Bei der WonderCon in Kalifornien vom 29.-31- März wurden die Hauptdarsteller des Tolkien Biopics interviewt und gaben neue Einblicke in den Film. Auch wurde ein Featurette-Clip veröffentlicht, in dem ein paar Szenen zu sehen sind, die bislang noch nicht gezeigt wurden und die Schauspieler Nicholas Hoult (Tolkien) und Lily Collins (Edith) stellen sich gegenseitig interessante Fragen rund um J.R.R. Tolkien. Wir nehmen das Ganze kritisch unter die Lupe.

Interviews bei der WonderCon

Thomas “Dome” Karukoski, der Regisseur des Films, is selbst ernannter Tolkienfan und freut sich, einen wichtigen Teil der Lebensgeschichte des Erfolgsautors einem breiten Publikum zeigen zu können. Das Biopic richtet den Fokus auf Tolkiens Jugend, das Kennenlernen mit seiner späteren Frau, Edith, und die besondere Freundschaft, die ihn mit seinen TCBS-Freunden verband. “Es geht um die Sehnsucht, Teil von etwas zu sein, Teil von etwas Größerem zu sein”, so beschreibt es Tom Glynn-Carney, der Christopher Wiseman spielt.

Der Film wird auch Tolkiens Kriegserlebnisse an der Somme thematisieren. “Er [Tolkien] hat immer wieder dementiert, dass der Krieg eine Allegorie für seine Arbeit sei. Offensichtlich hatte dieser aber einen großen Einfluss auf ihn und war eine Erfahrung, die ihn verändert hat.” So fomuliert es Nicholas Hoult, der im Biopic die Hauptrolle, J.R.R. Tolkien, spielt. Hoult bestätigt in diesem Interview auch die bislang unbekannte Rolle, die der Schauspieler Derek Jacobi übernimmt. Es handelt sich dabei um Professor Joseph Wright, ein renommierter Philologe und Dialektologe, der Tolkien ein Vorbild und eine Art Mentor war. Diese Information schließt eine weitere Lücke.

Das neue Featurette

Das Video, das am 2. April unter dem Titel Tolkien’s Influence veröffentlicht wurde, zeigt Ausschnitte aus dem Film, die trailerartig zusammengestellt wurden, und über dem ganzen Clip liegt die Filmmusik von Thomas Newman. Im Wechsel mit den Filmbildern werden die Hauptdarsteller Nicholas Hoult und Lily Collins gezeigt, die sich gegenseitig Fragen zu Tolkien stellen. Beispielsweise, wann sie das erste Mal ein Buch von Tolkien gelesen haben, oder welche Szene ihnen am meisten Spaß gemacht hat. Auf letztere Frage antwortet Collins: “Ich mochte die Szenen in der Oper am liebsten! Wir haben mit den Requisiten gespielt und ich habe diesen Ring gesehen und es ist einfach so interessant, diese kleinen Details im ganzen Film zu sehen. Man beginnt zu sehen, wie sich Figuren formen oder Ideen entstehen, die später in Tolkies Welt gelandet sind!” Auf diese Details sind wir besonders gespannt.

Szenen, die uns aufgefallen sind

Bei dem Clip (und den vorangegangenen Trailern) sind uns aber auch ein paar Dinge aufgefallen, die wir kritisch hinterfragen wollen. Eine Szene zeigt Edith und Ronald im Waisenhaus. Das Alter der beiden scheint aber nicht ganz stimmig zu sein. Als sie sich dort kennengelernt haben, war er 16 und sie 19. Beide sehen in den Szenen wesentlich jünger aus, eher wie Kinder. Mal sehen, wie alt ihre jüngeren Versionen im Film tatsächlich sein werden und ob der Regisseur die zeitliche Abfolge der Ereignisse in Tolkiens Leben verändert.

In einer der Kriegsszenen befindet sich Tolkien zusammen mit seinem TCBS-Freund Geoffrey B. Smith an der Front, sie sind unter schwerem Beschuss. Beide Männer gehörten dem gleichen Bataillon an, aber unterschiedlichen Einheiten. Das führte dazu, dass sie zwar häufig in relativer Nähe zueinander waren (oft nur ein paar Kilometer Luftlinie entfernt), sich aber aufgrund des Krieges und ihrer Einsätze nicht oft sehen konnten. Nichtsdestotrotz konnten sie sich hin und wieder “besuchen” und etwas Zeit miteinander verbringen (die sie in bester TCBS-Manier nutzten, um über Lyrik zu diskutieren). Es ist aber nicht bekannt, dass sie jemals zusammen im Schützengraben im Einsatz gewesen wären. Wir sind gespannt, inwiefern der Film den Kriegseinsatz der Freunde aus dramaturgischen Gründen ändert.

Die verkehrte Entstehung des Hobbit?

Den Hobbit begann Tolkien 1930 oder 31 zu schreiben. Als er die Prüfungen seiner Studenten korrigierte, schrieb er auf ein leeres Blatt, das zwischen den Prüfungsunterlagen war: “In a hole in the ground, there lived a Hobbit”. Es scheint so über ihn gekommen zu sein, er wusste selbst noch nicht, was ein Hobbit war und warum er in einer Höhle unter der Erde lebte. Aber er machte sich daran, das herauszufinden. Zu diesem Zeitpunkt war Tolkien 38/39 Jahre alt und hatte vier Kinder, denen er von einem Hobbit und einem Zauberer erzählte und für die er die abenteuerliche Geschichte schließlich aufschrieb. Im Featurette wirkt Tolkien sehr viel jünger als Ende 30, eigentlich sieht er genau so aus wie in allen anderen Szenen, als er diese Zeilen schreibt. Auch, dass zuvor eine Szene am Schreibtisch gezeigt wird, impliziert, dass der Film das Niederschreiben des Hobbit viel früher ansetzt.

Arda und im weitesten Sinne Mittelerde entstehen in Tolkiens Kopf schon früh. Die ersten Fragmente seiner Mythologie lassen sich auf die Kriegsjahre und die unmittelbare Zeit davor zurückführen. Auch seine Elbensprachen sind zum Ende seines Kriegseinsatzes schon sehr ausgereift. Im Lazarett 1916-17 schreibt Tolkien die ersten Texte, teilweise mit Ediths Hilfe, in ein einfaches Notizbuch, dem er den Titel Das Buch der verschollenen Geschichen gibt. Diese werden später die Grundlage für das Silmarillion.

Bis zum Hobbit vergehen aber noch mindestens 14 Jahre, in denen sehr viel in seinem Leben passiert. Dieses Ereignis vorzuziehen, in eine Zeit vor oder nach seinem Militärdienst (und seiner Kinder), würde seine Lebensgeschichte stark verändern und auch dem Hobbit nicht mehr die Bedeutung zukommen lassen, die der Erzählung zusteht. Nun sind wir noch gespannter auf den Film als zuvor!

Credits

Fotos: Fox Searchlight Pictures Tolkien (2019)