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| "Die zwei Türme" - der Weg in eine andere Welt. 13.12. |
| Das Feedback war überwältigend - gespannt warten Tolkienfans in Deutschland auf "Die zwei Türme". Meine ersten beiden Berichte waren im Vergleich zum letzten Jahr aber Heavy Spoilers. Der Grund hierfür: die Änderungen im Film sind wesentlicher, entscheidender, auffälliger. Im ersten Moment mußte ich dies dokumentieren - nun lest Ihr einen Bericht, der versucht, die Emotionen zu verdeutlichen, die dieser Film hervorruft. Nahezu ohne Inhalt zu verraten... |
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| Die Pressevorführung war am Mittwoch, den 11. Dezember, um 10 Uhr im Kölner Ufa Palast. Ich war gespannt wie ein Flitzebogen und verwechselte prompt in meiner Nervostät den 11. Dezember mit 11 Uhr. Gesagt, getan: ich kam eine knappe halbe Stunde zu spät zum zweiten Teil der Herr der Ringe Filmtrilogie. Ich hatte mir natürlich beim Versuch mein eingefrorenes Fahhradschloß zu öffnen, den kleinen Finger an meiner linken Hand gespalten, so daß das Blut gemütlich von mir herabtropfte. Ein böses Omen? Kaum... |
| In die ÖPNV, Bus zu langsam, Bahn Verspätung. Schnelles Rennen von Haltestelle Friesenplatz zum Kino (keine 300 Meter, aber meine Herz-Rhythmus-Störungen brachten mich ganz schön ins Schwitzen.) Ein verdunkeltes Kino, ein Türsteher, Antje Krumm vom Warner Pressebüro, die mich mit den Worten "Mensch, Marcel, Du bist ja viel zu spät" begrüßt. Ein kurzes Eintragen, Presseinfos, rein in die zweitvorderste Reihe. Merkwürdig, wie sich die Bilder ähneln: letztes Jahr habe ich beinahe jeden Premierebesucher töten können, weil sie sich nicht bückten, als sie zu ihren Plätzen mitten im Film gingen - nie so viele Köpfe auf der Leinwand gesehen wie letztes Jahr. Ich also in geduckter Haltung rein... und komme zur Szene auf meinen Platz, als die Rohirrim über den Hügel kommen, die drei Jäger versteckt hinter Steinen |
| Direkt der erste Schock: die deutsche Version erscheint mir gelungen -die Synchronisation ist gut, die Stimmen stimmig, kaum asynchrone Stellen-, aber wenn man im Original "What have a man, a dwarf and an elf to do in the Riddermark? Speak quickly?" mit dieser charismatischen Stimme gehört hat, kann die Übersetzung nur verlieren |
| Während ich den Film sehe, habe ich das Gefühl neben mir zu stehen. 2001 war etwas ganz besonderes, denn ein Traum ging in Erfüllung. Jetzt scheint es "nur noch" der zweite Teil eines Films zu sein, den man ohnehin schon zu kennen glaubt. Viel mehr Journalisten als letztes Jahr, es ist halt eine Erfolgsgeschichte. Die Stimmung brauchbar, es gibt Lacher, zwischendurch sogar Applaus. Das ist unüblich für die hartgesottenen Filmkenner deutscher Medien... |
| Ich folge den drei Jägern nach Fangorn, sehe ihr Entsetzen, als sie zum Scheiterhaufen der Orks kommen. Dann das Entdecken erster Spuren, die Rückblicke der Schlacht zwischen Rohirrim und den Uruks - fantastisch gemacht. Und dann die ersten Änderungen, die mich ernüchtern, irritieren, mich fast die Handlung vergessen lassen. Baumbart (und die Ents sind wundervoll umgesetzt; aber Geschmacksache!) bringt die beiden Hobbits zum weißen Zauberer! Die Jäger greifen den alten Mann an, ohne ihn anzusprechen! Verwirrt folge ich ihnen nach Edoras, das mich in seinen Bann schlägt ob seiner angelsächsischen Schlichtheit und Schönheit. Jacksons Liebe zum Detail und vor allem zur filigranen Symbolik wirft mich aus der Bahn - das Banner der Rohirrim reißt sich vom Flaggenmast los, gerade als die drei Jäger und Gandalf in Edoras ankommen. Es fällt Aragorn zu Füßen, der mit einem hoffnungslosen Blick an dem Stück Stoff vorbeireitet. Was für ein Bild, was für eine Aussage - PJ ist und bleibt ein Meister der Assoziationen, der Anspielungen, der subtilen Hinweise |
| Doch in Edoras überrascht mich die Veränderung Theodens, sieht er doch einem verfluchten, dahinsiechenden Geist oder einem Ork mit seinen Klauenhänden ähnlicher als dem stolzen König, den ich in Erinnerung habe. "Auf Eorlingas" - jedes Mal, wenn ich diese Szene im "Herr der Ringe" lese, breche ich in Tränen aus (meine Lieblingsstelle, die in wenigen Worten alles Leid und allen Schmerz der Welt mit der Hoffnung besiegt, daß es ein Morgen gibt!) Und hier? Nichts von der Magie, die Rohan umgibt - nur ein armer, alter, bedauernswerter Mann, der sich selbst überschätzt, zu eigensinnig, zu schwach ist. Aber vielleicht habe ich Theoden immer falsch verstanden?! |
| Im Gegensatz zum letzen Jahr schaue ich immer wieder auf die Uhr, habe ein ganz anderes Zeitgefühl. Ich fühle mich hin- und hergeworfen, aus dem Erzählfluß gerissen. Immer wieder frage ich mich "Wie kann er so viel hineinpacken und so viel auslassen"? Schneller scheinen mir die Schnitte zu sein, zu krass die Änderungen, zu abgehackt das Tempo. Die gesamte Atmosphäre atmet Tod und Verderben, die Schwäche der Menschen, das Vergehen der Elben, die Zerstörung der Natur. Wohin man schaut, wohin der Blick sich wendet ist Sauron und sein bettelnder Diener Saruman - alles steht in ihrer Macht, alles haben sie in der Hand |
| Auch Sam und Frodo zweifeln an ihrer Aufgabe, Frodo verfällt immer mehr der Macht des Rings. Seine Sympathie für Gollum, die Beziehung zwischen ihnen wird immer enger, je mehr Frodo aus dem Auenland begreift, daß dieser Ring danach trachtet, ihn zu beherrschen. Er erhebt das Schwert gegen seinen Sam und die Szene, in der Sam ihm sagt "Ich bin es, Herr Frodo. Dein Sam" muß jeden Tolkienfan zu einem Gefühlsausbruch führen. Obwohl die beiden in Osgiliath sind (wie kommen sie bloß wieder nach Ithilien?!?!?), die Geschichte geändert wurde, ist es dieser Augenblick, die die Essenz der zerstörerischen Kraft des Rings zum Tragen bringt. Keine Verzweiflung ist größer als die Frodos, keine Macht absoluter als die Saurons - und diese beiden kleinen Hobbits kämpfen gegen sie an? "Absurd" würde Tolkien sagen |
| Nicht zuletzt ist dieser Film ein Feuerwerk an Effekten, an bildgewaltigen Szenen (dieses Adjektiv wurde für diese Filme erfunden, ich finde es mittlerweile zum Kotzen, aber was soll's ;)), an Überraschungen, an Änderungen, an schnellen Schnitten. Dieser Film fordert dem Tolkienfan alles ab - für mich jemand, dem dieses Buch am Herzen liegt, der aber trotzdem empfänglich ist für eine Filmversion, weil es ein Traum ist, die Gefährten am hellichten Tage durch deinen Blick wandern zu sehen! Das Gefühl der Offenbarung, daß ich vor fast zwanzig Jahren zum ersten Mal beim Zeichentrickfilm hatte, habe ich jetzt wieder - auch wenn ich diesen Film hassen UND lieben werde. Der Film wächst, gedeiht, entwickelt sich - und wie das Leben in Mittelerde ist nichts davon vorbestimmt |
| Ich werde diesen Film sicherlich noch häufig sehen - und mich immer wieder freuen und lachen, wenn ich Craig 'Haldir' Parker mit seinen elbischen Bogenschützen in Helms Klamm sehe. Wer ihn auf der Ring*Con2002 kennengelernt hat, weiß, wie lustig das alles gewesen sein muß - für mich als Betrachter ist die schlichte Aussage Haldirs "Dies soll ein Zeichen des erneuerten Bündnisses zwischen Elben und Menschen sein" so bewegend, so einzigartig, daß ich denke, daß dieser Film doch nicht falsch sein kann. Hätte Tolkien mit dieser Idee gespielt, er hätte Haldir diese Worte sprechen lassen!!! |
| Wer diesen Film sieht, wird danach ein anderer Mensch sein. Oder aber ganz einfach kein Tolkienfan ;) Die "normalen" Kinogänger werden hiermit nichts anfangen können - aber da ja fast alle Filmfans mittlerweile auch zu Fans der Bücher geworden sind, sollte das alles kein Problem sein. Der Erfolg ist vorprogrammiert - aber zu welchem Preis... |
| Marcel Bülles |
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| [Cirdans Bericht] |
| [Bericht vom Towächer, Sphärentor.com] |
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