Sie hat ihn berühmt gemacht: J.R.R. Tolkiens fantastische Zweitschöpfung Mittelerde. Wer anfängt, Tolkien zu lesen, tut dies meistens mit dem Hobbit oder dem Herrn der Ringe. Aber mit diesen beiden Werken endet die Reise nach Mittelerde nicht. Ab seiner Jugend hat Tolkien immer wieder neue Details, Charaktere, Orte und Geschichten für seine Welt erdacht und niedergeschrieben, so dass Ihr heute ein Jahr lang nur Mittelerde lesen und trotzdem immer wieder Neues entdecken könntet.

Eine Liste der veröffentlichten Mittelerde-Werke findet Ihr hier.

DER HOBBIT

(The Hobbit 1937, dt. 1957)
Ein wundervolles Kinderbuch, das Tolkien für seine Kinder schrieb und 1937 veröffentlichte. Es war der Erfolg des Hobbit, der das Interesse an weiteren Geschichten mit Hobbits weckte und aus dem heraus Der Herr der Ringe entstand. Die Legende besagt, dass Tolkien 1930/31 auf die Rückseite einer Klausur schrieb „In a hole in the ground there lived a hobbit“ und aus diesem Geistesblitz heraus entstand das Buch.
Der Hobbit ist die Geschichte um den Hobbit Bilbo Beutlin, der eines Tages vom Zauberer Gandalf auf ein Abenteuer geschickt wird. In Begleitung von 13 Zwergen (darunter der berühmte Thorin Eichenschild) soll er deren an den Drachen Smaug verlorenen Schatz zurückstehlen. Bilbo ist zwar nicht der angepriesene „Meisterdieb“, aber er lernt doch, sich auf die Situation einzulassen, und erlebt eine ganze Menge.
Der Hobbit wurde zweimal übersetzt: Die ältere Übersetzung stammt von Walter Schwerf und trägt den Titel Der kleine Hobbit. Die neuere Übersetzung fertigte Wolfgang Krege.
Extra zu empfehlen: Das Große Hobbit-Buch (The Annotated Hobbit, ed. Douglas A. Anderson, 1988, überarbeitet 2002; dt. 2012). Wunderschön ergänzt durch Texterklärungen, Illustrationen und inhaltlich verwandte Gedichte. Die erste Adresse, wenn du dich von Bilbos originalem Tagebuch anschwindeln lassen willst, wie Gollum ihn friedlich und freiwillig aus der Höhle geführt hat…
Der Hobbit ist sowohl als Hörbuch als auch als Hörspiel vertont worden.

DER HERR DER RINGE

(The Lord of the Rings 1954/55, dt. 1968)
Nach dem Erfolg des Hobbit wünschte der Verlag eine Fortsetzung des Kinderbuchs. Doch was er 16 Jahre später bekam, war kein Kinderbuch mehr und dessen Erfolg war zunächst mehr als zweifelhaft. Der Herr der Ringe ist mit Abstand Tolkiens meistgelesenes Buch und eines der erfolgreichsten Bücher der Welt. Nicht zuletzt durch die Filme von Peter Jackson ist es wieder einmal in die oberen Ränge weltweiter Bestsellerlisten gerückt.
In der Fortsetzung des Hobbits ist es nun Bilbos Adoptivsohn Frodo Beutlin, der von zu Hause ausziehen muss. Er hat allerdings noch ein weit größeres Ziel als Bilbo zu seiner Zeit: Frodo muss den Einen Ring zerstören, der die Macht hat, alle Bewohner Mittelerdes zu versklaven. Hilfe bei dieser schwierigen Mission erhält Frodo wiederum von Gandalf und acht weiteren Gefährten. Neben Gandalf laufen uns noch ein paar alte Bekannte als dem Hobbit über den Weg. Im Herrn der Ringe lernt man noch mehr Länder und Völker Mittelerdes kennen und erfährt so manches über die Geschichte dieser Welt (vor allem, wenn man die Anhänge genau studiert).
Wer den Herrn der Ringe auf Deutsch liest, sollte noch beachten: Es gibt mehrere Übersetzungen. Die einen basieren auf der Übersetzung von Margaret Carroux (Gedichte von Ebba-Margareta von Freymann) 1968, die mehrfach überarbeitet wurde. Die anderen nehmen die Übersetzung von Wolfgang Krege (Gedichte auf der Basis Freymanns) als Vorlage. Auch diese Übersetzung wurde mehrfach überarbeitet. Generell lässt sich sagen, dass die Sprache in der Carroux-Übersetzung deutlich gehobener und schwerfälliger ist, während Kreges Übersetzung moderner klingt, aber leider damit stark das Flair der Geschichte nimmt. Wer des Englischen (nicht perfekt) mächtig ist, sollte nicht vor dem Original zurückschrecken. Tolkiens Schreibstil ist deutlich einfacher und lockerer, als man es (nach dem Lesen der deutschen Übersetzungen) vermutet.
Wer nicht auf die geschichtlichen Hintergründe Mittelerdes verzichten will, sollte darauf achten, dass er oder sie eine Ausgabe erwischt, die die Anhänge enthält. Das ist leider nicht immer der Fall.
Der Herr der Ringe ist ebenfalls als Hörbuch sowie als Hörspiel erschienen.

DIE ABENTEUER DES TOM BOMBADIL und andere Gedichte aus dem Roten Buch

(The Adventures of Tom Bombadil and other verses from The Red Book 1962, dt. 1984)
Eine kleine Sammlung von Gedichten, deren fiktive Quelle dasselbe „Rote Buch der Westmark“ ist, aus dem laut Tolkien schon Der Hobbit und Der Herr der Ringe stammen und das die Gedichte somit zum Teil einer „Auenlandlyrik“ machen. Ein Teil der Gedichte findet sich daher auch schon in diesen Büchern, aber sie werden durch weitere ergänzt, unter anderem eben auch zwei über Tom Bombadil, die dem Buch den Titel gaben.
Die Atmosphäre wechselt von fröhlich über unheimlich bis düster-melancholisch. Im Spiel mit der Form zeigt der Lyriker Tolkien seine ganze Experimentierfreude.

DAS SILMARILLION

(The Silmarillion 1977, dt. 1978; Hrsg. Christopher Tolkien)
Die Geschichte der Silmaril gab diesem Buch seinen Namen: die großen Juwelen, von Fëanor, dem Elben, geschaffen und vom bösen Morgoth begehrt. Tolkien schrieb erste Entwürfe bereits Ende des 1. Weltkriegs. Diese waren der Beginn seiner großen Mythologie.
Das Silmarillion wird gelegentlich als das „Alte Testament“ oder auch als „Heldenepos“ von Mittelerde beschrieben. Dies liegt einerseits am Erzählstil, der nicht romanartig sondern episodenhaft die Geschichte vieler unterschiedlicher Charaktere über mehrere Jahrhunderte hinweg schildert. Im Mittelpunkt stehen die Elben (die auf einmal gar nicht mehr so weltfremd wie im Herrn der Ringe erscheinen), aber auch von Menschen, Zwergen und Orks wird ab ihrer Schaffung berichtet. Wer wissen möchte, wie alles begann und warum die Dinge im Herrn der Ringe so sind, wie sie sind, wird im Silmarillion fündig.
Das Silmarillion wurde erst nach dem Tode Tolkiens veröffentlicht. Es erhält diejenigen Geschichten und Versionen von Geschichten, von denen Tolkiens Sohn Christopher annimmt, dass sie sein Vater als endgültig betrachtete. Weitere Versionen finden sich in den Nachrichten aus Mittelerde und der History of Middle-earth. Einige Geschichten aus dem Silmarillion sind mittlerweile als eigenständige Werke erschienen.
Das Silmarillion kann auch als Hörbuch genossen werden.

NACHRICHTEN AUS MITTELERDE

(Unfinished Tales 1980, dt. 1983; Hrsg. Christopher Tolkien)
Wie das Silmarillion wurde dieses Buch nach J.R.R. Tolkiens Tod von seinem Sohn Christopher herausgegeben. Es enthält alternative und erweiterte Versionen von Geschichten aus dem Silmarillion und Hintergrundgeschichten und -informationen zu Númenor, dem Hobbit und dem Herrn der Ringe. Die Texte sind weniger vollständig und fertig als die des Silmarillion, dafür mit Kommentaren Christopher Tolkiens versehen.
Damit ist der Band ein Mittelding zwischen Lesetext und historisch-kritischer Ausgabe und zugleich ein Auftakt zur umfangreichen Publikationsreihe der History of Middle-earth, die im gleichen Format erschien – und gibt einen ersten guten Eindruck davon, dass die fertig publizierten Bücher Tolkiens nur die Spitze eines Eisbergs aus Zehntausenden Manuskriptseiten sind und dass Mythologie, Sprachen und Welt bis zuletzt immer weiter wuchsen und sich entwickelten.

THE HISTORY OF MIDDLE-EARTH

(1985-2002, dt. (teilweise) 1999; Hrsg. Christopher Tolkien)
Hierbei handelt es sich um eine Serie von 12 Bänden zuzüglich eines Registerbandes, die vom ersten je geschriebenen Erzählungszyklus (Band 1-2, der frühesten Vorstufe des späteren Silmarillion) über die Entstehungsgeschichte des Herrn der Ringe (Band 6-9) bis zu weiteren Texten aus Tolkiens späten Jahren reicht und die die Auswahl der Nachrichten aus Mittelerde ergänzen. Daneben stehen sprachgeschichtliche Abhandlungen, gleich mehrere Anläufe, die Geschichte Númenors vorzustellen (in Band 5, 9 und 12), und vieles mehr. Ein (wohl unübersetzbarer) Geheimtipp sind der lange Versroman über Beren und Lúthien Tinúviel sowie das düstere Epos zu Túrin in Band 3. Eingestreut finden sich auch zahlreiche Gedichte aus Tolkiens verschiedenen Lebensphasen. Ausgespart bleibt Der Hobbit (den John Rateliff separat vorgelegt hat). Wie bei den Nachrichten aus Mittelerde gilt hier, dass viel Platz für die Einordnung von Fragmenten, für Textkritik und Datierungsfragen nötig ist; viele Einzeltexte sind unfertig. Besonders faszinierend ist, wie sich das aus den bekannteren Werken vertraute Bild langsam entwickelt, wie überraschend anders manche Geschichten erst klangen oder verliefen und wie verschwenderisch Tolkien immer neue Details einarbeitet… oder, wie er es verstand, „herausfindet“.
Auf Deutsch sind bis heute leider nur die ersten beiden Bände, Das Buch der Verschollenen Geschichten 1-2, erschienen.

Die einzelnen Bände sind:

  • The Book of Lost Tales I-II (1983-84), dt. Das Buch der Verschollenen Geschichten 1-2 (1999)
  • The Lays of Beleriand (1985)
  • The Shaping of Middle-earth (1986)
  • The Lost Road (1987)
  • The Return of the Shadow (1988)
  • The Treason of Isengard (1989)
  • The War of the Ring (1990)
  • Sauron Defeated (1992)
  • Morgoth’s Ring (1993)
  • The War of the Jewels (1994)
  • The Peoples of Middle-earth (1996)
  • Index (2002; fasst die Register der Einzelbände zusammen)

BILBOS ABSCHIEDSLIED

(Bilbo’s Last Song 1990, dt. 1991)
Nur ein einziges Gedicht, das Bilbos Gedanken bei der Abreise auf dem letzten Schiff aus Mittelerde wiedergibt. Dieses Gedicht und alle Rechte daran schenkte Tolkien seiner langjährigen Sekretärin Joy Hill. Es wurde dann in einer reichhaltig illustrierten Ausgabe herausgebracht. Ein schönes Geschenkbuch für Leute, die nicht nur Tolkien sondern auch seine Gedichte mögen.

DIE KINDER HÚRINS

(The Children of Húrin 2007, dt. 2007; Hrsg. Christopher Tolkien)
Mit dieser Ausgabe liegt die Geschichte der Kinder Húrins erstmals als eigenständiges und geschlossenes Buch vor, genauso wie es J.R.R. Tolkien vor Augen stand.
Dieses Buch schließt die Lücke zwischen der in Stabreimen geschriebenen Narn i Hîn Hurin (siehe The History of Middle-earth 3: The Lays of Beleriand) und der auszugsweise in den Nachrichten aus Mittelerde gedruckten späteren Prosaform – indem Christopher Tolkien aus den verschiedenen Prosafassungen einen kontinuierlichen Text zusammenstellte.
Protagonist der Geschichte ist Túrin (Húrins Sohn), der vom bösen Morgoth verflucht wurde und nun ein eher weniger schönes Leben fristet. Als Vorlage der Handlung diente die Erzählung von Kullervo aus dem finnischen Epos Kalevala.

THE HISTORY OF THE HOBBIT

(2007; Hrsg. John Rateliff)
Dieser dicke Band, der ursprünglich in zwei Hälften erschien, schließt die thematische Lücke in der History of Middle-earth. Rateliff stellt nicht nur die verschiedenen Arbeitsstadien des Hobbit samt eng verwandten Texten und Quellen vor (darunter auch den Versuch Tolkiens, alles auf den Ton des Herrn der Ringe umzuschreiben!), sondern erschließt über das gewohnte Format der History of Middle-earth hinaus eine Fülle an Sekundärliteratur – und riskiert die eine oder andere eigene Vermutung.
Nur ein kleiner Teil von Tolkiens Material zu Grammatik, Vokabular und Etymologie der Elbensprachen ist in diesen Bänden enthalten. Dieses linguistische Material – eine Sache für ‚Feinschmeckerʻ – hat seine eigene spezialisierte Fangemeinde. Zahlreiche weitere Teile davon sind in Formaten wie der Zeitschrift Parma Eldalamberon publiziert worden.
Eine deutsche Übersetzung fehlt leider noch.

BEREN UND LÚTHIEN

(Beren and Luthien 2017, dt. 2017; Hrsg. Christopher Tolkien)
Das Pendant zu Die Kinder Húrins, nur geht die Wiedergewinnung des Silmaril und die erste Verbindung zwischen Mensch und Elbin bei allem Leid glücklich aus. Geboten wird wiederum eine durchlaufende Erzählung, von Christopher Tolkien mosaikartig zur „Lesefassung“ kombiniert aus den verschiedenen Entwürfen, zusätzlich illustriert von Alan Lee. Ziel dabei ist, die großen Unterschiede in Erzählton und -verfahren zwischen den Jahrzehnte auseinanderliegenden Versionen deutlich werden zu lassen.