| Alles zu Tolkien > News > 2004 | Index News |
| Tolkienfans aus Europa trafen sich in Italien |
| Wer sich in den letzten Jahren mit Tolkien und der Trilogie auseinandergesetzt hat, der weiß, was für wundervolle Nebeneffekte das Phänomen hatte. Viele Treffen und Stammtische sind entstanden, die sehr unterschiedliche Menschen zusammengebracht haben. Und das nicht nur im deutschsprachigen Raum, sondern auch weit darüber hinaus. Der Vorsitzende der DTG fand sich dann auch am 21. Mai 2004 in einem Flieger gen Süden wieder - zur italienischen Schwestergesellschaft. |
|
| VIAGGIO ATTRAVERSO LA TERRA DI MEZZO |
| Bereits im letzten Jahr hatte die Italienische Gesellschaft zu ihrem Herbstfest die Vorsitzenden der deutschen und französischen Gesellschaften zu sich eingeladen neben einigen Mitgliedern der Tolkien Society. War dieser Event im norditalienischen San Daniele del Friuli allerdings ein Volksfest mit 8.000-10.000 Besuchern, so fanden sich diesmal in einem kleineren Rahmen ca. 200 Mitglieder der STI (Societa Tolkieniana Italiana) im malerischen Erice auf Sizilien ein. |
|
 Blick vom Flughafen Palermo aufs Meer. Keine 100 Meter... |
|
| Mit Alitalia ist nicht gut ... Kirschen essen |
| Eine kurze Zugreise brachte mich zum Flughafen Düsseldorf, ab dem ich meine Reise nach Sizilien antreten durfte. Die Reise stand unter einem guten Stern, denn wer schon einmal vom "Sky Train" gehört hat (einer Art Schwebebahn, die Bahnhof und Flughafen verbindet), der weiß, daß die öfter mal stehen bleibt. Glück gehabt, nichts passiert. Also frohen Mutes weiter. Als ich dann mit einem Bus über das Flugfeld eierte, dachte ich mir auch noch nichts, aber als die Fahrt seehr lange dauerte und vor einer Smart-großen Maschine endete, wurde mir schon mulmig. Egal, auf nach Milano, Wechsel das Flugzeug und weiter geht's... |
|
 |  |
| Serie di Curva. Senkrecht von oben | A room with a view. Ausblick vom Hotel |
|
|
| Irgendwo gab es doch einen Haken an der Sache... |
| In Palermo angekommen und aus dem Flugzeug gestiegen (Palermo, 17 Uhr. Die Sonne scheint. Die Frisur hält) spricht mich ein junger Mann an, dessen Aussehen mit wirrem Bart und wuseligem Haar mich erst einmal verwirrt. Doch am französischen Akzent erkenne ich meinen Kollegen und Freund Mathias Daval, der im selben Flugzeug saß, ohne daß wir uns gesehen haben. Gemeinschaftlich werden wir dann am Ausgang abgefangen und mit unverständlichen italienischen Höflichkeiten in einen bereitstehenden Bus gebracht, der uns nach Erice bringt. Mit an Bord die beiden Bands des Wochenendes, Myrddin und Lingalad, die uns auf der Fahrt mit bester keltischer Livemusik versorgen. Alles scheint problemlos zu verlaufen. |
|
 |  |
| Der Beweis: Hoch oben liegt Erice | Ein schönes Fleckchen Erde |
|
|
| Erice. 19 Uhr. Der Wind bläst. Die Frisur hält | 
|
Nach gerade mal 20 Minuten auf der Autobahn, die den Norden mit dem Westen Siziliens verbindet, biegt der Bus ab und bewegt sich schnurstracks auf einen Hügel zu, der im Nordwesten der Insel steht. Ich dachte ja eigentlich, wie schön - ich könnte endlich mal wieder ins Meer springen. Aber daraus wurde nichts. Denn der volle Name des Touristenfleckchens ist MONTE Erice und dieser Hügel liegt mehrere hundert Meter über dem Meer. In unglaublichen Serpentinen bewegten wir uns hinauf, um oben mit ca. 15 Grad Unterschied, 5 Windstärken mehr und später am Abend uns den Hintern am Busparkplatz abzufrieren. Doch zum Glück holte man uns schnell ab und brachte uns in das Hotel.
Auf dem Weg dorthin fuhren wir über jahrhundertealtes Kopfsteinpflaster und an Gärten vorbei, die mich an Valinor erinnerten. So langsam kam trotz des etwas kühlen Abends tolkiensche Atmosphäre auf... |
|
| Diese Südländer.. |
Glücklich im Hotel angekommen (wir hatten uns schon daran gewöhnt, daß niemand Englisch, Französisch oder Deutsch sprach und wildes Gestikulieren ein guter Ersatz war), trafen wir auf einige bekannte Gesichter: David Baetens, unseren fellow chairman aus Belgien und Pat und Trevor Reynolds aus England. Nach der Dusche ein leckeres Buffet mit einigen typisch sizilianischen Süßigkeiten, einem Espresso und schon war man mit den Strapazen der Reise versöhnt. Doch dann brach das Chaos aus.
Eigentlich sollten wir zur Begrüßung am Abend noch an einem Vortrag teilnehmen. Doch niemand wußte wirklich wo dieser stattfand und so irrten wir eine gute halbe Stunde durch eine geisterstadtähnliche Welt, in der der Wind bei Stärke 11 angelangt und es dunkel geworden war. Permanentes telefonieren, lebhaftige Diskussionen - aber no capiesce bei allen. So hatten wir allerdings wenigstens einen hervorragende Blick auf das anschließende Feuerwerk und konnten dies bestens genießen. Nichtalalkoholische Getränke bekamen wir nachts am einzigen Laden, der noch auf hatte: die Bar Edelweiß. Gibt's die eigentlich überall?
|
|
 |  | | Sieht gar nicht so spektakulär aus | Ein Edelweiß... |
|
|
| Morgens erstmal auffer Piazza Grappa und Espresso |
| David hatte sich bestens akklimatisiert und schon eine Menge neue Freunde gefunden (Achtung: er spricht kein Italienisch) und hat uns morgens erstmal auf die Piazza Umberto 1o gezerrt und zu Grappa und Espresso eingeladen. Mittlerweile schien auch die Sonne (gegen 12 Uhr), die ersten Busladungen Touris kamen an und die Leuten öffneten ihre Nippes- und Tinneffgeschäfte. Wir vermuteten irgendwann, daß in der Woche niemand in Erice lebt und aus der nahegelegenen, größeren Stadt Trapani nur für das Wochenende einige Leute für das Geschäft mit den Touristen vorbeikommen. Allerdings hat Erice auch einige schöne Flecken zu bieten, wie die nachfolgenden Fotos hoffenlich belegen können. |
|

Da hat PJ also Bruchtal her... |
|
| Alte Burg, Kloster, Gärten, Sonnenschein, Ausblick - was will man mehr... |
| Die Stadt hat aufgrund ihrer Lage im Nordwesten Siziliens einst eine bedeutende Rolle gespielt. Eine mächtige Burgruine und ein Kloster erheben sich daher auch über diesen Bereich der Insel, gepflegte Gärten und natürlich das fantastische, wenn auch windige Wetter tragen ihr Scherflein bei, um Touristen den Besuch schmackhaft zu machen. Wir hatten bis zum Nachmittag, an dem wir ein an einem internationalen Panel teilnehmen sollten, Zeit und haben diese auch ein wenig genutzt... |
|
 |  | | Eine Burg, eine Burg! | Noch' ne Burg? |
|
|
| "Jetzt müssen wir aber auch mal was für's Geld tun" |
| Am Samstag Nachmittag gab es dann von mir, Mathias und David Beiträge im Rahmen des Seminars "Tolkien in Europa". Außerdem sprachen noch der italiensche Vorsitzende, Paolo Peron und der Chefredakteur der Vereinszeitschrift Minas Tirith. Leider verstanden wir hauptsächlich "un opera fundamentalo catolico" und mußten uns schwer zurückhalten. Dieses Thema allerdings provokativ in Italien anzusprechen hat soviel Aussicht auf Erfolgschancen wie eine Audienz beim Papst in Bikinis. Wir beschränkten uns daher darauf, unsere jeweiligen Gesellschaften vorzustellen und Fragen rund um die Mitglieder, die Effekte der Filmtrilogie usw. zu beantworten. Eine kurzweilige und unterhaltsame Sache. Gleichzeitig und um dieses Programm herum fanden in der Stadt Umzüge Gewandeter, Schwertkämpfe und andere Programmpunkte statt. |
|
 Und David muß sich wieder prügeln. Die Piazza Umberto 1o wurde zur Arena
|
|
| Ein wirklich gelungener Abend | 
 |
Zu unserer großen Freude wurden wir abends auch noch zum großen Essen im kleinen Kreis eingeladen und feierten bei fantastischer musikalischer Untermalung dank Myrrdin einen schönen Abschluß dieses Wochenendes. Warum der Italiener bei mir um die Ecke allerdings so schlecht kocht (im Vergleich) ist mir ein Rätsel. Nach meiner Rückkehr konnte ich auch zwei Wochen lang keinen Kaffee mehr trinken, dem im Vergleich zu einem frischen Espresso trinken wir in Deutschland ja eher Brackwasser. Die prodotto tippici siciliani (oder so ähnlich) waren dann auch einfach unglaublich und wer leichte, eher süßliche Rotweine schätzt, sollte mal einen Marsala aus Sizilien probieren. Leider sind die Bilder von diesem Abend mit meiner Digitalkamera nichts geworden.
Nur ein Bild in der Dunkelheit (und bei Tageslicht) möchte ich Euch nicht vorenthalten, denn eine neonblau beleuchtete Madonna findet man eher selten in seiner Heimatstadt :D
|
|
| Ein wunderbares Wochenende mit neuen Freuden |
Leider ging dann auch der letzte Tag bald zuende, denn der Flug mußte möglichst früh angetreten werden, um noch Sonntag Abend zuhause sein zu können. Die Abfahrt war dann genauso schön südländisch chaotisch wie die Anfahrt. Ich saß in einem Auto mit einem italienischen DJ und Tolkienfan, dessen kleine rote Schleuder VOLLgepackt war. Das heißt dann, ich bin zwischen Airbag, einem Koffer, eine Bodhran, einem Gitarrenkoffer auf dem Beifahrersitz so eingeklemmt, daß ich nur schräg zum Fenster sitzen (gequetscht sein) kann.
Doch die Tortur muß ich nur bis zum Busparkplatz überstehen und kann mich dort von den Organisatoren verabschieden. Endlich komme ich auch dazu ein Foto mit dem italienischen Synchronsprecher von Elijah Wood zu machen, dem im übrigen nachgesagt wird, er sähe aus wie Elijah. Hm... Wie auch immer - an einem Wochenende konnten sich Mitglieder von fünf Gesellschaften nicht nur kennenlernen, sondern auch über das Thema reden (radebrechen), das viele Menschen zusammenbringt: Tolkien und seine faszinierende Welt Mittelerde. Wenn Ihr mal nach Erice kommt, besucht auch Segesta - das habe ich leider nicht mehr geschafft! |
|
| Dieser Reisebericht stammt von Marcel Bülles |
|
 Olwe meets Frodo - oder so... :) |
|
| [Tolkien.it] Das Programm der Veranstaltung auf der Internetseite der Italienischen Tolkien Gesellschaft |
| [Programm der Veranstaltung als PDF, Seite 1] |
| [Programm der Veranstaltung als PDF, Seite 2] |