Tolkien Büste im Tolkienwinkel

Vor über 70 Jahren wurde „The Lay of Aotrou and Itroun“ („Das Lied von Aotrou und Itruon“) zum ersten und bisher einzigen Mal veröffentlicht – 1945 im literarischen Magazin The Welsh Review. Das Gedicht in Form eines bretonischen Lai beleuchtet einen „dunkleren Teil der Fantasie Tolkiens“, so The Guardian in seiner Ankündigung der Neuveröffentlichung.

Es handelt sich um eines der Werke Tolkiens, die nicht in Mittelerde spielen und keinen direkten Bezug dazu haben. Vielmehr ist es inspiriert von keltischen Mythen und Legenden; erzählt es doch die Geschichte eines kinderlosen Ehepaars nach, das sich sehnlichst Kinder wünscht und daher auf die Hilfe einer Hexe zurückgreift. Nun ja, eher auf die Hilfe einer Corrigan – eine Art Hexe, die aus der bretonischen Mythologie stammt. Alles scheint ein gutes Ende zu nehmen, als dem Paar Zwillinge geschenkt werden. Doch als die Hexe ihren Lohn einfordert, nimmt die Geschichte doch eine düstere Wendung, die dem Happy End im Wege steht.

In veränderter Form taucht der Charaktertypus des wunderschönen, jedoch auch grausamen magischen Wesens auch in Mittelerde auf: als „schöne und schreckliche Herrin des Goldenen Waldes, als Elbenkönigin Galadriel“, so HarperCollins. Das Gedicht beschreibe die zunehmend kraftvolle Präsenz der Corrigan im Leben der beiden Protagonisten, die zudem immer aktiver werde. Diese Figur ließe sich dann letztlich mit veränderten Motiven und verändertem Grundcharakter als Galadriel wiedererkennen. Im Gedicht sei die Stimme der Hexe zudem beschrieben als „kalt, als Echo aus der alten Welt, bevor Feuer gefunden und Eisen gehauen, als der Berg noch jung war unter dem Mond“, was auch stark an die Herrin des Goldenen Waldes erinnert.

Neben dem „Lay of Aotrou and Itroun“ erscheinen weitere Gedichte Tolkiens in der Neuauflage, wobei der Schwerpunkt wohl auf seinen Werken im Zusammenhang mit der Figur der Corrigan liegt.
Ein Vorwort wird es von Christopher Tolkien geben, die Bearbeitung wurde von Verlyn Flieger vorgenommen, einer emeritierten Professorin der University of Maryland. Sie bezeichnet die Neuauflage bereits jetzt als „dunkel, kraftvoll, anziehend, ein maßgeblicher Schritt weg von dem Tolkien, den wir zu kennen glauben“.

Am 03.11.2016 erscheint „The Lay of Aotrou and Itroun“ zusammen mit Tolkiens anderen Gedichten zur Figur der Corrigan im HarperCollins Verlag. Weitere Informationen dazu findet Ihr hier: The Guardian: „Rare JRR Tolkien poem The Lay of Aotrou and Itroun to be republished“