Da hat es am Sonntagmorgen in der Onlinewelt aber mächtig rums gemacht! Variety veröffentlichte einen Artikel, dass Amazon und Warner Brothers in Verhandlungen mit den Tolkien-Erben stehen, um eine weitere Adaption des Herrn der Ringe auf den Markt zu bringen. Daraufhin explodierte das Netz. Wir haben versucht, für Euch alle relevanten Daten zusammenzupacken.

Netflix, Amazon und HBO

Am 3. November 2017 veröffentlichte die Autorin Nellie Andreeva auf der Seite deadline.com, dass Amazon, Netflix und HBO wohl Interesse daran hätten, den Herrn der Ringe als Serie herauszubringen. Die Lizenzkosten liegen nach ihren Aussagen zwischen 200 und 250 Million US-Dollar. Pro Staffel sollen weitere 100-150 Millionen Dollar veranschlagt werden. Dies habe laut deadline.com dazu geführt, dass HBO seinen Hut aus dem Ring genommen hat.

Amazon

In einem Interview mit Variety berichtet Roy Price von der klaren Ansage seines Chefs Jeff Bezos: “Bring me Game of Thrones.” Dies könnte mit einer weiteren Herr-der-Ringe-Adaption durchaus möglich sein. Dabei soll es nicht um eine 1:1-Kopie der Herr-der-Ringe-Bücher gehen, sondern um eine Serie, basierend auf den Romanen J.R.R. Tolkiens, womöglich im Stil der Erfolgsserie Game of Thrones (HBO). Es sei aber noch kein Vertrag abgeschlossen und alles befinde sich noch in einem sehr frühen Stadium der Verhandlungen. Deshalb ist auch nicht klar, was wir eventuell mal zu sehen bekommen. Nach übereinstimmenden Medienberichten soll sich Amazon-Gründer und -Chef Bezos aber persönlich in die Verhandlungen eingebracht haben. Dies untermauert Prices Aussage im Interview, dass Amazon mehr High-Fantasy veröffentlichen möchte, zu dessen Fans auch Bezos gehört. Price wird dem Projekt, so es denn kommt, nicht angehören. Er trat nach Belästigungsvorwürfen im Zuge des Weinstein-Skandals Mitte Oktober 2017 von seinem Posten als CEO der Amazon Studios zurück.

Wieso jetzt auf einmal?

Zum einen sind sowohl die Herr-der-Ringe– als auch die Hobbit-Filme schon eine ganze Weile her. Zum anderen wurde Mitte des Jahres ein seit 2012 andauernder Rechtsstreit zwischen dem Tolkien Estate zusammen mit dem Verlag HarperCollins und Warner Brothers außergerichtlich beigelegt. Darin forderten Tolkien Estate und HarperCollins Schadenersatz in Höhe von 80 Millionen Dollar von Warner Brothers, da die 1960 vergebenen Rechte für den Hobbit und den Herrn der Ringe keine Vermarktung in elektronischer oder digitaler Form vorgesehen hatten. Nachdem dieser Streit nun beigelegt wurde, können neue Verträge ausgearbeitet werden.

Warum nicht das Silmarillion?

In den Social-Media-Kanälen wird immer wieder gefragt, warum nicht erst etwas bezüglich des Silmarillions veröffentlicht wird. Hier liegt es an der Rechtelage. So liegen die Rechte für das Silmarillion nach wie vor bei Tolkiens Sohn Christopher Tolkien. Dass er, der nicht begeistert von der Hobbit– und der Herr-der-Ringe-Adaption war, die Verwertungsrechte noch persönlich verkauft, gilt als sehr unwahrscheinlich.

Aber was könnte darin vorkommen?

Wie schon geschrieben, soll es nach Aussagen von Bezos nicht um eine 1:1-Umsetzung des Werkes gehen. Aber was könnte in einer Mittelerde-Fernsehadaption zu sehen sein? Dieser Frage geht Cirdan von Herr-der-Ringe-Film.de in einem Artikel nach.

Und jetzt?

Jetzt heißt es erst einmal: Ruhe bewahren. Es gibt Verhandlungen und mehr nicht. Weder der mögliche neue Rechteinhaber noch der Umfang des Projektes stehen fest. 2017 wird also sicherlich nichts mehr veröffentlicht. Auch eine Veröffentlichung 2018 ist unwahrscheinlich. Aber es wird einen neuen Film geben, der sich mit Tolkiens Leben befasst. Der Schwerpunkt soll auf der Zeit um den Ersten Weltkrieg herum liegen. Hier sind die Dreharbeiten bereits im Gange.

Die Zukunft um Tolkien im Filmgeschäft bleibt also spannend.

Herr der Ringe / Hobbit oder Mittelerde?

Der Vollständigkeit halber sei hier noch gesagt, dass die Filmrechte nicht beim Tolkien Estate liegen, sondern bei der von Saul Zaentz gegründeten Firma Tolkien Enterprises (seit 2010 Middle-Earth Enterprises). In den 1970er Jahren kaufte Zaentz dem US-amerikanischen Filmstudio United Artists die Verfilmungsrechte von J.R.R. Tolkiens Der Herr der Ringe Bücher ab. Mittlerweile hält und vermarktet Middle-Earth Enterprises weltweit die Rechte an Tolkiens Werken Der Herr der Ringe und Der Hobbit. Sie verfügt über die Rechte an den Titeln der Bücher, den Namen der Figuren, Orten, Gegenständen und Ereignissen sowie einzelnen Zitaten und Ausdrücken.

Dieses Lizenzgeflecht bringt weitere Brisanz in das Thema. Sollte tatsächlich mit dem Tolkien Estate verhandelt werden, kann es eigentlich nur um weitere Werke JRRTs gehen. Hier wäre also theoretisch auch das Silmarillion mit abgedeckt. Wenn Variety sich aber geirrt hat und Middle-Earth Enterprises meinte, kann es um alles gehen, was im Hobbit, im den Herrn der Ringe und in den Anhängen vorkommt. Wobei auch hier klar sein muss: Wir kennen die Verträge nicht und wissen auch nicht, ob es eine Sondervereinbarung zwischen Middle-Earth Enterprises und dem Tolkien Estate gibt, die es dem Tolkien Estate ermöglicht, ein Veto einzulegen oder dergleichen.

Sean Astin im Interview

Der Sam Gamgee Darsteller aus Peter Jacksons Herr der Ringe (Sean Astin), wurde vom Magazin Entertainment Weekly zu den Gerüchten um eine Serie befragt. Astin wird in dem unterhaltsamen Interview auch die Frage gestellt, ob er schon zwecks einer Rolle angerufen wurde. Es lohnt sich mal rein zuhören.

Credits

Titelfoto: Herr der Ringe – Die Gefährten – Auszug aus dem Poster. New Line Cinema & Warnerbros

[Update 6.11.2017, 17:00h] Wir haben nach einem Hinweis auf Facebook den Block „Herr der Ringe / Hobbit oder Mittelerde?“ eingefügt.
[Update 9.11.2017, 12:00h] Der Artikel wurde um das Interview von Sean Astin erweitert