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Ohne Vergangenheit keine Zukunft. Der Herr der Ringe als moderne Gesellschaftskritik. Vortrag am 20.2. in Heidelberg
Marcel Bülles, Vorsitzender der Deutschen Tolkien Gesellschaft, hält am 20. Februar in Heidelberg einen Vortrag mit dem Titel "Ohne Vergangenheit keine Zukunft. Der Herr der Ringe als moderne Gesellschaftskritik." In wenigen Sätzen zeigt Bülles auf, daß entgegen der Meinung vieler Kritiker der Herr der Ringe keine Glorifizierung der Vergangenheit ist, sondern vielmehr die grundlegendsten Probleme moderner Kultur und Gesellschaft in Frage stellt.

Was ist die Vergangenheit ohne Zukunft?
Der Herr der Ringe hat nicht nur in den letzten Jahren viele kritische Stimmen über sich ergehen lassen müssen. Doch gerade die Filmtrilogie hat das Phänomen Mittelerde zu einem allseits bekannten Begriff und vor allem Synonym für gesamtgesellschaftliche Entwicklungen werden lassen. Für einige Kritiker ist er konservativ, rückwärts gerichtet, geradezu reaktonär und damit eine Bedrohung für unsere freiheitlich-demokratische Gesellschaft.
Marcel Bülles zeigt mit einfachen Mitteln, daß der Herr der Ringe kein Symbol des Eskapismus oder eines romantischen Vergangenheitsgefühls ist - im Gegenteil, er ist äußerst modern, Die meisten Kritiker haben eine der wesentlichsten, gesamtgesellschaftlichen Entwicklungen nicht verstanden. Das menschliche Gedächtnis, die Erinnerung an vergangene Ereignisse, die auch als das kollektive Gedächtnis einer Nation, eines Volkes oder aber auch einer entsprechen Teilgruppe bezeichnet wird, hat sich in den letzten 50 Jahren stark verändert. Waren früher die Strukturen für das Verstehen von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in Tradtionen, vielfältigem Symbolismus und auch der besonderen Funktion der Familie als Keimzelle gesellschaftlichen Agierens und Reagierens eingegliedert, so hat sich die sogenannte Moderne aufgrund unterschiedlichster Tendenzen und nicht zuletzt der technologischen Revolution in individualistische Strömungen aufgegliedert, die die "Moderne" aufs Äußerste belasten und nach neuen Strategien der Erinnerung und damit Kreation von Realität verlangen.
Der Herr der Ringe ist ein Phänomen zu Beginn des 21. Jahrhunderts, das Ausdruck schnellster und schwerwiegendster Veränderungen in der deutschen, aber auch anderen Gesellschaften ist. Mit seinen in Form und Inhalt vermittelten Grundstrukturen bietet dieses Meisterwerk der Fantasy einen Bezugspunkt für viele Menschen, die der Tatsache ins Auge sehen können und wollen, daß unsere Gesellschaft schon lange nicht mehr dieselbe wie die der Nachkriegsgeneration ist. Anstatt in blinder, naturwissenschaftlich motivierter Gläubigkeit in technologischen Fortschritt und einer den Menschen zum hörigen und willenlosen Arbeitstier degradierenden Weltsicht zu versinken, bietet der Herr der Ringe als literarisches Werk eine kritische, Probleme lösende und den Mißbrauch von Macht anzweifelnde Konzeption von Menschlichkeit, die in dieser Form zu Beginn des 21. Jahrhunderts verloren zu sein scheint. Schien das 19. Jahrhundert noch von der Dichotomie Mensch-Maschine und das 20. Jahrhundert von Kampf des Menschen gegen sich selbst dominiert zu sein, gilt das 21. Jahrhundert mit seinem Kampf Mensch gegen Macht als größte Herausforderung in der Geschichte unseres Planeten.

Dieser Vortrag wird am Life Science Lab Heidelberg in Kooperation mit der Technologiepark Heidelberg GmbH am Deutschen Krebsforschungszentrum Heidelberg (DKFZ) aus Mitteln der HERMANN VON HELMHOLTZ-GEMEINSCHAFT DEUTSCHER FORSCHUNGSZENTREN (HGF) gefördert.

[http://life-science-lab.xmachina.de] Offizielle Seite
 

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