Rezension: Elbisches Wörterbuch

Der Klett-Cotta Verlag hat am 16. August 2025 eine neue, erweiterte Ausgabe von Wolfgang Kreges Band Elbisches Wörterbuch veröffentlicht. Sie wurde von Judith Klinger bearbeitet. Die 272 Seiten enthalten eine Einführung in die Grammatik, Aussprache und Schrift von Quenya und Sindarin und die Wörterverzeichnisse Elbisch-Deutsch und Deutsch-Elbisch.

Was ist neu an dieser Ausgabe?

In seiner schlichten Gestaltung ist das Elbische Wörterbuch hübsch anzusehen. Das Cover ist in Rot gehalten. Schrift und Grafik, in Form von Arwens Abendstern, bestechen durch metallisch geprägte Goldfolie. Sein dreiseitiger roter Farbschnitt mit goldener Tengwarschrift verleiht dem Buch eine besondere Optik. Anders als bei früheren Ausgaben gibt es das Buch bisher nur als Taschenbuch und nicht im Kleinformat mit Schutzumschlag.
Der Inhalt der neuen Ausgabe unterscheidet sich nicht von den früheren Ausgaben des Elbischen Wörterbuchs von Wolfgang Krege, die in überarbeiteter Form erschienen sind. Die Neuausgabe unterscheidet sich allein in der Gestaltung: Die Überschriften und aufgeführten Wörter in den Wortlisten sind in Rot gedruckt.

Vorbemerkung

In seinen Vorbemerkungen erklärt Krege die Schwierigkeiten, die beim Erstellen des Wörterbuches aufgetreten sind. Bei der elbischen Sprache, die J.R.R. Tolkien entwickelt hat, handelt es sich um eine erfundene Sprache. Tolkien hat nicht nur eine Sprache (Elbisch) erfunden, er hat sich auch mit der Entwicklung der Sprache und den daraus resultierenden unterschiedlichen Sprachen und Dialekten beschäftigt. Zudem hat sich diese Sprache in einer fiktiven Welt über Jahrtausende in verschiedene Richtungen entwickelt. Diese Komplexität macht es schwierig, ein Wörterbuch zu erstellen. Dass Tolkien in verschiedenen Schaffensphasen unterschiedliche und widersprüchliche Angaben zu seinen elbischen Sprachen gemacht hatte, erschwerte das Vorhaben zusätzlich. Außerdem sah sich Tolkien selbst mehr in der Rolle des Übersetzers als in der des Erschaffers der Sprachen.

Vor diesem Hintergrund hat Krege beschlossen, sich auf den Entwicklungsstand der späteren Phasen ab etwa 1937 zu beschränken. Er nutzte hauptsächlich Angaben in Der Herr der Ringe, dem Silmarillion und den Nachrichten aus Mittelerde sowie teilweise Angaben in den Etymologies aus dem von Christopher Tolkien herausgegebenen fünften Band der History of Middle-earthThe Lost Road and Other Writings.

Da bei Tolkien auch in späteren Entwicklungsphasen der Sprachen widersprüchliche Angaben auftauchten, musste Krege Entscheidungen treffen, wie mit der Sprache umzugehen sei. Krege beschreibt, dass er sich selbst fragte, ob er das Wörterbuch allzu „synchronisch“ gestaltet und die Sprachen auf einen fiktiven Ist-Zustand abgerundet habe, während es Tolkien doch eher um den Wandel in Sprachen gegangen sei.

Grammatik, Aussprache und Schrift

Krege hat dem Wörterbuch eine kleine grammatische Übersicht vorangestellt und auch hier auf die bereits beschriebenen Probleme verwiesen. Er schreibt über die Grammatik, dass sie voller weißer Flecken und weit davon entfernt sei, das Elbische in einen gebrauchsfertigen Zustand zu bringen.
Die Grammatik besteht aus zwei Teilen: der Quenya-Grammatik und der Sindarin-Grammatik. In beiden Teilen erklärt Krege kurz die Sprachentwicklung in Tolkiens fiktiver Welt und wie Tolkien die beiden Sprachen entwickelt hat. Anschließend werden die Wortarten beider Sprachen beschrieben und aufgeführt. Es wird erläutert, wie Substantive, Adjektive, Artikel und Pronomen dekliniert und Verben konjugiert werden. Anschließend folgt eine kurze Beschreibung zur Aussprache der elbischen Wörter. Krege führt auf, wie Konsonanten, Vokale und Diphthonge ausgesprochen werden und was bei der Betonung zu beachten ist. Zur Veranschaulichung gibt es einen Einblick in „Tengwar“, die fëanorischen Buchstaben. An drei Beispielen zeigt Krege, dass es keine einfache Übertragung des lateinischen Alphabets gibt und wie die Schriftzeichen für verschiedene Sprachen gebraucht werden können. Im ersten Beispiel transkribiert er den Silmarillion-Titel ins Englische, die Inschrift am Westtor von Moria gibt er in Sindarin wieder und die Ringinschrift des „Einen Rings“ offenbart die Schwarze Sprache.

 

Hauptteil, das eigentliche Wörterbuch

Der Hauptbestandteil eines Wörterbuchs ist natürlich das Wörterverzeichnis in alphabetischer Reihenfolge. Es gibt zwei Teile: Elbisch – Deutsch und Deutsch – Elbisch. Beide Sprachen, Quenya und Sindarin, sind nicht extra aufgeführt, sondern erscheinen in einer gemeinsamen Liste und ihre Zugehörigkeit wird mit Q bzw. mit S. gekennzeichnet. Im ersten Teil Elbisch – Deutsch finden sich zu einzelnen Wörtern noch zusätzliche Informationen, wie sie in Wörterbüchern üblich sind, z.B. verschiedene Bedeutungen, die Pluralbildung, der Imperativ oder die Deklination und Konjunktion. Einzelne Wörter mit Zusatzinformationen werden mittels rot umrandeter Kästchen hervorgehoben. Im Gegensatz dazu besteht der zweite Teil Deutsch – Elbisch nur aus der Übersetzung der deutschen Wörter in Sindarin oder in Quenya oder beide Wörter ohne zusätzliche Informationen.

Fazit

Ich finde die neue Ausgabe Elbisches Wörterbuch von Wolfgang Krege optisch gelungen. Durch die farbliche Gestaltung und großzügige Anordnung lassen sich die Wörter leicht nachschlagen. Das Buch bietet einen schnellen Blick auf die Übersetzung von Wörtern. Die Grammatik in dieser vereinfachten Form ist ein Einstieg in die Sprache, aber zu kurz gefasst, um sie für die Sprachnutzung umsetzen zu können. Wer die Komplexität der elbischen Sprachentwicklung von J.R.R. Tolkien nicht scheut und tiefer in die verschiedenen Sprachen eintauchen möchte, findet in diesem Buch wahrscheinlich zu wenige oder ungenügende Informationen und stört sich an den Vereinfachungen oder der eingeschränkten Auswahl des Autors in Übersetzungsfragen. Wer einfach mal das eine oder andere Wort nachschlagen oder einen kurzen Einblick in die Elbische Sprache gewinnen will, hat bestimmt Freude an dem Buch.
Da, wie bereits gesagt, nichts Neues in dem Buch steht, können Besitzer*innen einer älteren Ausgabe des Elbischen Wörterbuchs von Wolfgang Krege auf den Kauf verzichten. Außer natürlich, jemand möchte seine Sammlung um ein schön gestaltetes, ansprechendes Buch erweitern.

Credits:

Foto: Tobias M. Eckrich

Eckdaten zum Buch

Preis: 18,00
Format: Taschenbuch
Seiten: 272
Herausgeber / Autor: Wolfgang Krege
Verlag: Klett-Cotta
Sprache: deutsch
ISBN: 978-3-608-98880-2
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