Sprachen bei Tolkien - Elben

Nach der Lektüre des Herrn der Ringe denken sich viele begeisterte Leser: „Ich möchte Elbisch lernen!“ und stoßen dann schnell auf Probleme und ungeklärte Fragen.

Zunächst einmal: „Elbisch“ ist keine Sprache, sondern eine Sprachfamilie. Heißt: Es gibt verschiedene elbische Sprachen, die miteinander verwandt sind. Als Philologe des Englischen und Liebhaber des Altenglischen war Tolkien vertraut mit Sprachwandel und der Veränderung von Worten über die Jahrhunderte hinweg. Dieses Wissen verwendete er, um seine eigenen Sprachen möglichst authentisch zu entwickeln.

Die beiden bekanntesten Elbensprachen sind Quenya und Sindarin.

Quenya

Quenya (auch Eldarin oder Hoch-Elbisch genannt) ist die Sprache der Elben, die im Ersten Zeitalter nach Aman (Valinor) gingen (Hochelben). Dort waren sie von den anderen Elben isoliert, sodass sich ihre Sprache deutlich von der der Elben in Mittelerde unterscheidet. Nach ihrer Rückkehr nach Mittelerde legten die Hochelben ihre Muttersprache weitestgehend ab und verwendeten fortan Sindarin. Daher sprechen auch die übrigen Hochelben im Dritten Zeitalter (also im Herrn der Ringe) Sindarin.

„Utúlie’n aurë! Aiya Eldalië ar Atanatári, utúlie’n aurë!“ – ‘Der Tag ist gekommen! Sehet, ihr Völker der Eldar und Väter der Menschen, der Tag ist gekommen!’ (J.R.R. Tolkien. Das Silmarillion. „Von der Fünften Schlacht: Nirnaeth Arnoediad“.)

Tolkien war vor allem durch die finnische Sprache zu Quenya inspiriert. Der Klang der Sprachen ähnelt sich in gewisser Weise. Außerdem haben beide Sprachen lange, komplexe Wörter. Weitere Einflüsse waren Latein und Altgriechisch.
Quenya ist die am besten dokumentierte Elbensprache, sodass es für sie auch das reichste Lernmaterial gibt. Mit seinem „Neo-Quenya“ gewann Helge Fauskanger Anerkennung.

Sindarin

Sindarin ist hingegen die Sprache der Elben Mittelerdes. Linguistisch betrachtet sind Quenya und Sindarin Schwestersprachen (Sindarin hat sich also NICHT direkt aus Quenya entwickelt).
Sindarin ist von Tolkiens Liebe zu den keltischen Sprachen beeinflusst, vor allem vom Walisischen. Sindarin klingt weniger „fließend“ als Quenya, und die Wörter sind tendenziell kürzer.

„Na-chared palan-díriel o galadhremmin ennorath, Fanuilos, le linnathon nef aear, sí nef aearon!“
(J.R.R. Tolkien. Der Herr der Ringe: Die Gefährten. „Viele Begegnungen“.)
‘Von der baumbewachsenen Mittelerde habe ich entfernte Länder geschaut, und nun will ich zu dir singen, Fanuilos, auf dieser Seite, hier auf dieser Seite des Großen Meeres.’
(im Buch unübersetzt: www.freeweb.dnet.it/elfstone/gedichte/elbereth_gilthoniel.htm)

Zu Sindarin gibt es weniger publiziertes Material von Tolkien als zu Quenya. Da es aber im Herrn der Ringe vorkommt, ist es bei Lernern beliebter als Quenya, daher gibt es auch ordentlich Lehrmaterial. Die Autoren dieser Materialien stehen allerdings vor dem Problem, dass sie die Lücken in Tolkiens Material irgendwie füllen müssen (z.B. fehlen einige Personalpronomen). Und nicht nur das: Da Tolkien viele Jahrzehnte lang an seinen Sprachen arbeitete, veränderten sie sich unter seinen Händen auch immer wieder (so änderten z.B. gewisse Wörter ihre Gestalt oder Endungen wurden durch andere ersetzt). Deshalb stößt man auf mehr oder weniger fundierte Rekonstruktionen verschiedener Autoren. Die EINE Wahrheit gibt es dabei nicht!
Für die Herr-der-Ringe-Filme entwickelte David Salo einen größeren Wortschatz und fehlende Grammatik; von ihm stammt auch die bisher größte und wohl “offiziellste” Grammatik, A Gateway to Sindarin.

Schrift

Meistens werden elbische Sprachen im Tengwar-Alphabet geschrieben. Dies ist das bekannteste Mittelerde-Alphabet. Möchte man etwas in Tengwar schreiben, so muss man beachten, was man schreibt. Im folgenden ist die Schreibung des Wortes „estel“ ‘Hoffnung’ dargestellt (dieses Wort ist übrigens in Quenya und Sindarin identisch – eine Seltenheit).

Bei einem Text in Quenya stehen die Vokalzeichen auf den Konsonanten, denen sie folgen.

Schreibt man Sindarin, stehen die Vokalzeichen auf den folgenden Konsonantenzeichen.

Für Sindarin kann auch die Beleriandschreibweise verwendet werden, die über ausgeschriebene Vokalzeichen verfügt.

Außerdem stehen die Konsonantenzeichen für unterschiedliche Laute, je nachdem, in welcher Sprache man schreibt.
Wer Deutsch, Englisch oder sonst eine andere Sprachen schreiben möchte, muss die Schriftzeichen des Tengwar-Alphabets an die Laute dieser Sprache anpassen. Dafür gibt es oft Anleitungen im Internet, an denen man sich orientieren kann.

Publikationen zu elbischen Sprachen

Es gibt einige Publikationen zum Thema elbische Sprachen und Elbisch lernen. Außerdem gibt es Websites im Internet, die das Thema aufbereiten. Da es, wie gesagt, keine EINE Wahrheit gibt, variieren die Informationen je nach Quelle. Die Informationen aus Büchern müssen dabei nicht zwingend besser sein als die von Internetseiten. In Deutschland besonders bekannt sind die Lehr- und Nachschlagewerke von Helmut W. Pesch. Immerhin wenigstens drei wissenschaftliche Zeitschriften (Vinyar Tengwar, Parma Eldalamberon, Arda Philology) beschäftigen sich ausschließlich mit Tolkiens Sprachen – und es wird immer noch “neues” elbisches Material von Tolkien publiziert.

Quellen

Das Silmarillion. Im „Namensregister“ unter den Stichworten „Quenya“ und „Sindarin“
Das Silmarillion. „Anhang: Elemente in den Quenya- und Sindarin-Namen“.
Der Herr der Ringe. „Anhang F“. „Von den Elben“.
Der Herr der Ringe. „Anhang E“. „II. Schreibweise“.
Krege, Wolfgang. 2015. Elbisches Wörterbuch. Stuttgart: Klett-Cotta (Hobbit Presse).
Pesch, Helmut W. 2009. Das große Elbisch-Buch. Bergisch-Gladbach: Lübbe.
Pesch, Helmut W. 2015. Elbisch für Anfänger. Bergisch-Gladbach: Lübbe.
Pesch, Helmut W. 2015. Elbisch für Anfänger: Der Quenya-Kurs. Köln: Bastei Entertainment. (E-Book)
Pesch, Helmut W. 2015. Elbisch für Anfänger: Der Sindarin-Kurs. Köln: Bastei Entertainment. (E-Book).
Salo, David. 2007. A Gateway to Sindarin: A Grammar of an Elvish Language from J.R.R. Tolkien’s Lord of the Rings. Salt Lake City: University of Utah Press.
www.lambion-ardava.de (deutsch)
www.lindienen.de (deutsch)
www.sindarin.de/index.html (deutsch)
www.folk.uib.no/hnohf/quenya.htm (englisch)
www.folk.uib.no/hnohf/sindarin.htm (englisch)
www.cinga.ch/langmaking/DTM/dtm.html (eine Möglichkeit, mit Tengwar Deutsch zu schreiben)
www.tengwar.art.pl/tengwar/fonty.php (eine Auflistung von Tengwar-Fonts für den Computer, zwar auf Polnisch, aber trotzdem benutzbar)
www.3rin.gs/tengwar/modes.html (online Transcriber, der die verschiedenen Tengwar-Modi anbietet)