Tolkiens Werke haben ein Millionen-Publikum erreicht, daher gibt es auch eine Vielzahl wichtiger Bücher zu Tolkien und seinen Werken. Zunächst ein paar Kategorien, später folgen hier auch Besprechungen zu wichtigen Büchern.

Biographien

Einige meinen, dass man einen Autor erst dann richtig verstehen kann, wenn man sein Leben kennt. Andere halten es für wesentlich, die Werke eines Autors eben ohne dieses Wissen zu erarbeiten. Ungeachtet dieser Diskussion war das Leben Tolkiens auf jeden Fall spannend und bewegt. Mittlerweile sind einige Biographien zu ihm erschienen, wir empfehlen Euch diese:

Humphrey Carpenter, J. R. R. Tolkien. Eine Biographie (1977, dt. 1979)

Dank Carpenters privilegiertem Zugang zu ungedruckten Quellen und Tolkiens Familie wird dieses Buch wohl auf absehbare Zeit seine Alleinstellung unter den Tolkien-Biographien verteidigen. Es ist schwungvoll, manchmal beinahe romanhaft erzählt. Der Autor interpretiert sehr stark , deswegen lohnt es sich oft, zu seiner Pionierarbeit eine „zweite Meinung“ aus der Forschung einzuholen. Auch sind einige Aspekte über Tolkiens Leben mittlerweile von neueren Publikationen besser audgearbeitet worden:  So stammt die maßgebliche Darstellung für die Jahre 1910-18 inzwischen von John Garth (s. u.), auch zur literarischen Entwicklung gibt es viele neue Erkenntnisse, aber gerade die Oxforder Atmosphäre ist nie mehr so schön wie in diesem Buch und im Schwesterwerk The Inklings (1978) geschildert worden.  Empfehlung für hastige Leser und die, die sich mehr Fotos wünschen:  Fabian Geier, J. R. R. Tolkien (2009).

J.R. R. Tolkien, Briefe (edd. H. Carpenter, C. J. R. Tolkien 1981, dt. 1991) 

Eine – nur relativ… – kleine Auswahl aus dem Briefnachlass Tolkiens (Briefe an Tolkien sind nicht enthalten).  Die teils gekürzten Brieftexte ergänzen Carpenters Biographie perfekt; dementsprechend beziehen sich die ausgewählten Stücke meistens auf wichtige Lebensstationen Tolkiens, Entstehung, Publikation und Hintergrund seiner Werke sowie die Auswirkungen seiner Prominenz. Einige weitere Briefe sind inzwischen anderweitig abgedruckt. Was an ungehobenen Schätzen noch alles im Nachlass liegt, kann nur vermutet werden!

Tom Shippey, J. R. R. Tolkien – Autor des Jahrhunderts  (2000, dt. 2002)

Diese Rundreise durch Tolkiens Werk porträtiert ihn als Bahnbrecher der phantastischen Literatur aller Sparten und Themenfelder. Das „Rezept“ für den weltweiten Erfolg und die bleibende Faszination sieht Shippey in der einmaligen Mischung aus „zeitlosen“ Gedanken und Problemen, dem kreativen Zugriff auf Quellen und der Empfänglichkeit für die Erschütterungen des 20. Jahrhunderts. Offensiv geht er gegen einen elitären Literaturbegriff  „von wenigen für wenige“ vor und stellt Tolkien neben die großen Namen der literarischen Moderne. Fragen, ob Begriffe wie „das Böse“ aktuell sind, kreuzen sich mit Kostproben, wie vergangene Epochen durch Kenntnis und  Intuition nachempfunden – und eben dadurch zu einer Neuschöpfung eigenen Rechts werden.

John Garth, Tolkien und der Erste Weltkrieg (2003, dt. 2014 )

Deutlich mehr, als der Titel verspricht: Tolkien und sein engster Freundeskreis werden von der Schulbank in Birmingham bis in die Schützengräben begleitet, denen von vier nur zwei entkamen. Detailreich, zugänglich, beklemmend, einfühlsam und vorbildlich in den Kontext der Zeit eingebettet; vom jugendlichen Plan, die Welt zu reformieren, und der ahnungslosen Begeisterung für paramilitärische Übungen bis zum Grauen einer zerstörten Landschaft und Generation ist alles erfasst. Dieses Buch zeigt den hohen Qualitätsmaßstab in der neue Ära der Tolkien-Forschung wie kaum ein anderer Titel

Lexika

Verschiedene Sprachen, mehrere Entwicklungsstufen, Orte, Charaktere, Flora und Fauna – die riesige Anzahl an Begriffen rund um Mittelerde lässt sich schlecht auswendig lernen. Für den schnellen Überblick gibt es eine beachtliche Anzahl an Lexika.

Robert Foster, Das große Mittelerde-Lexikon (The Complete Guide to Middle-Earth; 1971, dt. 2002, überarbeitet 2012)

Sachwissen in Hunderten Einzelstichwörtern, ergänzt um einige Stammtafeln, bis hinunter zur Mineralien-, Pflanzen- und Tierwelt bietet dieses Lexikon. Besonders komfortabel: die neue deutsche Version von 2012 mit Hinweisen, worin sich der Namensbestand der verschiedenen Übersetzungen unterscheidet.

Michael D. C. Drout (Hg.), J. R. R. Tolkien Encyclopedia: Scholarship and Critical Assessment (2006)

Dickes Nachschlagewerk mit wissenschaftlichem Anspruch (aber auch ein paar eher locker formulierten Artikeln bis hin zum Fanfiction-Umfeld), das Forschungsthemen, Personen, wichtige literarische Anregungen, Stationen in Tolkiens Leben usw. kurz vorstellt, jeweils  mit einer weiterführenden Auswahl an Literaturtiteln. Nachteil: so wissenschaftlich wie der Anspruch ist auch der Preis…

Wayne G. Hammond/ Christina Scull, The J. R. R. Tolkien Companion and Guide. Zwei Bände: Chronology und Reader’s Guide (2006, überarbeitete Neuauflage angekündigt für 2017).

Eine Fundgrube an sonst nicht greifbarem Wissen: Im dicken Chronologie-Band steckt eher eine Art „Goethes Leben von Tag zu Tag“ mit detaillierten Beschreibungen, was Tolkien wann tat und wem er weswegen begegnete, Hunderte Zitate (gerade aus unveröffentlichten Briefen und sonstigen Quellen!) eingeschlossen.  Der noch etwas dickere Reader’s Guide ist letztendlich ein Lexikon zu Personen, Institutionen, Orten und Werken, die in Tolkien wichtig waren, bis hinunter zum Dorf, Einzelessay und Kurzgedicht, alles gespickt mit Verweisen auf die Sekundärliteratur; es steht zwischen den längeren Globalartikeln in Drouts Encyclopaedia und den stark „innerhalb“ von Arda operierenden Lexikoneinträgen bei Foster.

Wissenschaftliche Werke zu Tolkien

Tolkiens Werke fordern Wissenschaftler und Autoren in aller Welt heraus, zu forschen und zu schreiben.
Wie kaum ein anderes Werk der Literaturgeschichte hat insbesondere Tolkiens Mittelerdekomplex viele Wissenschaftler dazu angeregt, Studien rund um diese Welt anzustellen. Aber auch andere Werke Tolkiens wurden durchleuchtet.

Tom Shippey, Der Weg nach Mittelerde (1982, überarbeitet 1992 und 2005, dt. 2008)

Beinahe eine literarische Biographie – Shippey unternimmt eine Rundreise durch Tolkiens erzählerisches Werk, einschließlich der Eindrücke aus der History of Middle-Earth (und eines Anhangs über die Jackson-Verfilmung). Leitgedanke ist das (Selbst-)Verständnis Tolkiens als Philologe und der Blick auf vormoderne Quellen und Inspirationen. Man merkt gleich, dieses Lob stammt von einem Berufskollegen und Geistesverwandten. Damit ist Shippey ein idealer Tür- und „Augenöffner“ dafür, was Schreibtalent, Textkenntnis und Liebe zum Detail vereint hervorgebracht haben… und ein idealer Reisebegleiter in alle Werke, die einem beim Lesen etwas „schwierig“ vorkommen.

Wayne G. Hammond/ Christina Scull, J. R. R. Tolkien – Der Künstler (1995, dt. 1996)

Tolkien hat nicht nur geschrieben, sondern „auch“ gemalt und gezeichnet…  und zwar Hunderte von Blättern, sein ganzes Leben lang. Ein Großteil davon, nicht nur die Illustrationen seiner eigenen Bücher, gehört natürlich nach Mittelerde und Umgebung, vom Wappen bis zum Mallornblatt. Der Auswahlband sammelt den größten bislang verfügbaren Bestand dieser Kunstwerke und versucht im Kommentar Parallelen zu Tolkiens Lebenserfahrungen und literarischem Schaffen zu ziehen.

Wayne G. Hammond/ Christina Scull, Die Kunst des Hobbit (2011, dt. 2012)

Dieses Buch offenbart eine kleinere Auswahl ansZeichnungen, die Komplettheit anstrebt und  Tolkiens eigene visuelle Sicht auf den Hobbit vorstellt (die Dreharbeiten zur Verfilmung waren damals erst angelaufen!) .

Wayne G. Hammond/ Christina Scull, The Art of The Lord of the Rings (2015)

Das bisher nicht übersetzte Pendant zu „Die Kunst des Hobbit“ . Ebenso prächtig und doppelt so dick.

Wayne G. Hammond/ Christina Scull, The Lord of the Rings: A Reader’s Companion (2005, überarbeitete „Special Edition“ 2014). 

In diesem Buch findet sich ein ausführlicher, extrem zuverlässiger Sach- und Literaturkommentar zum Herr der Ringe mit vielen Verweisen ins übrige Gesamtwerk. Es ist nach Kapiteln geordnet, sodass es den Leser durch die Lektüre des Herr der Ringe begleiten kann. Ein besonderes Plus ist, dass das Autorenpaar zahlreiche unveröffentliche Texte einsehen und in Einzelsätzen zitieren konnte. Zusätzlich enthalten ist Tolkiens eigener Leitfaden für die Übersetzung der Eigennamen. Auf Deutsch ist es leider noch nicht erschienen.

Karen Wynn Fonstad, Historischer Atlas von Mittelerde (1981, überarbeitet 1991; dt. 1985, überarbeitet 1994)

Tolkien hegte einen große Leidenschaft für Karten. Trotzdem sind nicht alle Details in seinen Werken ausreichend mit solchen hinterlegt. Dieser Band einer gelernten Kartographin füllt die Lücke – mit zweifarbigen, ausführlich kommentierten  Karten für die verschiedenen Zeiten und Landschaften. Straßen, Flüsse und Wälder – aber auch Klima, Bevölkerungsverteilung und Geologie werden besprochen und veranschaulicht. Die Reiserouten aus Hobbit und Herr der Ringe gehören natürlich zum Grundbestand . Es wird spekuliert, aber immer vorsichtig und mit möglichst großer Nähe zum Text.