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Bericht vom Tolkien Fest II :)
Anfang Februar trafen sich die Tolkienfans erneut in Hessen auf der wunderschönen Burg Hohensolms. Dieser Bericht kommt ein wenig spät, was nur am Webmaster liegt :) Nichtsdestotrotz: er ist die Zeit wert!

Endlich ist es soweit - das lang erwartete Tolkienfest soll wieder in Hohensolms stattfinden. Es ist das erste Mal, daß ich dorthin fahre, und entsprechend aufgeregt bin ich auch. Die Anreise verläuft ohne Probleme, auch wenn der Zug ein paar Minuten zu spät ist. Nach kurzem Herumirren auf dem Bahnhof finde ich schließlich auch zum Service Point, wo man schon auf mich wartet. Glorfindel, nicht zu übersehen mit seinem T-Shirt mit den Ringrunen, empfängt mich herzlich und greift nach meinem Rucksack. Spätestens auf der anschließenden Autofahrt zur Burg wird mir klar, daß es ein tolles Wochenende werden wird.
An der Burg angelangt werden wir an der Toreinfahrt von zwei Elbenkriegern aus dem Elbenlager, das seine Zelte am Fuße des Berges aufgeschlagen hat, nach dem Paßwort gefragt. Was könnte es auch anders sein als "mellon"?
Am Eingang hängt ein großes Banner: "Tolkienfest II". Drinnen bei der Anmeldung ("pedo mellon a minno") ist bereits sehr viel los, Menschen mit oder ohne Gewandung, wohin man sieht. Meine Zimmernachbarin Patroni wartet bereits auf mich. Nach einem lauten Hallo, als würde man mich schon Jahre kennen, dem Aushändigen des Namensschildes und einem kurzen Strich auf der Liste gehen wir erst einmal kurz aufs Zimmer, damit ich meine Sachen loswerden kann. Danach holen wir gemeinsam das Begrüßungspaket am Infopoint ab (die Stofftasche sorgt für allgemeines anerkennendes Gelächter, ziert sie doch der Spruch: "Was hat das da in seinen Taschen?") und decken uns mit Getränkemarken ein. Der Workshop der DTG "HdR - nur für Männer" hat leider schon begonnen, bevor ich auf der Burg eintraf, also entscheiden wir uns dazu, etwas zu essen.
Anschließend bleibt noch genügend Zeit, bis der nächste Programmpunkt startet, also wagen wir uns in die Höhle der Versuchung und besuchen den "Tolkienwinkel". Réné hat wieder alle möglichen Schätze mitgebracht, doch schaffe ich es tatsächlich, nicht allzusehr beladen den Shop wieder zu verlassen.
Der nächste Vortrag beginnt um 20.00 h und trägt den Titel "Radio Adaptions". Wie der Titel bereits verheißt, geht es dabei um verschiedene Möglichkeiten, Tolkiens Welt hörbar zu machen, sei es nun von ihm selbst, wie er seine Texte liest oder verschiedene Hörspiele. Besonders berühmt-berüchtigt dürfte inzwischen Leonard Nimoy's Lied "Bilbo the Hobbit" sein, das immer wieder für Heiterkeit sorgt. Vorgestellt werden auch einige Komponisten, die Lieder aus den Büchern vertonten oder selbst welche schrieben. Am Ende geht es auch um die Hörspiele. Ich habe gar nicht gewußt, wie viele es davon gibt. Auffälligkeiten ergeben sich vor allem beim "Hobbit", beginnen doch alle Hörspiele mit demselben Satz bzw. seinen Übersetzungen: "In a hole in the ground, there lived a Hobbit." Gut gelaunt verlassen wir den Vortrag und begeben uns zur Begrüßung in den anderen Teil der Burg. Trotzdem der Weg etwas länger ist, kommen wir nicht zu spät. Unterwegs laufen mir mehrere bekannte Namen über den Weg (ich kann nicht "Gesichter" sagen, da ich sie bisher nur über das Internet kenne), was meine Laune nur noch hebt, werde ich doch begrüßt wie eine lange vermißte Freundin.
Die Begrüßung ist herzlich und endet immer wieder in Applaus, wenn verschiedene und/oder allseits bekannte Gäste vorgestellt werden. Auch wird dem Organisationsteam und seine Helfern lautstark für die Mühe gedankt. Wir werden auf ein Quiz aufmerksam gemacht, bei dem es viele Preise zu gewinnen gibt, beim Hinausgehen schnappen wir uns einige Zettel. Nach der Begrüßung machen wir uns auf den Weg in die Burgschenke. Es herrscht recht dichtes Gedränge und ausgelassene Stimmung, noch mehr bekannte Gesichter tauchen auf. Um 22.00h beginnt der Kostümwettbewerb, den ich mir aber nicht ansehe (was ich das nächste Mal auf jeden Fall nachholen werde!). Als die anderen zurückkommen, lasse ich mir ausführlich davon erzählen und werde sofort bereitwillig in ein Gespräch über den Film verwickelt. Als die Burgschenke um 1.30 h schließt, wechseln wir in die "Halle des Feuers". Das Feuer brennt bereits. Wir lassen uns an einen der Tische nieder, versuchen uns am Quiz und unterhalten uns. Gegen Viertel vor drei jedoch kann ich nicht mehr und ziehe mich auf das Zimmer zurück.
Nach einem ausführlichen Frühstück am nächsten Morgen sehe ich wieder auf den Programmplan. Patroni ist zu einer MERS-Runde angemeldet. Mehrere Möglichkeiten bieten sich mir, ich entscheide mich schließlich für "Neues zur Übersetzung", da ich unbedingt wissen möchte, wie sich die Angelegenheit entwickelt hat. Also auf in den Raum namens Cordier.
Was Olwe uns berichten kann, finde ich sehr interessant. Der Vergleich von sechs Kapiteln des "Herrn der Ringe" in alter und neuer Übersetzung ist abgeschlossen, 46 Seiten mit Verbesserungsvorschlägen sind das Ergebnis (dabei ist zu erwähnen, daß nur "offensichtliche" Fehler bemängelt wurden, also z. B. die Auslassung von halben Sätzen oder die drei unterschiedlichen Übersetzungen (!) der Glänzenden Grotten von Menegroth). Leider verhält sich der Verlag weiterhin nicht gerade kooperativ, deshalb kam auch die Frage auf, was man tun könnte, wenn sie diese Verbesserungsvorschläge erneut ignorieren. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, was sich in diesem Fall tun läßt. Man könnte z. B. die Presse informieren oder auch Harper Collins berichten, wie mit Tolkiens Werk umgegangen wird. Doch zunächst heißt es abwarten, vielleicht läßt Klett-Cotta doch noch überzeugen.
Gleich anschließend findet gemeinsam mit Frank Weinreich die Diskussion "Vorwürfe gegen Tolkien" statt. Natürlich haben alle die Kritik, die erhoben wird, in der einen oder anderen Form gehört, doch ist es deshalb nicht weniger spannend, sie erneut aufzugreifen. Es werden zwei verschiedene Arten der Kritik unterschieden, als erstes die politische Kritik (z. B. Faschismus, Frauenfeindlichkeit) und als zweites die literarische Kritik (z. B. Trivialität). Die gesamte Diskussion (die mir sehr viel Spaß gemacht hat) hier wiederzugeben, würde den Rahmen sprengen, doch finden sich für alle Vorwürfe logische Gegenargumente. Grundsätzlich ist festzuhalten, daß sich bei einer faschistischen Diktatur (wobei eigentlich zuerst geklärt werden müßte, was man darunter versteht) Gleichförmigkeit feststellen läßt, "Der Herr der Ringe" besteht allerdings nachdrücklich auf Individualismus. Vor allem scheinen die Kritiker oftmals die Vorurteile, die die Personen im Buch zeigen, mit Tolkiens eigener Einstellung verwechselt zu haben - was aber durchaus nicht gleichzusetzen ist. Die Diskussion wird demnächst auf Frank Weinreichs Seite und sicherlich auch auf der der DTG veröffentlicht werden.
Nach einem erneutem Blick ins Programm entscheide ich mich für die "Diskussion mit F. Schneidewind". Dort wird die Diskussion noch etwas weitergeführt, jetzt mit dem Schwerpunkt auf der politischen Wirkung des Buches bzw. ob es eine solche überhaupt hat. Ein Nebengedanke: Die russische Übersetzung des "Herrn der Ringe" war u. a. deshalb nicht gerne gesehen, weil man ihr vorwarf, zu deutliche demokratische Tendenzen aufzuweisen... erstaunlich, was sich aus diesem Buch alles interpretieren läßt!
Danach schließt sich ein Workshop der DTG an. Diesmal geht es um die "Nebenwirkungen" des Films. Olwe selbst hat auch einiges zu erzählen, z. B. von einem äußerst "amüsanten" Bericht, den RTL in Köln gedreht hat und der vor Klichés nur so strotzte. Es ging auch ein wenig um den Film selbst, die Merchandising-Welle und andere filmbezogene Dinge. Jedenfalls gibt es viel Gelächter.
Bis das Rittermahl anfängt, habe ich noch eine Stunde Zeit, also führen meine Wege mich wieder in den Shop. Diesmal erlaube ich mir sogar, etwas mehr Geld auszugeben. Als ich um 19.00h Richtung Rittersaal aufbreche, stehen die Leute schon auf der Treppe Schlange. Also heißt es warten. Nach kurzer Zeit öffnen sich die Türen des Saales und wir können eintreten. Als ich dort ankomme, ist es schon ziemlich voll, doch bietet mir Eowyn einen Platz an, so daß ich nicht lange herumstehen muß.
Als das Essen beginnt, sehe ich auch ein Team vom Hessischen Rundfunk, das Aufnahmen macht. Doch weil ich Hunger habe, erregt das Essen noch meine größere Aufmerksamkeit. Schon während des Rittermahles spielt die Gruppe Glendalough einige Lieder. Ein Teilnehmer, der sich wirklich sehr gekonnt als Hobbit kostümiert hat (diese Füße sind faszinierend!) ist der Grund, weshalb ich ab und zu zum Nebentisch sehe.
Nach dem Essen gibt es ein Making of von "Die Gefährten". Natürlich gehen dort alle hin, gleichzeitig gibt es auch keinen anderen Programmpunkt. Zuerst wird das Quiz gelöst und die Gewinner geehrt. Anschließend folgen die Filmreportagen. Als erstes gibt es einen kleinen Film über das Tolkienfest vom letzten Jahr, dann folgt ein Bericht über die Filmschauspieler. Als nächstes sehen wir einen längeren Bericht über den Film, der auch etwas ausführlicher ist. Ein paar Szenen gibt es, die bei "Die Gefährten" noch nicht zu sehen waren und offensichtlich aus den anderen Teilen stammen müssen. Zum Schluß gibt es ein Interview und Kurzportrait mit Peter Jackson.
Den Schaukampf, der oben im Raum Codier stattfindet, verpasse ich beinahe vollständig, doch zur Lesung der DTG bin ich pünktlich. Reihum werden Passagen aus einem der Bücher vorgelesen. Wer mich kennt, weiß, warum ich ausgerechnet "Die Schaffung von Sonne und Mond und die Verhüllung Valinors" aus dem "Silmarilion" ausgewählt habe.
Nach der Lesung komme ich gerade recht in die "Halle des Feuers", um Glendalough noch einige Titel spielen zu hören. Anschließend geselle ich mich zu den anderen, um mich zu unterhalten. Der Abend schreitet voran, und nach und nach leert sich die Halle. Um kurz vor vier Uhr morgens habe ich dann genug und finde in das Zimmer zurück.
Am Sonntag findet kein Programm mehr statt. Beim Frühstück erfahren wir, daß viele gar nicht schlafen gegangen sind. Weil ich noch Zeit habe, besuche ich ein letztes mal den Shop, unterdrücke aber erfolgreich das Gefühl, am liebsten gleich alles mitzunehmen.
Um 14.15 h geht mein Shuttle zurück zum Bahnhof. Es tut mir leid, daß das Wochenende so schnell vergangen ist. Aber wie heißt es so schön? "Wenn man nicht geht, kann man auch nicht wiederkommen". Deshalb auch noch einmal vielen Dank an alle Mitglieder des Organisationsteams und deren Helfer, die wirklich ganze Arbeit geleistet haben! Es war toll! Dank auch an alle, die als Gäste auf der Burg haben oder irgendwie sonst das Programm gestaltet haben. Es hat sehr viel Spaß gemacht
Als letztes Dank an alle, die das Fest besucht haben. Ich bin zum ersten Mal in Hohensolms gewesen und kannte persönlich niemanden, als ich dort eintraf. Die warme Atmosphäre war der Grund, weshalb ich mich sofort wohl gefühlt habe - so, als würden mich alle schon lange kennen.
Ich sage deshalb "Auf Wiedersehen, Hohensolms!", weil ich auf ein drittes Fest hoffe und daran auf alle Fälle teilnehmen möchte. Also: See you in 2003!
Carola alias Ciriel
Alle Bilder von der Tolkien Fest Seite, vielen Dank an die Photographen Lady Eowyn und Webthor!

[Tolkien-Fest.de]

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