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Moderne durch die Hintertür. 17.8.
Das Netzmagazin Telepolis von Heise geht in einem guten Überblicksartikel auf die Faszination Mittelerdes ein. Wie und ob man Tolkien eine "Message", eine Absicht mit dem "Herr der Ringe" und seiner Welt unterstellt? Einfach mal reinlesen...

Hass oder Begeisterung, wesentlich mehr Reaktionen auf John Ronald Reuel Tolkiens Buch "Der Herr der Ringe" gibt es eigentlich nicht. Das stellte schon der Schriftsteller Wystan Hugh Auden 1956 in seiner Kritik von Tolkiens Werk für die "New York Times" fest. Tolkien selbst hat mit einem Anflug von Ironie das Thema in vier Verszeilen abgehandelt: "The Lord of the Rings / is one of those things / if you like [it] you do / if you don't, then you boo".
Damit ist es natürlich nicht getan. Die Begeisterten können gewiss gelassen darauf verweisen, dass Tolkien von sehr vielen Menschen in sehr vielen Ländern gelesen wurde, gelesen wird - und daher Weltliteratur ist. Die Angewiderten können weiterhin von schlechter Literatur sprechen, die uns nichts über die Menschen sagt, sondern vielmehr durch Stereotype jedes Sprechen über sie vermeidet. Es nützt aber wenig, Tolkiens Werk in diese Dichotomie von "High-Brow" und "Low-Brow" zu zwängen. Die spannendere Frage ist vielleicht eine gar nicht so neue: Warum lesen so viele Menschen Tolkien?
Im Januar 1917 begann der an Grabenfiber leidende Soldat Tolkien während eines Genesungsurlaubs von der Front, in einem Notizbüchlein einen Ort namens Mittelerde zu skizzieren. Tolkien, damals 25 Jahre alt und Student am Exeter College in Oxford, wollte keineswegs einen Roman schreiben, sondern Geschichte. Die mythische, längst vergessene Geschichte einer Welt, die er Mittelerde nannte. "Das Buch der verschollenen Geschichten" schrieb Tolkien auf die Vorderseite seines Notizbuches. Jahrzehnte später ist diese Sammlung als "Das Silmarillion" erschienen. Erst der Erfolg des "Herrn der Ringe" weckte Interesse an Tolkiens Weltschöpfung. Aber eben diese Schöpfung hat erst den Erfolg von "Der Herr der Ringe" ermöglicht.
J.R.R. Tolkien war die längste Zeit seiner akademischen Laufbahn Professor für englische Sprache und Literatur in Oxford, und zwar mit dem Spezialgebiet Entwicklung der englischen Sprache zwischen 700 und 1500. Tolkiens Interesse an Mittelerde war zunächst eher ein sprachwissenschaftliches als ein literarisches. 1955 schrieb er in einem Brief an seinen amerikanischen Verleger: "Das Erfinden von Sprachen ist das Fundament. Die 'Geschichten' entstanden eher, um eine Welt für die Sprachen zu liefern als umgekehrt. Bei mir kommt zuerst ein Name und dann folgt die Geschichte."
(...)
Von Konrad Lischka

[Telepolis]
[Weiterlesen bei Telepolis, 17.8.2001]
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