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| Kommentar: Das Jahr 1 nach der Filmtrilogie |
| Ein neues Jahr hat begonnen. Der eine oder andere gute Vorsatz mag dazu gehören und für Tolkienfans weltweit ist heute der Tag, an dem sie in Erinnerung an den Mann, der sie alle zusammengebracht hat, ein Glas erheben. Und viele werden sich darüber unterhalten, was sich jetzt ändern wird: die Filmtrilogie ist vorbei. |
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| "Ich kehre zurück zu euch. Am Wendepunkt der Gezeiten." |
| Als Tolkien nach langen Jahren des Schreibens und vielen Jahren der Streiterei mit seinem Verlag sein Buch in Schaufenstern sehen lag, hat er sich wahrscheinlich nicht gedacht, daß es der erfolgreichste Roman der Menschheitsgeschichte werden würde. Mit weit über 100 Millionen verkauften Exemplaren ist Der Herr der Ringe ein Ausnahmewerk, dessen Erfolg sich schwer erklären läßt. Nicht zuletzt die Tatsache, daß das Buch seit 50 Jahren verkauft und weiter verkauft werden wird, ist eine Ausnahme. |
| Leicht zu erklären ist daher der Erfolg der Filmtrilogie, die Peter Jackson so kongenial inszenierte und mit dem richtigen Händchen und einem Quentchen Glück in die Kinos brachte. Es ist müßig darüber zu diskutieren, inwiefern die Marketingmaschinerie von New Line Cinema ihren Beitrag geleistet hat. Mal funktioniert so etwas, mal nicht. Ein Erfolgsrezept gibt es nicht für DEN Blockbuster, schon gar nicht in Hollywood. |
| Die Grundlage des Erfolges liegt zum großen Teil bei den Fans. Ich spreche hier von einer großen, weltweiten Gruppe von Tolkienleserinnen und -lesern, die das Buch kennen und schätzen und sich zu einem eher geringen Teil in einer Gesellschaft wie der unseren organisieren. Bei den meisten stand das Buch im Schrank, war Jugendliteratur, die verschlungen und geliebt wurde, aber dann aufgrund des Lebenswandels hin zum Erwachsenen in Vergessenheit geriet. Dieses Interesse konnte die Filmtrilogie natürlich wecken und für sich verwenden. |
| Das Internet hat sein Scherflein dazu beigetragen, daß sich Menschen aus aller Welt in virtuellen Räumen trafen und über den Film und Tolkien fachsimpelten. Die daraus resultierenden Treffen waren dann das gefundene Fressen, das die Presse bildgewaltig (Anm. des Autors: Mein Vorschlag für das Unwort 2003!) und auflagenstark umsetzen konnte. Die Tolkien-Jünger waren dann auch die, die in die Schlagzeilen kamen und natürlich Bilder aus Neuseeland. |
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| "Wir müssen uns nur entscheiden, was wir mit der Zeit anfangen, die uns gegeben ist." |
| Die Gruppe der Tolkienfans läßt sich schlecht einteilen. Zu sehr sind Menschen mit den unterschiedlichsten Hintergründen und persönlichen Interessen in und um Mittelerde herum unterwegs. Doch eine Einteilung wird es ab jetzt sicherlich geben. Wer vor der Filmtrilogie Tolkien gelesen hat (und nicht zuletzt vor der katastrophalen Krege-Übersetzung), der wird sich niemals dem Vorwurf stellen müssen, nur ein Filmfan zu sein. Ein Legolas-Freak, ein Viggo-Liebhaber, ein Zwergenweitwurf-Gutfinder ;) |
| Diese Gruppe, die sich um die großen Filmseiten scharte, wird nun mit großer Wahrscheinlichkeit verschwinden. Was können Internetseiten schon bieten, die bis jetzt ihre News aus Orlando Blooms Tagebuch zusammenstricken und veröffentlichen mußten? Der Hype gibt und der Hype nimmt. Die einzige Hoffnung ist natürlich die Verfilmung des Hobbit, die irgendwann kommen wird. Bis dahin muß man irgendwie überleben. |
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| Und was nun? |
| Die weltweite Tolkienfangemeinde hat einen immensen Sprung nach vorne gemacht, der ohne die Filmtrilogie in dieser Form nicht stattgefunden hätte. Das Internet leistete ohnehin seinen Beitrag, aber ohne das große Interesse zum Thema Jackson & Co. wäre dies nicht so schnell passiert. Sicherlich der positivste Nebeneffekt. |
| Die literarischen Gesellschaften blieben hiervon fast gänzlich unbelastet. Sicher, die meisten konnten steigende Mitgliederzahlen verkünden und viele neue Vereine wurden im Zuge des Erfolges der Filmtrilogie gegründet. Doch ihre Arbeit steht und fällt mit den Büchern und mit dem Autor, nicht mit einem Film. Sie interessieren sich nicht für den Erfolg oder das dazugehörige Medienspektakel, außer vielleicht in wissenschaftlicher Hinsicht, wenn es Erklärungsmodelle für diesen Hype geht. |
| Ein Bekannter meinte letztens zu mir, es "gäbe keinen Weg zurück ins Paradies". Er meinte damit, daß die Filmtrilogie eine Wasserscheide ist, die dem vormaligen Interesse nur für die Bücher nun eine zumindest kurzzeitig genauso große, wenn nicht größere Aufmerksamkeit für die Filme zur Seite stellt. Und dieses Interesse ist oberflächlich bedingt durch das Medium. Der Film ist auf Stars und Effekte ausgelegt, sonst kann er sich nicht verkaufen. Und so sind auch diejenigen, die sich damit über alle Maße befassen, genauso leicht zu begeistern. Für das nächste Projekt mit charismatischen Schauspielern, guten Special Effects und einer netten Geschichte. Im Filmbusiness ist die Maxime "The show must go on". Für einen Tolkienfan gilt das wohl nicht. Eher "Back to the roots". |
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To absent friends, lost loves and the man who brought us all together.
The Professor |
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| Ein Kommentar von Marcel Bülles |
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