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Börsenflaute meets Herr der Ringe. 11.9.
Schon lange im Gespräch, bis jetzt von vielen noch als Gerücht abgetan. Der Münchener Kinoverleih Kinowelt, verantwortlich für die Vermarktung des ersten Teils der Filmtrilogie "Der Herr der Ringe" gerät ins Schwimmen - das nächste Opfer der 'new economy'?

Kinowelts Erfolgsgeschichte scheint jetzt ein jähes Ende zu nehmen. Noch vor kurzer Zeit bot die Münchener AG bei den Bundesligalizenzen im Milliardenbereich mit, nur um sich durch Fehlkäufe bei TV- und Filmlizenzen, rechtliche Streitereien um ihre Zeitschrift (Beilage einer Film DVD, die unterbunden wurde) und mehr als merkwürdiges wirtschaftliches Gesamtgebahren ins 'Off' zu schießen
Seit einigen Monaten brodelt nun die Gerüchteküche und bringt immer wieder neue Stilblüten des Mismanagements zutage. Das sollte eigentlich niemanden interessieren, außer vielleicht Liebhaber von Programmkinos, die zur Kinokettenabteilung der Kinowelt gehören- in Köln sind allein drei sehr bekannte und beliebte Kinos von der Schließung bedroht
'Herr der Ringe' Filmfans allerdings sollten schon seit längerer Zeit Schweißausbrüche bekommen. Die Meldung, daß der Film freigegeben und an allen Kinos gezeigt werden sollte (unüblich, da sonst eine Konzernbindung besteht), war ja noch als positiv zu vermelden: keine langen Schlangen wie beim unmöglichen Marketingtrick von George Lucas bei Episode 1
Aber was nun per dpa und anderen Informationsquellen zu hören war, bringt doch einiges durcheinander. Eine Insolvenz der Kinowelt AG scheint realistisch, für viele sogar wahrscheinlich. Und was dann? Gute Frage, nächste Frage.
'Der Herr der Ringe' ist zu groß, zu heftig be- und umworben, als daß er auf der Straße liegenbleiben würde. Es gibt genügend andere Firmen in Deutschland, die auch europaweit den Vertrieb eines solchen vermeintlichen Blockbusters übernehmen könnten. Ob dies in der kurzen Zeit bis zum Fimstart reibungs verlaufen würde, ist schwer zu beurteilen, aber irgendwie würde es funktionieren.
Dennoch: wie alles im Leben scheint auch die generalstabsmäßige Planung einer Filmproduktion von Unwägbarkeiten begleitet, die niemand kontrollieren kann. Der Zusammenbruch der 'new economy' zieht Kreise, die auch einen Film wie den "Herr der Ringe" beeinflußen können. Es war klar, daß Kinowelt um die Teile 2 und 3 noch kämpfen mußte: das ist jetzt unmöglich. Wer wird also die nächsten Teile betreuen? Was geschieht mit der Kinowelt nahen M&R Merchandising, die sich um das Merchandising europaweit kümmert? Und was passiert, wenn alle Stricke reißen? Laut einer Meldung der dpa vom September sind die Banken sehr skeptisch, daß noch etwas passieren wird, das erste Sanierungskonzept wurde rundweg abgelehnt.
Betrachtet man den Schlingerkurs, den New Line Cinema in den USA mit den dortigen Kinoketten fährt, muß man auf sehr lustige und äußerst spannende Wochen bis zum Filmstart gespannt sein. 'Der Herr der Ringe' war eben schon immer etwas besonderes ;)
Ein Kommentar von Marcel Bülles

[Meldung der dpa bei Web.de, 10.9.2001]
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