gesprächsrunden mit den Comiczeichnern André Sedlaczek (Game of Cartoons) und Michael Holtschule (Tot aber lustig; Möge der Witz mit dir sein) oder auch den erfahrenen Cosplayern statt, die Tipps und Tricks zum Umgang mit verschiedenen Materialien oder zum gekonnten Posing verrieten. Fantasy-Urgestein Wolfgang Hohlbein las am Sonntag aus seinem Roman Armageddon vor. Nicht zuletzt löste Royd Tolkien sein im letzten Jahr gegebenes Versprechen ein, eine Charity-Preview seines Filmprojekts There’s a Hole in my Bucket zu ermöglichen. Der sehr persönliche Film über die Folgen der ALS-Erkrankung seines Bruders Mike erscheint regulär erst im kommenden Winter – dann zunächst auf dem nordamerikanischen Markt – und kam beim Testpublikum auf Schloss Burg sehr gut an.

Familiäre Atmosphäre

Die Reise nach Schloss Burg lohnte sich also durchaus. Insgesamt 2.500 Besucher kamen laut Veranstalter im Lauf des Wochenendes zusammen. Trotzdem blieb die Atmosphäre auf der Burg angenehm familiär. Anders als bei den Veranstaltungen der Vorjahre gab es keine endlosen Schlangen vor dem Photoshooting oder den Autogrammstunden, sondern allenfalls kurze Wartezeiten und viel Gelegenheit zum Plaudern mit den Stars. Selbst bei den beliebtesten Panels konnte man immer noch einen Platz mit Blick auf die Bühne erhaschen, und auch zwischen den Marktständen gab es kein Gedränge. Ausladende Kostüme mit Flügeln oder Reifrock wurden allenfalls in den engen Wehrgängen zum Problem. Mancher Stargast blickte bei seinem Panel sogar auf leere Sitzreihen, was aber wohl auch an der gleißenden Sonne lag, die das Publikum vor der Bühne gnadenlos grillte. Entsprechend war einer der häufigsten Kritikpunkte der Mangel an Schatten auf dem Schlossplatz sowie die Security, die direkt am Einlass größere Wasserflaschen einkassierte. Nach Beschwerden einiger Besucher setzte der Veranstalter dieser Praxis aber ein Ende. Überhaupt waren erfreulich viele Helfer vor Ort, die leicht zu finden und bei Fragen und Problemen jederzeit ansprechbar waren.

Kurzweiliges Spektakel mit kurzem Vorlauf

Natürlich gibt es noch Verbesserungspotential. Auf der Facebook-Präsenz der Veranstaltung beanstanden die Fans etwa, dass es relativ wenige Marktstände und nur eine kleine Auswahl bei den Ess- und Getränkeständen gab. Auch mehr Schaukämpfer oder Fantasy-Fangruppen zur Burgbelebung werden gewünscht. An diesen Stellen wurde eben doch sichtbar, dass der neue Veranstalter gerade einmal drei Monate hatte, um ein kurzweiliges Programm zu organisieren, neue Schausteller anzuheuern und die vom Vorgänger zuletzt arg geprellten Fans zu besänftigen. Diese Mission kann man getrost als erfüllt betrachten.

Der Termin für das neue Jahr wurde bereits bekanntgegeben: Am 22. und 23. August 2020 werden wieder Stargäste, Künstler, Cosplayer und Fans nach Schloss Burg eingeladen. Mit nunmehr genügend Zeit für die Vorbereitung dürfe es eine rundum gelungene Veranstaltung werden – der Testlauf stimmt jedenfalls optimistisch.

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Credits

Fotos: Christiane Steinwascher

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