Als am 28. Juni 1914 Erzherzog Franz Ferdinand und seine Frau in Sarajevo ermordet wurden, war das Sommertrimester am Exeter College bereits seit einer Woche beendet und der 22-jährige John Ronald Reuel Tolkien hatte sein Studium auf Alte Sprachen, speziell Altenglisch und Altnordisch, ausgerichtet. Als Großbritannien dem Kaiserreich den Krieg erklärte, rief Kriegsminister Herbert Kitchener die britischen Männer zum Kriegsdienst auf. Die meisten jungen Männer in Tolkiens Umfeld meldeten sich freiwillig für ‚Lord Kitchener’s Army’. Er selbst wollte erst sein Studium beenden, das er ein Jahr später mit Bestnote und Auszeichnung abschloss. 1916 begann Tolkiens aktiver Kriegsdienst, nach etwa einem Jahr militärischer Ausbildung. Tolkien wurde mit dem 11. Bataillon der Lancashire Fusiliers in Nordfrankreich stationiert, wo er an der Schlacht an der Somme teilnahm.

Hier soll ein Überblick über Tolkiens Zeit im Ersten Weltkrieg gegeben werden. Die Graphiken sind Teil unseres 2016 durchgeführten Live-Projekts Tolkien im Ersten Weltkrieg, das anlässlich des 100. Jährens der Ereignisse über unsere Social-Media-Kanäle lief, auf unserer Facebook-Seite (auf Deutsch) und unseren Twitter– und Instagram-Accounts (auf Englisch).

2.6.1916

Marschbefehl für Frankreich

01-2-6-1916-marschbefehl-fuer-frankreich

Tolkien erhält ein Telegramm des Kriegsministeriums, das seinen Marschbefehl enthält. Er wird als Teil der British Expeditionary Force in Frankreich dienen. Tolkien wird für 48 Stunden beurlaubt und soll sich am 5. Juni in Folkestone melden. Das Photo wurde 1916 aufgenommen und zeigt den 24-jährigen Tolkien in Uniform.

4.6.1916

Tolkien reist nach London

4.6.1916 Tolkien reist nach London

Nachdem Tolkien am 2. Juni seinen Marschbefehl erhalten hat, reist er nach 2 Tagen Beurlaubung, die er mit seiner Frau Edith verbringt, nach London. Dort nimmt er am folgenden Tag den Zug um 11:05 Uhr nach Folkestone, um sich zum Dienst registrieren zu lassen.

6.6.1916

Calais

6.6.1916 Calais

Tolkien überquert den Ärmelkanal auf dem Weg nach Calais. Während der Überfahrt schreibt er das Gedicht The lonely Isle, welches den Abschied von England beschreibt. Später ändert Tolkien den Titel in den elbischen Namen Tol Eressëa. In Calais angekommen, wurde er dem 11. Bataillon der Lancashire Fusiliers zugeteilt. Dieses war Teil der 74. Infanteriebrigade der 25. Division der Britischen Armee. Das Photo zeigt britische Soldaten in Calais. Bei keinem davon handelt es sich um Tolkien.

28.6.1916

11th Lancashire Fusiliers

28.6.1916 11th Lancashire Fusiliers

Tolkien wird mit einem Verstärkungstrupp zu seinem Bataillon an die Front beordert. Der Zug von Calais nach Amiens benötigt fast 24 Stunden, um eine Strecke von knapp 130 Kilometer zu überwinden. Von Amiens aus marschieren die Männer im Regen etwa 16 Kilometer nach Rubempré, wo sie am 28. Juni ihre Einheit, das 11. Bataillon der Lancashire Fusiliers, erreichen. Das Photo zeigt zwei Soldaten des Bataillons in einem mit Wasser vollgelaufenen Schützengraben. Bei keinem der beiden Männer handelt es sich um Tolkien.

1.7.1916

Schlacht an der Somme

1.7.1916 Schlacht an der Somme

Nach siebentägigem Beschuss von britischer Seite beginnt am 1. Juli 1916 die Schlacht an der Somme. Sie wird erst im Oktober desselben Jahres für beendet erklärt. Die Somme-Offensive gilt als eine der verheerendsten Materialschlachten des Ersten Weltkriegs und der 1. Juli als der verlustreichste Tag in der Geschichte des Britischen Heeres. Tolkien war in den ersten Tagen der Schlacht nicht an den Kämpfen beteiligt, seine gesamte Zeit an der Front war jedoch von der Schlacht geprägt. Das Photo zeigt britische Truppen, die sich zum Angriff bereit machen. Keiner davon ist Tolkien.

3.7.1916

Im Frontgebiet

Tolkien ist mit seiner Einheit im Zuge der Somme-Offensive nach Warloy postiert worden. Von dort aus geht es am 3. Juli weiter ins fast fünf Kilometer von der Front entfernte Bouzincourt, das sich noch in Reichweite der deutschen Geschütze befindet. Tolkien gerät hier das erste Mal unter Beschuss, wird aber nicht verletzt. Das Photo zeigt die Ansicht des Niemandslandes aus einem Schützengraben heraus.

6. - 8.7.1916

Bouzincourt

Am 6. Juli 1916 wird Tolkiens Bataillon, zu der Zeit in Bouzincourt postiert, zur Unterstützung nach La Boiselle kommandiert. Tolkien bleibt mit anderen in Bouzincourt, um sich dort um das Kommunikationssystem zu kümmern. Er macht sich große Sorgen um seine Freunde Rob Gilson und Geoffrey B. Smith und entsprechend erfreut und erleichtert ist er, als Smith, der in der Nähe postiert ist, am 6. Juli unerwartet nach Bouzincourt kommt um Tolkien zu sehen. Die beiden verbringen in den nächsten Tagen so viel Zeit miteinander, wie sie können. Sie diskutierten über Lyrik, die Zukunft und den Krieg und warten besorgt auf Nachricht von Gilson.

14. - 16.7.1916

Ovillers

Am 14. Juli marschiert Tolkiens Bataillon nach Usna Hill und am folgenden Morgen weiter zur Front bei La Boiselle. Dort finden sie viele tote Soldaten, die der Materialschlacht zum Opfer gefallen waren. Womöglich ist es Tolkiens erste Begegnung mit so vielen verwesenden und aufgedunsenen Körpern. In der Nacht auf den 16. Juli überquert Tolkiens Einheit das mit Toten bedeckte Niemandsland und greift Ovillers an. In sein Tagebuch schreibt Tolkien am 16. Juli, er habe an Kämpfen teilgenommen, bis er nachts abgelöst wurde. Das Photo zeigt den Blick aus einem Schützengraben auf das Grabensystem in Ovillers.

17.7.1916

Rob Gilson

Nach etwa 50 Stunden im Kampf, erreicht Tolkiens Einheit am Morgen des 17. Juli Bouzincourt; am Nachmittag marschieren sie weiter nach Forceville. An diesem Tag erreicht Tolkien ein Brief seines Freundes Geoffrey B. Smith, der ihn über den Tod von Rob Gilson informiert. Gilson war am 1. Juli, dem ersten Tag der Schlacht an der Somme, gefallen. Für Tolkien bricht eine Welt zusammen. Autor John Garth geht in seinem Buch Tolkien und der Erste Weltkrieg näher auf die Freundschaft ein. Das Photo zeigt Gilson (links) und Tolkien (rechts) in ihrer Schulzeit 1910 oder 1911.

21.7.1916

Fernmeldeoffizier des Bataillons

Tolkien tritt die Nachfolge seines Vorgesetzten W.H. Reynolds an und wird der Bataillons-Fernmeldeoffizier der 11th Lancashire Fusiliers. Als solcher ist er nun für das gesamte Kommunikationssystem seiner Einheit zuständig. Ihm sind mehrere Unteroffiziere und einfache Soldaten unterstellt, die die Feldtelefone bedienen, Kabel verlegen und Nachrichten als Meldegänger überbringen. So können Meldestationen eingerichtet werden, wohin auch immer sich das Bataillon bewegt. Zu diesem Zeitpunkt ist Tolkien in Beauval. Das Photo zeigt eine britische Fernmeldegruppe. Bei keinem der abgebildeten Soldaten handelt es sich um Tolkien.

24. - 30.7.1916

Auchonvillers

Am 24. Juli geht es für die 11th Lancashire Fusiliers von Bus-lès-Artois aus weiter an die Front, wo sie in Schützengräben bei Mailly-Maillet und Beaumont-Hamel eine andere Brigade ablösen. Es ist verhältnismäßig ruhig und so haben sie Gelegenheit, die Schützengräben instand zu setzen, die in einem schlimmen Zustand sind sowie neue Gräben anzulegen. Später werden sie nach Auchonvillers beordert, das von den britischen Soldaten auch ‚Ocean Villas’ genannt wird. Das Photo zeigt einen Kaffee-Stand in Auchonvillers mit schottischen und britischen Soldaten. Bei keinem davon handelt es sich um Tolkien.

7. - 10.8.1916

Colincamps

In den beiden ersten Augustwochen wechselt Tolkiens Einheit oft den Standort. Meist befindet sie sich in den Schützengräben an der Front in Colincamps, aber auch in den Gräben bei Acheux, Bertrancourt, Beaumont-Hamel, Mailly-Maillet, Bus-lès-Artois, Acheux-en-Amiénois, Hédauville und Thiepval. Wann immer er kann, besucht Tolkien einen römisch-katholischen Gottesdienst. Solche Feldpredigten bieten ihm eine weitere Möglichkeit, in seinem Glauben Halt zu finden. Das Photo zeigt britische Soldaten in einem Laufgraben in Colincamps. Bei keinem davon handelt es sich um Tolkien.

16. - 23.8.1916

Acheux

Tolkien nimmt vom 16. bis 23. August an einem Fernmeldekurs bei den 25th Divisional Engineers teil. Währenddessen kämpft sein Bataillon in Thiepval Ridge. Zur selben Zeit sucht sein Freund Geoffrey B. Smith, dessen Einheit wieder relativ nahe an der Tolkiens stationiert ist, nach ihm. Er hinterlässt Tolkien einen Brief. „Es scheint oft, als wären Ruhe und Frieden ein großer Segen“ (Garth 2014), schreibt Smith, der nun seit zehn Monaten im Einsatz ist und wie viele Kriegsteilnehmer spätestens zu diesem Zeitpunkt des Lebens müde wird.

22.8.1916

Geoffrey B. Smith

Vor zwei Tagen waren sowohl G.B. Smiths als auch Tolkiens Bataillon in Hédauville und sie konnten sich treffen. Sie verbringen einige Tage und so viel Zeit zusammen, wie sie können. Am Abend des 22. August essen sie mit einem weiteren Kameraden in Bouzincourt zu Abend und geraten währen des Essens unter Beschuss, werden jedoch nicht verletzt. Es ist das letzte Mal, dass Tolkien seinen guten Freund Geoffrey Bache Smith sieht. Dieser wird am 3. Dezember 1916 den Folgen einer Verwundung erliegen. Das Photo zeigt G.B. Smith, er ist der Zweite von links in der hinteren Reihe.

24. - 26.8.1916

Thiepval Wood

Tolkiens Bataillon ist nun erneut in Thiepval Wood, wo die Truppen damit beschäftigt sind, neue Gräben auszuheben und alte zu reparieren. In dieser Zeit entstehen zwei weitere Gedichte: The Thatch of Poppies und The Forest Walker. Viel Zeit und Ruhe zum Schreiben hat Tolkien nicht, es reicht gerade für einige Gedichte und Stichpunkte. Sein Sohn Christopher wird später bestätigten, dass Bruchstücke der frühen Mythologie u.a. auf den Rückseiten offizieller Armee-Dokumenten zu finden seien, die auf die Zeit um Tolkiens Einsatz datiert sind.

28.8. - 1.9.1916

Leipzig Salient

Die 11th Lancashire Fusiliers befinden sich in einem Grabenabschnitt östlich der ‚Leipzig Salient’ (Granatloch) und der ‚Schwaben Redoubt’ (Schwabenfeste); sehr stark befestigte und ausgebaute deutsche Grabensysteme. Das Bataillonstagebuch beschreibt diese Tage zwar als ‚ruhig’, trotzdem sterben mehrere Soldaten durch Granatenbeschuss und viele werden verletzt. Tolkien ist dafür verantwortlich, ein neues Kabelsystem zu verlegen, welches die Frontlinie mit dem Brigade Hauptquartier verbinden soll. Das Photo zeigt zwei britische Soldaten in einem schlecht befestigten Schützengraben an einem kleinen Ofen. Bei keinem von beiden handlet es sich um Tolkien.

1. - 5.9.1916

Ovillers

Tolkiens Bataillon kommt nun wiederholt an schon bekannte Orte zurück, die sich in der Zwischenzeit stark verändert haben, so zum Beispiel die Schützengräben bei Ovillers. Nicht selten ist ein Waldstück, in den sich Tolkien bei einem früheren Aufenthalt zurückgezogen hat, beim nächsten Mal ausgebombt. Auch die Front hat sich bis September 1916 mehrmals verschoben, sodass Tolkien schon einige eingenommene deutsche Schützengräben und Kommunikationssysteme gesehen hat. Das Photo zeigt einen britischen Soldaten in einem befestigten Schützengraben, es handelt sich hierbei nicht um Tolkien.

12. - 24.9.1916

Training

Tolkiens Division marschiert nach Franqueville, um dort, in einer „Auszeit“ von der Front, 12 Tage mit weiteren Ausbildungsmaßnahmen und Training zu verbringen. Am Ende dieser Zeit stehen Tolkien sechs frisch in Signallisierung ausgebildete Männer zur Verfügung. Zu seiner großen Freude trifft Tolkien hier einen Freund aus seiner Zeit aus dem vorbereitenden Militärdienst wieder, Leslie R. Huxley.

27. - 29.9.1916

Thiepval Ridge

Tolkiens Einheit ist in die Schlacht um ‚Thiepval Ridge’ verwickelt. Dabei werden Teile der Grabensysteme namens ‚Stuff Redoubt’ (Staufenfeste) und ‚Schwaben Redoubt’ (Schwabenfeste) von britischer Seite eingenommen und deutsche Soldaten gefangen genommen. Der sprachaffine Tolkien befragt einen der Gefangenen auf Deutsch und gibt ihm zu Trinken. Auf diesen und anderen Gefangenenberichten sowie auf Luftaufnahmen basierend zeichnet Tolkien später eine ausführliche Karte der Sützengräben in diesem Gebiet.

6. - 12.10.1916

Ferme de Mouquet

Tolkiens Brigade löst am 6. Oktober eine andere an der ‚Mouquet Farm’ (Ferme de Mouquet) ab, ein von den deutschen Truppen befestigter, sehr schwer einzunehmender Bauernhof, der kürzlich von den Briten erobert wurde. Die zuvor feindlichen Grabensysteme werden instand gesetzt und erweitert und auch das immer wieder beschädigte Kommunikationssystem wird von Tolkien und den ihm zugeteilten Soldaten wiederhergestellt. Das Photo zeigt eine Luftaufnahme der Farm und der umliegenden Schützengräben (im Zickzack).

13. - 16.10.1916

Zollern Redoubt

Im Zuge der Einnahme der ‚Mouquet Farm’ beziehen die 11th Lancashire Fusiliers in dem ehemals deutschen Grabenabschnitt ‚Zollern Redoubt (Zollern Feste) Stellung und können am 9. Oktober auch den Rest der ‚Stuff Redoubt’ einnehmen, bevor am 14. Oktober dann auch die ‚Schwaben Redoubt’ folgt. Tolkien bekommt einen frischen Satz codierter Bezeichnungen um deutsche Entschlüssler zu verwirren.

17. - 20.10.1916

Hessian Trench

Nur wenige hundert Meter trennen ‚Zollern Trench’ (Zollern Feste) vom ‚Hessian Trench’ (Hessischer Graben), ein weiterer ehemals deutscher Grabenabschnitt, der sich nun in britischer Hand befindet. Tolkiens Bataillon hält sich hier ab dem 17. Oktober auf um Reparatur- und Befestigungsarbeiten vorzunehmen, bevor das nächste Angriffsziel bekanntgegeben wird.

21. - 22.10.1916

Regina Trench

Das nächste Angriffsziel, der längste deutsche Grabenabschnitt ‚Regina Trench’ (Staufen Riegel), sollte vor zwei Tagen von den Tolkiens Einheit angegriffen werden, aber starke Regenfälle hatten die Schützengräben schwer beschädigt und der Schlamm erschwerte das Vorankommen. Der Angriff wurde verschoben und das Bataillon nach Ovillers zurückbeordert. Zwei Tage später, am 21. Oktober, kann die Offensive durchgeführt und erfolgreich abgeschlossen werden, trotz großer Verluste.

27.10.1916

Tolkien meldet sich krank

Am 27. Oktober 1916 meldet sich Tolkien krank, mit einer Körpertemperatur von 39,5°Celsius – er hat sogenanntes Grabenfieber. Es wird durch Läuse übertragen, sorgt für sehr hohe Temperatur und schwächt die Gliedmaßen. In manchen Fällen führt es auch zu Herzversagen. Drei Tage zuvor war Tolkiens Bataillon nach Beauval abgezogen worden.

28.10.1916

Tolkien verlässt sein Bataillon

Aufgrund der hohen Verletzungsrate hat ein Regimentsarzt meist kaum Zeit für eine umfangreiche Untersuchung und kann lediglich eine Notversorgung bieten. So wird Tolkien an die nächste provisorisch eingerichtete Krankenstation überstellt. Dort können die Ärzte des Royal Army Medical Corps gegen das im Englischen ‚trench fever’ genannte Fieber allerdings nicht viel ausrichten. Man bringt Tolkien am 28. Oktober in ein Offizierslazarett nach Gézaincourt, das sich in der Nähe von Beauval befindet.

29.10. - 7.11.1916

Lazarett in Le Touquet

Am 29. Oktober wird Tolkien mit einem Ambulanzzug von Candas nach Le Touquet transportiert und dort im Duchess of Westmorland Hospital untergebracht, das vom britischen Roten Kreuz eingerichtet worden war. Als nach neun Tagen bei Tolkien keinerlei Besserung zu verzeichnen ist, wird er nach England entlassen, um dort behandelt zu werden. Das Photo zeigt einen Kranken im Lazarett, es handelt sich hierbei nicht um Tolkien.

8.11.1916

HMHS Asturias

Am 8. November geht Tolkien auf dem Dampfschiff HMHS Asturias an Bord. Die Asturias bringt ihn nach Southampton, von wo aus Tolkien mit dem Zug nach Birmingham weiterfährt. Dort wird ihm ein Bett in der Universität Birmingham zugeteilt, die während des Krieges als Krankenhaus genutzt wird. Hier ist er auch wieder mit seiner Frau Edith vereint. In gewisser Weise rettet ihm das Grabenfieber vermutlich sein Leben, denn die meisten seiner Freunde und Kommilitonen überlebten den Ersten Weltkrieg nicht.

J.R.R. Tolkiens weitere Genesung nahm sehr viel Zeit in Anspruch, da das Grabenfieber immer wieder ausbrach und ihn schwächte. In dieser Zeit begann er im Lazarett, seine ersten Geschichten um Mittelerde niederzuschreiben. Hier baute er auch die beiden von ihm entwickelten Elbensprachen, an denen er schon seit einigen Jahren arbeitete, weiter aus und legte so den Grundstein für The Silmarillion und sein literarisches Hauptwerk, The Lord of the Rings. Die Armee wollte ihn erneut in Frankreich einsetzen, doch dazu war er nicht in der Lage. 1917 diente er schließlich immer wieder an der englischen Küste, wurde aber nicht mehr an die Front beordert. Sein erster Sohn John Francis Reuel Tolkien wurde in dieser Zeit, am 16. November 1917, geboren.

Das Kriegsministerium erlaubte Tolkien 1918, eine nichtmilitärische Anstellung auszuüben und er nahm eine Stelle beim New English Dictionary (später Oxford English Dictionary) an. Durch seine Affinität zu Sprache und seine philologische Ausbildung lag ihm diese Arbeit sehr. Am 11. November 1918 wurde das Waffenstillstandsabkommen von den Westmächten und dem Deutschen Kaiserreich unterzeichnet. Wie viele Soldaten, die nach langer Militarisierung nun endlich wieder selbst über ihr Leben entscheiden konnten, hatte es auch ihn wieder an den Ort gezogen, wo er vor dem Krieg gelebt hatte. Am 16. Juli 1919 wurde Tolkien offiziell demobilisiert und blieb in Oxford, wo er, wie er es sich erhofft hatte, eine erfolgreiche akademische Laufbahn einschlagen würde. Auch sollte er hier ein außergewöhnliches literarisches Werk schaffen.

Mehr zu dem Thema

Wer mehr über Tolkiens Zeit im Krieg erfahren möchte, dem seien John Garths Tolkien und der Erste Weltkrieg. Das Tor zu Mittelerde (Klett-Cotta 2014) sowie sein Blog http://www.johngarth.co.uk/ ans Herz gelegt. Weitere empfehlenswerte Literatur zu Tolkiens Erfahrungen während des Krieges sind:

In Kooperation mit John Garth, Autor des Buches Tolkien und der Erste Weltkrieg und Ehrengast auf dem Tolkien Thing 2014, entwickelten Tobias M. Eckrich (Erster Vorsitzender, DTG) und Annika Röttinger (Historikerin) dieses Projekt. Die ausgewählten Daten orientieren sich an den Recherchen von John Garth und Janet Brennan Croft und weichen teilweise von Christina Scull und Wayne G. Hammond ab. Die meisten der abgebildeten Photographien stammen aus dem Archiv des Imperial War Museums (IWM).

Bildquellen

Eintrag 2.6.1916: gemeinfrei
Eintrag 4.6.1916: gemeinfrei
Eintrag 6.6.1916: IWM (Q4026)
Eintrag 28.6.1916: IWM (Q4662)
Eintrag 1.7.1916: IWM (Q70164)
Eintrag 3.7.1916: IWM (Q884)
Eintrag 6.-8.7.1916: IWM (Q14)
Eintrag 14.-16.7.1916: IWM (Q3988)
Eintrag 17.7.1916: Julia Margretts (with friendly permission)
Eintrag 21.7.1916: IWM (Q4131)
Eintrag 24.-30.7.1916: IWM (Q4545)
Eintrag 7.-10.8.1916: IWM (Q1497)
Eintrag 16.-23.8.1916: IWM (Q29263)
Eintrag 22.8.1916: gemeinfrei
Eintrag 24.-26.8.1916: IWM (Q1329)
Eintrag 28.8.-1.9.1916: IWM (Q3993)
Eintrag 1.-5.9.1916: IWM (Q4100)
Eintrag 12.-24.9.1916: IWM (Q4164)
Eintrag 27.-29.9.1916: IWM (Q1078)
Eintrag 6.-12.10.1916: IWM (Q27637)
Eintrag 13.-16.10.1916: IWM (Q1090)
Eintrag 17.-20.10.1916: IWM (Q137)
Eintrag 21.-22.10.1916: IWM (55066)
Eintrag 27.10.1916: IWM (Q4247)
Eintrag 28.10.1916: IWM (Q33438)
Eintrag 29.10.-7.11.1916: IWM (Q2407)
Eintrag 8.11.1916: IWM (Q583II)