Im 2019 erschienenen Buch J.R.R. Tolkien und sein Christentum von Christian Hatzenbichler geht es, wie der Name verspricht, um christliche Grundlagen, Einflüsse und Symbole für und in den Werken J.R.R. Tolkiens. Wir haben es für Euch gelesen.

Inhalt

In J.R.R. Tolkien und sein Christentum bearbeitet Christian Hatzenbichler drei Themengebiete: Tolkiens christliche Sozialisation und seine Ansichten über den Zusammenhang von Mythenschöpfung und Christentum (Kapitel 2), christliche Elemente und Einflüsse im Legendarium (Kapitel 3) und die Rezeption von Tolkiens Werke durch christliche Leser und Tolkien-Forscher (Kapitel 4).

Kapitel 2 beginnt mit einem kurzen Überblick von Tolkiens Leben, der sich vor allem auf die Rolle des Christentums fokussiert. Es folgt eine Darstellung von Tolkiens theoretischen Überlegungen zur Phantastik. Die beiden wichtigen Stichworte, die ausführlich erläutert werden, sind hier „Eukatastrophe“ (eine glückliche Wendung an einem aussichtslos erscheinenden Punkt) und „Zweitschöpfung“ (die Erschaffung von in sich geschlossenen Universen durch Menschen nach dem Vorbild von Gottes „Primärschöpfung“). Ersteres sieht Hatzenbichler als die von Tolkien „unbewusst eingegossene Frohe[…] Botschaft“(S. 30) seiner Werke. Dem Aspekt der „Zweitschöpfung“ widmet Hatzenbichler gleich mehrere Unterkapitel, in denen er Tolkien Vortrag „Über Märchen“, sein Gedicht „Mythopoeia“ und seine Kurzgeschichte „Blatt von Tüftler“ ausführlich analysiert.

Kapitel 3 greift Elemente, Charaktere und Gegenstände aus Tolkien Legendarium auf, die schon einmal mit christlichen Einflüssen in Verbindung gebracht wurden. Hier geht es beispielsweise um den Kampf „Gut gegen Böse“, Tolkiens weibliche Charaktere, Lembas als „Brot des Lebens“ und viele weitere Dinge. Besonders ist hier, dass nicht nur der Herr der Ringe besprochen wird, sondern das komplette Legendarium (also Das Silmarillion und so weiter). Auch auf die Verfilmungen von Peter Jackson wird immer wieder verwiesen. Dabei führt Hatzenbichler jeweils in ein christliches Thema ein und erklärt dann, wo sich die entsprechenden Elemente in den Werken Tolkiens beziehungsweise den Verfilmungen wiederfinden könnten.

Kapitel 4 beschäftigt sich mit christlicher Rezeption von Tolkiens Werken. Dabei wird zunächst einmal die unterschiedliche Rezeption von J.K. Rowlings HarryPotter-Reihe und Tolkiens Werken dargestellt und dann mögliche Gründe für die Popularität Tolkiens in christlichen Kreisen erläutert. Anschließend werden 5 Publikationen zu Tolkien mit christlichen bzw. esoterischem Hintergrund vorgestellt.

Hatzenbichler geht bei seinen Analysen sehr vorsichtig und kritisch vor, um zu vermeiden, was er als „christliche Überinterpretation“ bezeichnet. Kurz gesagt, nur weil Tolkien bekennender Christ war, muss nicht hinter jeder Ecke ein christliches Motiv vermutet werden. Ebenso kritisch ist Hatzenbichler bei der Bewertung der christlichen Rezeption von Tolkiens Werken und ihren Motiven. Auch nicht-christliche Elemente und Inspirationsquellen werden immer wieder erwähnt, aber nicht genauer besprochen.

Für wen ist das was?

J.R.R. Tolkien und sein Christentum bietet einen schönen Überblick über christliche Elemente in Tolkiens Legendarium und ihre Hintergründe. Es ist auch für nicht-Theologen lesbar, Fachbegriffe kommen kaum vor oder werden erklärt. Kapitel 2 wird all diejenigen interessieren, die sich gerne mit Tolkien als Autor und seinen Theorien über Märchen und Mythen beschäftigen. Das Kapitel sollte auch verständlich sein, wenn man die besprochenen Werke nicht kennt. Wem es aber zu trocken ist, wird vielleicht an Kapitel 3 Freude haben, da hier konkrete Beispiele besprochen werden. Kapitel 4 ist ein witziges Kuriositätenkabinett. Die vielen Verweise auf die Verfilmungen von Peter Jackson machen das Buch auch für Filmfans interessant.

Ob das Buch für Theologen und Tolkien-Forscher lesenswert ist, ist eine andere Frage. Wer sich gut mit der Sekundärliteratur rund um Tolkien und dem Christentum ausgeht, wird hier wenig Neues finden. Kapitel 2 und 3 sind im Allgemeinen gut gelungen, aber es gibt auch immer wieder Stellen, die durchaus diskutabel sind. Durch die eingeschränkte Literaturrezeption (nur deutschsprachige Werke), eignet sich das Buch auch nur bedingt als Startpunkt für eine Recherche zu diesem Thema. Trotzdem ist es schön, eine Zusammenfassung des Themas zu haben.

Hintergrund

Christian Hatzenbichler hat Religionspädagogik studiert und arbeitet als Lehrer an einem Gymnasium in Österreich. J.R.R. Tolkien und sein Christentum basiert auf einer gleichnamigen Doktorarbeit im Bereich Fachtheologie, die Hatzenbichler parallel zu seiner Tätigkeit als Lehrer verfasste. Bereits seit 10 Jahren beschäftigt sich der Autor mit dem Thema des Buches.

Fazit

Ich als nicht-Theologien habe J.R.R. Tolkien und sein Christentum gerne gelesen und empfehle es allen Tolkien-Fans, die sich für diese Thematik interessieren, aber keine Lust auf komplizierte Fachwörter oder Konzepte haben.

Produktinformation

Preis: 34 Euro
Format: Broschiert
Seiten: 254
Autor: Christian Hatzenbichler
Verlag: Tectum
Sprache: Deutsch
ISBN: 978-3-8288-4386-8

erschienen 2019

Kleiner Tipp: Die Dissertation könnt Ihr Euch hier kostenfrei herunterladen.

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Credits

Foto-Inhalt: Maria Zielenbach
Cover: Tectum-Verlag

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