In Fan-Kreisen macht gerade ein Artikel aus der Süddeutschen Zeitung die Runde. In dem Artikel, erschienen in der Sparte Hass auf Kunst, geht es darum, aufzuzeigen, warum Der Herr der Ringe (Buch und Film) Schund ist. Leider wird dafür bloß die älteste aller „Ungereimtheiten“ aufgenommen: die Sache mit den Adlern. Unsere Partnergesellschaft, die Deutsche Tolkienhass Gesellschaft V.e., ist der Ansicht: DA GEHT NOCH WAS!

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Der nachfolgende Brief ist Satire, er ist nicht ernst gemeint und sollte auch nicht als solcher verstanden werden!

Hass auf Tolkien? ‒ Da geht noch was!

Sie arbeiten als Autor für eine große deutsche Zeitung und möchten gerne einen kreativen, witzigen und reißerischen Artikel über den Herrn der Ringe, Tolkien und das ganze Drumherum schreiben? Aber dann merken Sie, dass Sie leider weder Ahnung vom Autor noch von seinem Werk oder den dazugehörigen Filmen haben? Weil sie das Buch spätestens bei dem singenden Mann im Wald weggelegt haben und beim Filmschauen in Bruchtal eingeschlafen und an den Grauen Anfurten wieder aufgewacht sind? Außerdem haben Sie durch anstregendes Bemühen einer bekannten Online-Suchmaschine erfahren, dass dieses „Adlerthema“ einfach schon völlig ausgelutscht ist?
Dann haben wir hier den ultimativen Guide für Sie, wie Sie es John Richard Riley Tolkien und seinen Fans mal so richtig geben können:

 

1. Tolkien, der chauvinistische, sexistische Frauenhasser

Nur 18 Prozent von Tolkiens Charakteren sind weiblich und die, die es sind, tragen nur selten entscheidend zur Handlung bei. Na gut, es gibt da diese Lúthien, die sich mit den Dunklen Mächten im Ersten Zeitalter misst und im Gegensatz zu den Männern dabei sogar ganz erfolgreich ist. Aber wer kennt die schon? Das Silmarillion ist doch nun wirklich vollkommen irrelevant bei der Bewertung von Tolkien. Oder diese Éowyn, die den mächtigsten Gegner auf dem Schlachtfeld ziemlich locker niederstreckt. Die wird doch völlig überbewertet, schließlich unterhält die sich in der ganzen Filmtrilogie mit keiner anderen Frau. Also: Tolkien hasst Frauen und das muss auch immer mal wieder betont werden!

2. Antisemitismus? ‒ Geht immer.

Sie haben große Nasen, sind gierig auf Reichtümer und sprechen eine Sprache mit Wurzelstruktur – aus den Zwergen strahlt ja nur so Tolkiens unverhohlener Antisemitismus. Auch wenn die Angehörigen der jüdischen Religion diesem Klischee überhaupt nicht entsprechen: Wer interessiert sich schon für Fakten? Und Zwerge sind auch überhaupt keine schlechten Kerle, aber der feine Herr Tollkühn war Katholik und lebte Anfang des 20. Jahrhunderts ‒ also wenn der keine Juden gehasst hat, wer sonst? Da brauchen wir auch gar nicht über seine Briefe zu reden, in denen er schreibt, er wäre stolz darauf gewesen, wenn er jüdische Vorfahren gehabt hätte. Überhaupt seine Briefe: kompletter Humbug! Wetten, da steckt irgendeine Verschwörung dahinter? Vermutlich angezettelt von diesen Spinnern von der Deutschen Tolkien Gesellschaft e.V.!

3. Noch ein bisschen Rassismus für die Standhaften?

Wem Punkt 1 und 2 für das ultimative Hassschüren gegen Tolkien nicht ausreicht, kann auch noch seinen endlosen Rassismus anführen. Die Bösen sind schwarz und die Guten sind weiß ‒ logisch. Und natürlich sind die Bösen nur böse und die Guten nur gut – ist doch klar. Den armseligen Gollum lassen wir jetzt mal ganz außen vor. Und diesen Boromir. Und seinen Vater Denethor gleich mit dazu. Und Frodo ist sowieso der letzte Depp. Und überhaupt alle, wen interessiert das schon? Uns jedenfalls nicht! Auch nicht Sams Gefühlsduselei, wenn er seinen ersten toten Haradrim sieht. Oder Faramirs Reaktion darauf. Also echt, wer will denn sowas lesen? Da ist uns eine schöne, einfache Schwarzweißmalerei doch viel lieber!

4. Tolkien und seine ganze Familie sind geldgeil!

Nächstes Jahr erscheint mit Beren and Lúthien schon wieder ein neues Mitglied aus der post-Tolkien-Serie. Ein weiteres Buch, in dem nichts Neues stehen wird, was nicht schon irgendwo anders nachzulesen ist. Und irgendwo sitzt Tolkiens Sohn Christopher (mit einer weißen (!) Katze auf dem Schoß) und lacht bösartig, während schon wieder die Pounds und Dollars und Euros auf sein Konto fließen. Davon bezahlt er dann sein Luxusleben, das er ausschließlich mit dem Wühlen in den Einkaufszetteln seines Vaters verbringen kann. DAS finanziert Ihr, Tolkienfans!

5. Kriegstreiberei im Kinderbuchregal

Krieg, Krieg und wieder Krieg, das ist alles, was dieser Möchtegernweltrangautor kann. Darum besteht seine sogenannte Zweitschöpfung (das ist Fansprache für „Zeitverschwendung“) ausschließlich aus Krieg. Ständig wird aufeinander rumgehackt und gestorben. Mal eine schöne, sanfte Liebesgeschichte zu schreiben, fällt ihm gar nicht erst ein. Und sogar im Hobbit, der meistens in Kinderbuchabteilungen (ja, richtig gelesen: in Kinderbuchabteilungen!) zu finden ist, sterben Figuren am laufendem Band und es gibt eine monströse Schlacht am Ende – pfui!

6. Diese ganze Weltfremdelei verdirbt unsere Kinder (und auch sonst alle)!

Tolkien in der Schule ‒ bloß nicht! Kinder sollten ausschließlich realistische Texte lesen, denn schließlich sollen sie ganz für unsere Welt erzogen werden! Laut einer Studie (deren Quelle wir grade nicht finden, aber es gibt sie ganz sicher!) wirken sich Drachen erwiesenermaßen schlecht auf den Matheunterricht aus und Elfen („Elben“ sagen nur Anfänger) auf das ästhetische Empfinden im Kunstunterricht. Und Würde, Gnade und Menschlichkeit suchen Sie in diesen abgedrehten Fantasyschinken eh vergeblich! Also, ab in den Giftschrank mit diesem Schund!

So, wir hoffen, es ist ein passendes Thema für Sie dabei. Eventuell müssten Sie noch ein paar Zitate ergooglen und das Ganze etwas ausschmücken, aber das Internet bietet Ihnen da eine große Anzahl an Vorbildern.

Wir freuen uns, Ihnen eine Hilfe sein zu dürfen!

Ihre Deutsche Tolkienhass Gesellschaft V.e.
Maria Ziegenbart, Tobias M. Ecktisch und Annika Ottering

P.S.: Wenn Sie jetzt das Gefühl haben, all diese Punkte seien ziemlich platt vorgetragen und nicht ausreichend argumentiert, dann haben Sie damit vollkommen recht!

 

(C) Tolkien Karikatur – Jonas M. Jensen