Kategorie: Literaturwissenschaft

Obwohl Tolkien schon seit 1973 nicht mehr unter uns weilt, erscheinen immer noch neue Werke von ihm. So konnten wir uns zuletzt an Beren und Lúthien und an Die Geschichte von Kullervo erfreuen. Im August kommt dann auch noch die Geschichte vom Fall von Gondolin dazu.

Aber auch die Reihe an Sekundärwerken, die sich mit dem Leben des Professors und seinen literarischen Schöpfungen beschäftigen, reißt nicht ab. Unzählige Bücher und Essays sind bereits dazu veröffentlicht worden. Seit es das Internet gibt, hat sich mit dem Podcast noch ein weiteres Medium entwickelt, das dem interessierten Hörer neue Aspekte von Tolkiens Schaffen näherbringt. Zwei davon wollen wir Euch hier vorstellen.

The Tolkienheads im Netz

The Tolkienheads

Am 15.März 2017 ging die erste Folge von The Tolkienheads online, einem Podcast, der von vier Studenten der Universität in Madison, Wisconsin, moderiert wird. Rich, Matt, Nathan und Chris analysieren dabei kapitelweise die „Herr der Ringe“-Trilogie, um dadurch ein tieferes Verständnis des Werkes und dessen Bezug zum alltäglichen Leben zu vermitteln. Dabei orientieren sie sich an dem erfolgreichen Podcast „Harry Potter and the Sacred Text“, der eine als „Lectio divina“ bekannte Analysemethode verwendet. Diese wurde ursprünglich für die Auseinandersetzung mit biblischen Texten entwickelt und für den Podcast etwas angepasst, um einer weltlicheren Herangehensweise gerecht zu werden.

Die Methode – und damit der Aufbau der Podcast-Folgen – setzt sich aus vier Teilen zusammen. Zunächst wird ein ausgewählter Teil eines Kapitels gelesen und der Inhalt wird zusammengefasst. Danach schauen sich die Gastgeber an, welche tiefere Bedeutung zwischen den Zeilen steckt, und leiten daraus ab, welche Bedeutung diese Textstelle für sie selbst hat, indem sie sie mit persönlichen Erinnerungen und Erlebnissen vergleichen. Sie untersuchen, ob die ausgewählte Passage dazu aufruft, etwas in unserem Leben oder unsere Sicht auf die Welt zu verändern. Das Resultat soll nicht nur zu einem besseren Textverständnis führen, sondern auch zu einem besseren Verständnis der eigenen Lebenssituation. Pro Folge werden zwei Texstellen eines Kapitels auf diese Weise näher betrachtet.

Einleitend legen die Moderatoren ein besonderes Augenmerk auf Tolkiens Poesie, sofern in den besprochenen Kapiteln Lieder oder Gedichte vorhanden sind. Auch über die Rolle der Landschaft gibt es stets eine kurze Betrachtung, da Nathan, einer der Moderatoren, sich in seiner Dissertation dem Thema „Landschaft in der Literatur“ widmet.

Aktuell haben die Tolkienheads das erste Buch der Trilogie abgeschlossen und beschäftigen sich nun mit Die zwei Türme. Zwischendurch gibt es auch vom Schema abweichende Folgen mit Betrachtungen zu den Filmen oder Interviewfolgen, z.B. mit Dr. Walter Judd, einem Co-Autor des Buches The Flora of Middle-Earth, das wir Euch in einem früheren Artikel schon vorgestellt haben. Die Folgen schließen jeweils mit Randthemen ab, so untersuchen die Gastgeber z.B. Gemeinsamkeiten von Star Wars und Der Herr der Ringe.

The Green Door Podcast

Den Podcast The Green Door gibt es seit Anfang 2018, die erste Episode ging am 2. Januar online. James O'Flaherty aus Montreal, der schon Erfahrung beim Star-Wars-Podcast The Tumbling Saber gesammelt hat, und seinem Co-Host Adam kam die Idee zu einem Tolkien-Podcast relativ spontan. Grund dafür war die Bekanntmachung, dass Amazon die Serienrechte an The Lord of the Rings erworben hat. Im Mittelpunkt des Podcasts steht aber zunächst das Silmarillion, das von Adam gerade zum ersten Mal gelesen wird. In jeder Folge beschäftigen sich die beiden mit einem Kapitel. Dabei setzen sie auch Musikstücke ein, um zum Beispiel bei der Vorstellung der Valar deren Eigenheiten passend zu untermalen. Auch an Beginn und Ende der Sendungen wird Musik stimmungsvoll eingesetzt, so stammt das Intro von Nathan Mills, der auf seinem Youtube-Kanal Beyond the guitar Film- und Computerspielmusik auf Gitarre covert. Zur weiteren Steigerung der Atmosphäre geben James und Adam vor, sich in jeder Folge an einem anderen stimmungsvollen Platz in Mittelerde zu befinden, zum Beispiel im „Grünen Drachen“.

In Episode drei bekommen die beiden weibliche Verstärkung durch May, die den Podcast mit ihren Kenntnissen der nordischen Mythologie bereichert. Die Herangehensweise an das Silmarillion folgt keinem analytischen Schema, die drei stellen vielmehr auf unterhaltsame Weise den Inhalt der Kapitel vor und äußern ihre Gedanken und Theorien dazu. Wer ein Feedback dazu abgeben möchte, kann dies in der Facebook-Gruppe zum Podcast oder bei Twitter tun.

The Green Door im Netz

Credits

Titelfoto: Jonas Reinhard

Spenden für den guten Zweck
Werde jetzt Mitglied

Letzte News