Am 23 März 2019 dreht es sich im Haus der FrauenGeschichte in Bonn rund um Tolkien. Friedhelm Schneidewind wird an diesem Tag neben einem Vortrag und einer Lesung auch musikalisch über die starken Frauen in Mittelerde und anderen phantastischen Werken referieren. 

Das Program im Überblick

Der erste Vortrag wird sich dem Thema „Starke Frauen im Werk von Tolkien“ widmen. Hier geht Friedhelm auf den Vorwurf ein, Tolkiens Frauenbild in seinen Werken sei überholt und altmodisch, und belegt mit zahlreichen Beispielen, dass durchaus starke Frauen in Tolkiens Werk vorkommen.

In der folgenden Lesung mit dem Titel: „Phantastische Geschichten über und mit Frauen als Heldinnen“ liest Friedhelm Fantasy- und Science-Fiction-Geschichten über und mit starken Frauen, die er in den letzten 25 Jahren veröffentlicht hat. Protagonistinnen sind u. a. eine Orkkämpferin, eine Raumschiffkapitänin, eine raumfahrende Musikerin, eine Gynoidin, Elbinnen und Vampirinnen.

Der anschließende Musikabend mit dem Thema “Lieder über Frauen in Mittelerde und anderen phantastischen Welten”schließt sich thematisch den Vorträgen an, der vielseitige Autor singt selbst vertonte Lieder von Frauen aus Tolkiens Mittelerde und anderen phantastischen Welten und begleitet sich dabei mit Harfe, Portativ und Drehleier.

Interview mit Friedhelm Schneidewind

Wir haben Friedhelm für euch gefragt, was ihn zu dem Thema „Frauen und Tolkien“ geführt hat.

Wie bist du als Mann dazu gekommen, dich mit dem Thema “Starke Frauen in Tolkiens Werken” zu beschäftigen?

Ich bin seit meiner Jugend Feminist, und ich halte das für so lange für notwendig, solange es in unserer Gesellschaft bei Sachthemen, im Beruf und im gesellschaftlichen Leben eine Rolle spielt, ob ein Mensch Mann, Frau oder etwas anderes ist. Dass das noch so ist, zeigt auch diese Frage: Es sollte keine Rolle spielen, ob ich das Thema als Mann oder Frau betrachte, aber in unserer Gesellschaft ist das so. Mit dem Thema habe ich mich erstmals befasst, als ich 2000 mein Tolkienlexikon schrieb, das 2001 erschien. Ich habe mich in dem Zusammenhang mit einigen der Hauptvorwürfe beschäftigt, die Tolkien gegenüber regelmäßig erhoben werden, wie Schwarz-Weiß-Malerei und eben auch, dass er erstens ein sehr konservatives Frauenbild zeichne und es zweitens bei ihm keine starken und kaum aktive Frauen gäbe. Seither habe ich dieses Thema immer wieder in Vorträgen und Publikationen behandelt.

Friedhelm Schneidewind

Welche Eigenschaften hat deiner Meinung nach eine “starke Frau”?

Ein Stückweit hängt das ab von der Gesellschaft, in der sie lebt. Im Allgemeinen gehört für mich dazu, dass sie eine eigenständige Persönlichkeit ist, nicht abhängig im geistigen Bereich von anderen Menschen, dass sie ihre eigenen überlegten Entscheidungen trifft, ihr Leben nach eigenem Entwurf lebt, soweit das in ihrer Gesellschaft möglich ist. Äußerlichkeiten spielen dabei keine Rolle. Und selbstverständlich kann eine Frau auch beschließen, eine traditionelle Rolle einzunehmen. Alles das gilt übrigens analog für Männer und andere Identitäten.

Friedhelm Schneidewind

Gibt es eine Frau im realen Leben oder auch einen weiblichen Charakter in einem fiktiven Werk, der dich besonders beeindruckt hat?

Es gibt eine Menge Frauen, die mich beeindruckt haben oder die es noch tun. Besonders hervorheben möchte ich die linke feministische Theologin und Dichterin Dorothee Sölle, die ich mehrfach treffen durfte. Verstorbene Frauen, die ich sehr beeindruckend finde, sind George Sand,  Marie Curie und Ursula K. Le Guin.

Friedhelm Schneidewind

Weitere Informationen und Veranstaltungen

Und wer sich für zukunftsweisende Themen wie den aktuellen Möglichkeiten der Gentechnologie und ihre Rolle in der Science Fiction interessiert, kann sich am Folgetag den Vortrag “Steht GATTACA vor der Tür? Gen- und Fortpflanzungstechnik in Science Fiction und Realität” von Friedhelm am selben Veranstaltungsort anhören.

Alle Informationen zu der Veranstaltung, findet Ihr auf der Seite des Veranstalters: Das Haus der FrauenGeschichte. Informationen rund um Friedhelm gibt es auf seiner Website.

Credits

Titelfoto: Klett-Cotta

Foto Friedhelm Schneidewind: Annika Röttinger