Vom 25. bis 27. Mai 2018 trafen sich zum zehnten Mal Tolkien-LiebhaberInnen und Fantasy-Fans in Pont am Niederrhein, um gemeinsam für ein Wochenende in eine andere Welt einzutauchen. Erstmalig begannen die Festlichkeiten bereits am Freitagabend mit der Open-Air-Ausstrahlung von „Herr der Ringe – Die Gefährten“. Es fanden sich 427 ZuschauerInnen ein, um den Beginn von Frodos Reise nach Mordor auf einer aufblasbaren Leinwand unter freiem Himmel zu verfolgen.

In diesem Jahr präsentierte sich den BesucherInnen auch ein neues Festgelände, denn der Bürgerpark Pont ist mittlerweile zu klein für die insgesamt 6087 Tolkien-FreundInnen, die sich an diesem Wochenende in dem kleinen Ort am linken Niederrhein einfanden. Auch die Hotels und Pensionen in Geldern und Umgebung platzten unter dem Ansturm der Mittelerdlinge aus allen Nähten. Das neue Gelände bot genug Platz für alle, um gemütlich an den Ständen und Zelten entlang zu schlendern und die Auslagen der Händler zu bewundern, die musikalischen Darbietungen auf der Bühne zu genießen und sich bei dem heißen Wetter zwischendurch mit erfrischenden Getränken und anderen Leckereien zu versorgen.

Auch das neue Vereinsheim der Deutschen Tolkien Gesellschaft wurde in das Programm integriert und als Vortragsraum genutzt. Zahlreiche HändlerInnen boten thematisch passende Artikel an: von Ausstattung für die eigene Fantasy- bzw. Mittelaltergewandung über Fanartikel, reichlich Bücher von und über Tolkien bis hin zu Bildern von KünstlerInnen wie zum Beispiel Jenny Dolfen, die den diesjährigen Tolkien Society Award für das beste Artwork bekommen hat.

Die Deutsche Tolkien Gesellschaft war mit einem eigenen Stand vertreten, an dem sich BesucherInnen über den Verein informieren und vereinseigene Publikationen erwerben konnten. Beim alljährlichen traditionellen Tolkien-Quiz wie auch bei der Foto-Rallye „20 Zwerge“ anlässlich des 20. Vereinsgeburtstags hatten die Teilnehmer richtig viel Spaß.

Auch die Hobbits unter den BesucherInnen kamen nicht zu kurz, denn für das leibliche Wohl war mit einer großen Anzahl an Speisen wie Hanftaschen, Flammkuchen, Flammlachs, Grillgut und verschiedenen Gemüsepfannen bestens gesorgt. An Kaffee und Kuchen, sogar an frischen Erdbeeren konnte man sich erquicken. Neben den Verpflegungs- und Händlerständen waren auch einige lagernde Gruppen vor Ort, die einen großen Teil zum phantastischen Ambiente der Veranstaltung beitrugen. So gab es Orks, Waldläufer, Elben und Hobbits zu bestaunen, und auch viele BesucherInnen kamen in Gewandung zum Fest.

Ein besonderes Highlight waren, wie schon in den Jahren zuvor, die Nazgûl vom Friesenteam Rheingold, die immer wieder zu Pferd über das Festgelände ausschwärmten und dabei von Groß und Klein bestaunt wurden. Musikalisch begleiteten die Spielleute von Verus Viator, die Mittelalterband Fafnir und die von Tolkiens Mittelerde inspirierte Band Faelend die BesucherInnen durch den Tag.

Um den Interessierten verschiedene Aspekte zu Tolkiens Schaffen und auch zur Fantasy im Allgemeinen näherzubringen, gab es auch in diesem Jahr wieder ein reichhaltiges Vortragsprogramm. Am Samstag hat unter anderem Sophie Bauer unter dem Titel „Lügenpresse in Mittelerde“ erläutert, dass auch die Geschichtsschreibung in Mittelerde sehr subjektiv und aus der Sicht der Sieger niedergeschrieben war. Andere Vortragsthemen waren Tolkiens Wegbereiter, die Vergangenheit der Hobbits, das Märchen als Vorläufer der phantastischen Erzählform oder die mythologischen Hintergründe besonderer Gegenstände in Mittelerde. Auch mit Tolkiens anderen Werken wie Bauer Giles von Ham oder Die Kinder Húrins beschäftigten sich Referenten.

Der bekannte deutsche Fantasy-Autor Bernhard Hennen las aus seinem Roman Die Chroniken von Azuhr – Der Verfluchte. Am Abend brachten Dr. Christian Weichmann und Marcel Aubron-Bülles auf unterhaltsame Weise den Zuhörern die Entstehungsgeschichte der Deutschen Tolkien Gesellschaft nahe, parallel gab es eine Diskussionsrunde mit Friedhelm Schneidewind, Myk Jung und Bernhard Hennen, moderiert von Dr. Oliver Bidlo.

Der Höhepunkt des Samstags war jedoch der Auftritt des Tolkien Ensemble. Die dänische Band, die die Lieder und Gedichte aus dem Herrn der Ringe vertont hat, war schon länger nicht mehr in Deutschland zu Gast und besonders die folkigeren Hobbitstücke holten viele tanzwütige Elben, Hobbits, Menschen und Zwerge zu einem lustigen Reigen vor die Bühne. Einige Musikstücke wurden auch den Veranstaltern gewidmet. Und spätestens bei Gandalfs furiosem Feuerwerk, das für 15 Minuten den Himmel über Pont erhellte, fühlte man sich tatsächlich ein bisschen wie auf Bilbos Geburtstagsparty.

Am Sonntag gab es weitere Vorträge u.a. von Tolkien-Kennern wie Dr. Oliver Bidlo und Dr. Frank Weinreich. Maria Zielenbach informierte detailliert über die Sprachen zur Zeit des Ringkrieges und Tolkiens Alter Ego als Übersetzer des Roten Buches der Westmark vom Westron ins Englische. Dr. Helmut W. Pesch, dem deutschsprachige Mittelerde-Fans diverse Wörter- und Übungsbücher zur elbischen Sprache verdanken, stellte uns zahlreiche fiktive Werke vor, in denen Tolkien und die anderen Inklings als Romanfiguren auftauchen. Zum Abschluss gab es einen Überblick von Michael Lukas über die Geschichte der „Herr der Ringe“-Videospiele und eine Lesung von Myk Jung aus seinen Tolkien-Parodien.

Das für den Sonntag geplante musikalische Highlight, ein gemeinsamer Auftritt von Friedhelm Schneidewind mit der Band Faelend, fiel leider dem plötzlich einsetzenden Gewitter zum Opfer. Mit kräftigen Güssen verabschiedete uns das Wetter von einem zauberhaften Wochenende am Niederrhein, doch wir freuen uns schon auf nächstes Jahr, wenn Geldern wieder nach Mittelerde einlädt.

Credits

Titelfoto: Ulrich Hacke

weitere Fotos: Corina Hinz; Ulrich Hacke