Nach fast sechs Jahren ist der Film über Tolkiens Leben, zumindest was seine jüngeren Jahre betrifft, in die Kinos gekommen. In Deutschland erscheint das Biopic offiziell am 20. Juni 2019. Ich habe das Werk von Dome Karukoski bereits gesehen und möchte Euch meinen Eindruck vom Film – spoilerfrei – schildern.

Hinweis:

Dies ist eine Rezension von mir als Person und nicht als Aussage der Deutschen Tolkien Gesellschaft e.V. zu verstehen. Eine Filmkritik zu schreiben ohne zu spoilern ist schwer. Ich werde deshalb versuchen, nicht auf die Handlung einzugehen.  Der Film kommt in Deutschland am 20. Juni in die Kinos. Vielleicht gehe ich dann noch mal explizierter auf die Handlung ein.

Grandiose Bilder, phantastischer Sound

Der Film an sich hat eine unglaubliche Bildgewalt. Er ist gut produziert und hat einen wahnsinnig schönen Soundtrack. Die Wucht der Bilder wird gerade in den Weltkriegsszenen deutlich. Hier merkt man auch die Beteiligung von drei Militärhistorikern. Kaum ein Kinofilm, der nicht direkt mit dem Ersten Weltkrieg zu tun hat, zeigt das grauenhafte Bild der Schlacht an der Somme wie dieser. Doch trotz der Brutalität dieser Szenen, weiß der Film auch mit Humor und Witz zu glänzen. Es ist meiner Meinung nach eine gute Mischung. Die Rahmenhandlung ist eine andere, als der Trailer zuerst vermuten lässt, gibt dem Ganzen dann aber einen roten Faden. Für jeden, der nicht auf die Fakten in Tolkiens Leben besteht, sondern sich gut unterhalten lassen möchte, ist dieser Film eine klare Empfehlung!

Es ist ein Biopic, keine Dokumentation!

Wer ins Kino geht und eine faktengetreue Verfilmung von Tolkiens Leben erwartet, wird enttäuscht sein. Mit vielen Daten oder Zeitabläufen nimmt es der Film nicht ganz genau. Genauer gesagt ist der chronologische Ablauf von Tolkiens Leben ein totales Chaos. Um es auf den Punkt zu bringen: Es stimmt, dass Tolkien in England zur Schule gegangen ist und in Oxford studiert hat. Dass er im Ersten Weltkrieg gedient hat sowie dass er Edith heiratete. Wirklich mehr stimmt an der Reihenfolge im Film nicht. Auch tut sich der Kinofilm schwer ob seiner Interpretation von Tolkiens Charakter. Er wechselt zwischen schüchternem, verliebten jungen Erwachsenen, Tolkien als Schüler/Student/Akademiker und Tolkien als Soldat im Weltkrieg. 

Tolkiens Zeitspanne

Der zeitliche Rahmen von Tolkiens Leben deckt mehr oder weniger den Zeitabschnitt von seiner Kindheit bis nach dem Ersten Weltkrieg. Die Szenen nach seiner Heimkehr lassen sich bereits als Epilog verstehen, gehen hier aber nicht allzu weit. Seine Professuren oder gar die Inklings sind nicht Teil des Filmes. Er bezieht sich also mehr auf den jungen Tolkien. 
 
Warum, sagt der Regisseur Dome Karukoski:

Da die Geschichte, wie sie im Film dargestellt ist, darin besteht, zuerst eine Freundschaft zu finden. Sie [J.R.R. Tolkien und Edith Mary Bratt] sind beide Waisenkinder. Sie versuchen beide, ein Zuhause zu bekommen. Sie suchen eine Zugehörigkeit und sie finden diese Zusammengehörigkeit bei einander. Dies entwickelt sich erst zu einer Freundschaft und dann zu einer Liebe. Es ist eine verbotene Liebesgeschichte. […] Es ist seltsam, dass diese Begebenheit, diese Geschichte so passierte, weil sie sich anfühlt, als wäre sie für einen Film geschrieben. Genau wie man fast das Gefühl hat, dass man sich das nicht ausdenken kann. Wenn ich eine Geschichte wie diese schreiben würde, würden die Leute zu mir sagen: »Ist das nicht ein bisschen zu viel?«. Denn es ist auch fast ein wenig zu filmhaft. Aber es ist tatsächlich in dieser ganzen epischen Art und Weise passiert.

Dome Karukosk

Regisseur

TolkCast Sonderfolge

Zusammen mit unserem Gründungsvorsitzenden Marcel Aubron-Bülles habe ich am 27. April 2019 eine Sonderfolge zu dem Film aufgenommen. In über einer Stunde und 40 Minuten unterhalten wir uns über das Tolkien Biopic, die Geschichten rund um das Werk und den jeweils von uns beiden bewerteten „Fatal Errors“. Wer also weitere Infos haben möchte, sollte sich diese Folge unbedingt anhören.

Ins Kino gehen oder nicht?

Das ist eine Frage, die ich nicht beantworten sollte, es aber dennoch tue. Ich bin der Ansicht, wenn jemand mit dem Wissen ins Kino geht, dass es sich um ein Hollywood Biopic und nicht um eine Arte-Dokumentation handelt, diesen Film genießen können wird. Es ist ein optisch und akustisch sehr gut gemachter Film.  Er wird sicherlich viele Menschen dazu anregen, sich mehr mit Tolkien zu beschäftigen oder zumindest Tolkien etwas näherbringen. Ob Ihr ins Kino geht, weiß ich nicht. Ich schaue ihn mir definitiv noch ein- oder zweimal an. 

Empfohlene Literatur

Der Film nimmt es nicht so genau mit den Fakten. Die folgenden drei Werke sind ideal für alle, die sich näher mit Tolkien und seinem Leben befassen wollen, ohne gleich wissenschaftliche Abhandlungen lesen zu müssen. Die Bücher sind in der Reihenfolge aufgelistet, wie sie empfohlen sind. 

Produktinformation

Preis: 23 Euro
Seiten: 464
Autor: John Garthn
Verlag: Klett-Cotta Verlag
Sprache: deutsch (Original: englisch)
Übersetzung: Marcel Bülles und Birgit Herden
ISBN: 978-3-608-96059-4

Produktinformation

Preis: 25 Euro
Format: broschiert
Seiten: 529
Autor: Tom Shippey
Verlag: Klett-Cotta
Sprache: deutsch
Übersetzung: Helmut W. Pesch
ISBN: 978-3-608-96370-0

Produktinformation

Preis: 42,00 Euro
Format: Hardcover
Seiten: 412
Herausgeber: Catherine McIlwaine
Verlag: Klett-Cotta
Sprache: deutsch
Übersetzung: Helmut W. Pesch und Marcel Aubron-Bülles 
ISBN: 978-3-608-96402-8

Werde Teil unserer Gemeinschaft

Auf Dich wartet ein junger, aktiver Verein, dem Dein Beitrag und Deine Ideen am Herzen liegen. Wir haben für unsere Mitglieder immer ein offenes Ohr und bieten zahlreiche Möglichkeiten, wie Du Dich einbringen kannst. Deine Interessen, Fragen und Gedanken sind bei uns als Plattform für Tolkienfans immer goldrichtig! Schön, dass Du dabei bist!

Credits

Fotos aus dem Film Tolkien: Photo Courtesy of Fox Searchlight Pictures. © 2019 Twentieth Century Fox Film Corporation All Rights Reserved

Hat dir der Beitrag gefallen?