Die Ohrringe der Macht (2025) – eine Rezension

Noch eine Parodie von Myk Jung? Ja, noch eine! Vielleicht auch nicht die letzte. Angefangen hatte ja alles mit einer Parodie auf den Herrn der Ringe. Im Laufe der Jahre folgten Der Herr der Ohrringe II und Der Hobbknick – und jetzt also Die Ohrringe der Macht.

Parodien sind ja immer sehr Geschmackssache – und wer Myk Jung kennt, wird bereits wissen, was in etwa zu erwarten ist. Wer ihn nicht kennt, dem sei gesagt, dass die Parodien durchaus etwas anders sind. Und wer lieber hört als liest, greife am besten gleich zu den Hörbüchern. Die Lesungen, die ich gehört habe, waren jedenfalls immer noch mal lustiger als die Texte allein gelesen.

In Die Ohrringe der Macht werden natürlich wie erwartet die (bisherigen) zwei Staffeln der Amazon-Serie parodiert. Aber nicht nur das: Myk Jung hat Tolkien gelesen. Auch andere Texte werden auf die Schippe genommen: Am erstaunlichsten fand ich die Anspielungen auf Natur und Wesen von Mittelerde. Ich hatte jedenfalls nicht erwartet, so etwas in der Parodie zu finden. Was der Beweis ist, dass sich sogar Tabellen dazu eignen können, durch den Kakao gezogen zu werden.

Die noch lebenden Ohrring-Gefährten nutzen ihre Dimensionspforte, um sich wichtige Zeitpunkte des Viertletzten Zeitalters der Mittelmäßigen Welt anzusehen. Dabei treffen sie auf die Bewohnerschaft von Nummernohr und berühmte Alberne.

Bewundernswert erschien mir dabei, dass alle Namen in ihrer parodierten Form sofort erkennbar sind (spätestens, wenn man sie einmal laut ausspricht). Das muss man erst einmal hinkriegen! Beispiele dafür wären etwa KelleBrimbor, GardAriel oder Dyll-Saladh.

Außerdem werden nicht nur Inhalte aufs Korn genommen, sondern auch bekannte Formalien in Tolkiens Werken – besonders beliebt in diesem Band sind die Zwischenanmerkungen von den Historikern oder Historikerinnen, bei denen es meistens um alternative Übersetzungen, unleserliche Teile der Manuskripte durch Verschmutzungen oder schlichte Uneinigkeit geht.

Selbst sprachliche Eigenheiten werden aufgegriffen. So haben alle Orte und Dinge (natürlich!) zwei Namen: einmal die Singdarin-Version (in der man immer singen will) und dann die Quenglyar-Variante. Vor allem die Grau-Albernen haben außerdem eine Vorliebe für (unnötige) „H“s.

Damit nicht genug, werden auch sprachliche Gepflogenheiten wie die mögliche oder auch richtige Verwendung von Auslassungspunkten oder Klammern in wörtlicher Rede angesprochen und von Protagonisten hinterfragt (im wörtlichen Sinne).

Erst durch die Besuche der Ohrring-Gefährten ändern sich die Ereignisse so, wie sie sich in späteren Zeitaltern darstellen – namentlich z.B. bei den Farbenfrohen Häfen Cieldrans oder auch KelleBrimbors Vorgehen.

Mittendrin taucht auch noch der Bunte Phantast auf (von dem Ganzhalb nicht sonderlich begeistert ist), der eine eigene Dimensionspforte hat und alles aufschreiben will, was geschieht.

Myk Jung hat sein Werk auch selbst illustriert; jede Zeichnung nimmt eine Seite ein. Der Band enthält außerdem eine Zeittafel des Viertletzten Zeitalters, ein Glossar und auch wieder „In dieser Übersetzung nicht berücksichtigte Sätze“ (am besten gefiel mir „Er hatte zu dem Dialog nichts beizutragen. Es war also keiner.“).

Wer also Parodien mag oder bereits ein Fan von Myk Jung ist, kann auf jeden Fall zugreifen. Wer sich nicht sicher ist, könnte eine der Lesungen besuchen und sich alles erst einmal anhören. Spaß macht das auf jeden Fall!

In diesem (besten) Sinne: Die spinnen, die Nummernohrer!

Eckdaten zum Buch

Format: Taschenbuch
Seiten: 294
Herausgeber / Autor: Myk Jung
Verlag: curARTE
Sprache: Deutsch
ISBN: 978-3-911572-01-9

Credits:

Foto: https://mykjung.de/portfolio/die-ohrringe-der-macht
Text: Carola Oberbeck

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