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| "Da krieg ich Zustände" - Elke Heidenreich gegen das beliebteste Buch der Deutschen? |
| Wer Tolkien nicht nur als Autoren schätzt und seine Bücher mag, sondern auch noch die wissenschaftliche Auseinandersetzung sucht, könnte leicht verzweifeln. Seit mittlerweile 50 Jahren scheint die einflußreiche Rezension Edmund Wilsons nahezu kritiklos übernommen und wiederholt zu werden. Nun hat Elke Heidenreich als sicherlich bekannteste Person zum Thema Literatur in Deutschland zugesschlagen: auch sie kann Fantasy nicht ausstehen. |
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| "Ich hasse es, wenn Menschen mit Pelzohren Wunderdinge tun." |
| Seit Marcel Reich-Ranicki gab es nichts und niemanden in Deutschland, der in den Medien die Literatur hochgehalten hat. Elke Heidenreich ist angetreten, um ihre Fahne wieder zu hissen und dies hat sie mit beachtlichem Erfolg und Einfluß getan. So weit, so gut. Die Aktion "Das große Lesen" ist ein weiterer konsequenter Schritt des ZDF, dieses Thema wieder zur Chefsache zu machen. |  Quelle: ZDF.de |
| Doch wer bejubelt wird, der muß auch viele Interviews geben. Wird oft nach der eigenen Meinung gefragt - und verzettelt sich in Aussagen, die nicht wirklich der Sache dienlich sind. Der viel diskutierte Satz zum Thema 'Analphabeten sind ja dumm und können sich daher mit Hörbüchern helfen' ist zwar gänzlich überbewertet und von falscher Empörung geprägt, aber ein Stolperstein unter vielen. |
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 Das große Lesen - die Aktion des ZDF. Quelle: ZDF.de |
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| ZDFonline: Welche Bücher oder Art von Büchern, mögen sie gar nicht? |
| Flapsige Frauenromane, Fantasy, Krimis Eine Antwort, die einen Schatten auf das Anliegen Heidenreichs wirft, Literatur den Menschen nahebringen zu wollen. Hier werden ganze Genres ausgegrenzt. Die 'üblichen Verdächtigen', könnte man an dieser Stelle konstatieren, denn das ist die Art triviale, banale, kindische Literatur, die man nicht lesen soll. Daß sowohl Krimis als auch Fantasy einen riesigen Anteil am deutschen Buchmarkt einnehmen, wird geflissentlich ignoriert. Doch Heidenreich reiht sich hier nahtlos in die Riege der 'Intellektuellen' ein, die beurteilen, ohne sich ein wirkliches Urteil gebildet zu haben. Es ist ein Prinzip, wie es W.H. Auden schon in seiner Rezension vom 22. Januar 1956 beschrieb: |
| (...) I can only suppose that some people object to Heroic Quests and Imaginary Worlds on principle; such, they feel, cannot be anything but light "escapist" reading. That a man like Mr. Tolkien, the English philologist who teaches at Oxford, should lavish such incredible pains upon a genre which is, for them, trifling by definition, is, therefore, very shocking (...) (New York Times) |
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| "Certain people have a lifelong appetite for juvenile trash." |
| Am 14. April 1956 veröffentlichte Edmund Wilson seine Rezension, die bis heute die Blaupause jeglicher Tolkien-Kritik ist: |
| "Oo, THOSE AWFUL ORCS ! (...) Now, how is it that these long-winded volumes of what looks to this reviewer like balderdash have elicited such tributes as those above? The answer is, I believe, that certain people – especially, perhaps, in Britain – have a lifelong appetite for juvenile trash. They would not accept adult trash, but, confronted with the pre-teen-age article, they revert to the mental phase which delighted in Elsie Dinsmore and Little Lord Fauntleroy and which seems to have made of Billy Bunter, in England, almost a national figure. You can see it in the tone they fall into when they talk about Tolkien in print: they bubble, they squeal, they coo; they go on about Malory and Spenser - both of whom have a charm and a distinction that Tolkien has never touched" (...) (The Nation.) |
| Erschreckend ist nur, daß es immer noch in Deutschland ein hierarchisches Denken zum Thema "guter" und "schlechter" Literatur gibt. Und daß dieser Kanon von einigen wenigen bestimmt und permanent reproduziert wird. So reiht sich Elke Heidenreich in diese Liste wichtiger Literaten Deutschlands ein und erfüllt ihre eigentliche Aufgabe - nicht alle Literatur den Menschen nahezubringen, sondern ganze Genres zu diskriminieren und den Menschen vorzuschreiben, was sie zu lesen haben. Schade eigentlich, denn erneut wird eine wirklich große Chance verpaßt. Literatur bleibt das Aufgabengebiet einiger weniger und die große Masse darf sich danach richten. |
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| [RP-Online] Elke Heidenreich mag keine "Pelzohren"-Romane |
| [ZDF.de] Zehn Fragen an Elke Heidenreich |
| [Yahoo.de] Elke Heidenreich kriegt bei Fantasy-Romanen «Zustände» |
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