Finrod listens to the counsel of Ulmo.

Anke Eißmann: „Finrod listens to the counsel of Ulmo“

Tolkiens Philosophie der Sprache

13. Tolkien Seminar – Deutsche Tolkien Gesellschaft e. V.

Call for Papers

Friedrich-Schiller-Universität Jena

6. – 8. Mai 2016

In einem Brief vom Juni 1955 weist Tolkien darauf hin, dass „mein Werk […] aus einem Stück und zutiefst von der Linguistik inspiriert ist. […] Die Erfindung von Sprachen ist das Fundament. Die ‚Geschichten’ wurden eher so angelegt, dass sie eine Welt für die Sprachen abgaben, als umgekehrt“ (Briefe 289). Diese Darstellung wurde 2009 von Dimitra Fimi (63-67) angezweifelt. Sie argumentierte vielmehr für eine unabhängige, wenn auch in etwa gleichzeitige Entstehung von Tolkiens sprachlichen und narrativen Schöpfungen. John Garth hat jedoch erst kürzlich die uns zugänglichen Dokumente neu beurteilt und kommt zu dem Ergebnis, dass die Wurzel von Tolkiens Werk tatsächlich (wie von ihm selbst behauptet) in seiner sprachschöpferischen Tätigkeit zu finden ist – und dass das sprachliche Element somit tatsächlich von zentraler Bedeutung für den Ursprung und das Verständnis von Tolkiens gesamtem Werk ist.

Ausgehend von diesem Kenntnisstand möchte das 13. Tolkien Seminar untersuchen, wie und in welchem Maße Tolkiens linguistische Ideen und Konzepte über die Sprache(n) seine Verwendung derselben in und für seine literarischen Werke beeinflussten. Dabei sollen die elbischen Sprachen, die innerhalb Tolkiens sprachlichem Kosmos eine zentrale Stellung einnehmen, durchaus berücksichtigt werden, jedoch nicht primär als Gegenstand detaillierter grammatikalisch-linguistischer Untersuchungen, sondern vielmehr in Hinblick auf ihre Verwendung im literarischen Werk. Mögliche Themen für Seminarbeiträge könnten Tolkiens philologisch fundierte und ‚historisch’ passende Erschaffung von Personen- und Ortsnamen sein, die Verwendung von (manchmal nicht übersetzten) Gedichten und Wörtern bzw. Sätzen aus unterschiedlichen Sprachen oder seine Beobachtungen zur unterschiedlichen Verwendung der Anredepronomen in den verschiedenen Varianten der Gemeinsamen Sprache.

Aussagen Tolkiens zu seiner Philosophie der Sprache(n) sind nicht nur in seinen (veröffentlichten) Briefen und in den Anhängen zu Der Herr der Ringe zu finden, sondern auch in seinen Vorträgen bzw. Aufsätzen. Unter diesen sind ‘English and Welsh’ und ‘Secret Vice’ besonders wertvoll (letzterer wird im Februar 2016 in einer durch Dimitra Fimi und Andrew Higgins erstellten kritischen Edition neu aufgelegt werden). Beide geben Hinweise auf Tolkiens Gedanken zur ‘native language’, welche er von der eigentlichen Muttersprache (‘cradle tongue’) unterscheidet und die entscheidend ist für die Ausprägung der ‘sprachlichen Ästhetik’ eines Menschen (siehe dazu die Studie von Ross Smith).

Die Friedrich-Schiller-Universität Jena ist Gastgeberin des 13. Seminars der Deutschen Tolkien Gesellschaft (6.-8. Mai 2016), das wiederum von Walking Tree Publishers unterstützt wird.

Bitte Abstracts mit kurzen biographischen Hinweisen (beides zusammen nicht länger als eine Seite) bis zum 30. November 2015 einsenden an:

Thomas Fornet-Ponse: hither-shore [at] tolkiengesellschaft.de

References/ Bibliographie:

  • Fimi, Dimitra. 2009. Tolkien, Race and Cultural History. From Fairies to Hobbits. New York and London: Palgrave Macmillan.
  • Garth, John. 2014. ‘“The road from adaptation to invention”: How Tolkien Came to the Brink of Middle-earth in 1914.’ Tolkien Studies 11 (2014): 1-44. (esp. p. 41, endnote 42, where he refers to Fimi p. 63-67)
  • Smith, Ross. 2011. Inside Language: Linguistic and Aesthetic Theory in Tolkien. (Cormarë Series 12). Second edition. First edition 2007. Zurich and Jena: Walking Tree Publishers.
  • Tolkien, John Ronald Reuel. 1955/1997. ‘English and Welsh’. (O’Donnell Lecture, read 21 October 1955. First published 1963 in Angles and Britons [Cardiff: University of Wales Press]) In Tolkien, J.R.R. 1997. The Monster and the Critics and Other Essays. (Edited by Christopher Tolkien.) London: HarperCollins, 162-197.
  • Tolkien, John Ronald Reuel. 1931/1997. ‘A Secret Vice’. (dated by Christopher Tolkien to 1931. First published 1983 in The Monsters and the Critics) In J.R.R. Tolkien. 1997. The Monster and the Critics and Other Essays. (Edited by Christopher Tolkien.) London: HarperCollins, 198-223.