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Kreges Anliegen ist es nach eigener Aussage kein Versuch eine gebrauchsfertige Grammatik zu präsentieren, vielmehr geht es ihm um eine umfassende Wortliste, doch selbst dieser Intention wird sein Schaffen nicht gerecht was im Detail später erläutert werden soll. Letztlich wagt Krege den schwierigen Schritt tatsächlich doch und nimmt Bezug auf die Grammatik des Quenya und Sindarin, und somit müssen auch diese Kapitel berücksichtigt werden da der unbedarfte Leser denken muss es handle sich schlicht um Fakten. (Es werden im folgenden häufig Abkürzungen für die Namen der Sprachen auftauchen, diese sind Q - Quenya, S - Sindarin, T - Telerin, N - Noldorin (der Etymologies), Ilk. - Ilkorin, CE - Common Eldarin.)
Grammatik
Nun einige wenige Beispiele aus der Grammatik des Sindarin, es sei versichert dass es noch mehr zu berichten gäbe:
Krege versäumt es gänzlich das N der ‚Etymologies' (in ‚The History of Middle-earth 5, The Lost Road') zu späterem S zu aktualisieren. Dies ist verhältnismäßig gut attestiert und stellt in vielen Fällen keinerlei Probleme dar, sodass ein Wort wie dân, was Krege als ‚Rücken' angibt seinen Plural kaum mehr als dein formen kann, sondern dain sein muss. Ferner sei erwähnt dass dan (eine Form dân finden wir nirgends) keineswegs den Körperteil ‚Rücken' bezeichnet sondern ‚zurück, re-‚ bedeutet; dies heißt im Englischen beides ‚back' und somit ist der Ursprung des Fehlers klar.
Ein ähnlicher Fall bei gwaun (Gans) dessen Plural Krege (1:1 aus ‚Etymologies') guin angibt wo wir doch aus dem ‚Silmarillion' wissen dass der Plural von naug gleich noeg ist, nicht **nuig. Somit müssten wir aller Wahrscheinlichkeit nach eher gwoen finden.
Als Endung für den Genitiv-Plural gibt Krege -on an und bezieht sich auf Caras Galadhon; dies ist unhaltbar. Zum einen ist Caras Galaðon kein reines S sondern die Sprache von Lórien die stark von Avarin- und Nandorin-Sprachen des zugewanderten Waldvolkes beeinflusst ist; zum anderen könnten wir hier ebenso etwas wie eine 'Vergrößerung' finden, siehe aear ([die] See) neben aearon (großer Ozean), arð (Reich) neben arðon (großes Reich, Welt),...
"Der Akkusativ ist gleichlautend mit dem Nominativ; über den Dativ und andere etwa vorhandene Kasus ist nichts bekannt" schreibt Krege, doch auch dies stimmt nur bedingt, denn das Satzobjekt wird im S durch Lenition, weiche Konsonanten-Mutierung, angegeben. Ebenfalls unterschlagen wird Lenition im Falle zweier Partizipien die Krege als diriel und díriel aufführt, wo doch Tolkien in einem Brief mehr als deutlich erwähnt dass es sich um lenierte Formen von tiriel und tíriel handelt (siehe auch tiro, tirith,...). Doch verwundert es kaum dass dies keine Erwähnung findet, lässt Krege die Mutierungen doch ohne jedwede Erwähnung, ein Unding was nicht passieren darf wenn man S erklären möchte.
Bei den Personalpronomen lesen wir "du: le, lye (ehrerbietige Anrede, aus dem Quenya entlehnt)" eine weitere unmöglich vertretbare Behauptung. Le selbst ist bereits dem Q entlehnt (reines S *len?); lye hat es im S nie gegeben und könnte es nicht einmal da die Phonologie des S dies von vornherein verbietet, da konsonantisches i lediglich am Wortanfang erhalten blieb (siehe S iond neben Q yondo) während es an allen anderen Positionen zu reinem i wurde oder gänzlich verschwand (sieht man Q tyelpe neben S celeb und T telpe liegt die Vermutung nahe dass dies bereits zu Zeiten der großen Wanderung nach Westen passierte, denn S und T stammen von der selben Untergruppe der urelbischen Sprache, dem ‚Common Telerin', und bei beiden ging y verloren).
"Zur Vergangenheit sind nur Beispiele für die 1. Person bekannt: teithant, ich schrieb; echant, ich schuf; gwedhant, ich band" finden wir unter Verben. All diese Formen sind 3. Person. Sogar im (umstrittenen) Fall von im Narvi hain echant (Ich, Narvi, baute sie) lässt sich als höchstwahrscheinliche Erklärung finden dass die Erwähnung des Namens die 3. Person nach sich zieht. Celebrimbor o Eregion teithant (Celebrimbor aus Hulsten schrieb) ist eindeutig und in ‚Etymologies' finden wir nicht selten Präteritum-Formen die ins selbe Schema passen, wissen wir doch mit allergrößter Wahrscheinlichkeit dass jeweils von dieser 3. Person als Grundlage die andere konjugierten Formen abstammen. (siehe auch Wortlisten unten).
Kreges Quenya-Grammatik stellt uns vor keine geringeren Probleme: Vorneweg: Die Quenya-Grammatik des Wörterbuchs ist fast immer unvollständig und oft falsch, es können daher hier gar nicht alle Kritikpunkte behandelt werden. Das ist jedoch kaum überraschend - Krege bezieht laut eigener Aussage den größten Teil seiner Kenntnisse aus J. Allen u.a., 'An Introduction to Elvish' von 1978. Dieses Werk, so gut es 1978 gewesen sein mag, ist durch die Publikation von einigem Material seitdem schlicht überholt.
Die Angaben zu Substantiven sind häufig im Detail falsch und widersprüchlich. Zwei Beispiele sollen das erläutern: Krege gibt als Beispiel für den Instrumental für Nomen, die auf einen Konsonanten enden, elennen zu elen (Stern) und die dazugehörige Endung als -nnen. Die Form elennen ist richtig, aber die Endung ist falsch, sie ist einfach -nen; an elen angehängt findet man die (erlaubte) Konsonantengruppe -nn- was zur angegebenen Form führt. Wie irreführend die Angabe einer Endung -nnen ist, sieht man erst, wenn man versucht, sie an ein anderes Substantiv, das auf einen Konsonanten endet, anzuhängen, z.B. nat (Ding). Die Form natnnen kann kein Quenya sein, ebenso wenig natnen, weil Quenya weder die Konsonantengruppen -tnn- noch -tn- haben kann. Tatsächlich muss vermutlich ein Bindevokal (hier wohl -e-) eingefügt werden, um die zwar nicht belegte, aber wahrscheinlichste Form natenen zu erhalten. Ein zweites Beispiel sind Kreges Angaben zum Ablativ, den er "jeweils im räumlichen Sinne" verstanden wissen will. Wie geht das aber mit seinem eigenen Versuch, Quenya zu schreiben, et cariellon Tolkieno (aus Werken Tolkiens heraus), zusammen? Soll die Angabe implizieren, dass er 'im räumlichen Sinne' Dinge aus Tolkiens Arbeitszimmer zusammengetragen hat?! Die Wahrheit ist eher: man weiß eben nicht sicher, wie abstrakt die Bedeutung des Ablativs sein kann.
Der Abschnitt über Adjektive ist zwar sehr knapp, enthält aber einen kapitalen Fehler. Krege behauptet, daß "Adjektive in der Regel zusammen mit den Substantiven flektieren". Tolkien scheint diese Regel nicht im Sinn gehabt zu haben. In 'Markirya' kommen Wendungen wie isilmë ilcalassë (in gleaming moonlight) vor, bei denen die Lokativendung -ssë eindeutig nur beim zweiten Wortzu finden ist (in diesem Satz das Adjektiv, in anderen ist die Reihenfolge umgekehrt, aber die Kasusendung bleibt immer beim zweiten Wort, niemals bei beiden).
Kreges Angaben zum Verb im Quenya leiden unter drei fundamentalen Irrtümern. Ihm ist nicht bewusst, dass es im Quenya
- nicht nur A-Verben wie lanta-, (fallen) gibt, sondern auch 'einfache Verben' (Tolkien nennt sie 'strong verbs') wie quet- (sprechen) (die eben nicht auf -a enden)
- neben dem Präsens für gerade ablaufende Handlungen einen Aorist als Zeitform für 'zeitlose' Aussagen gibt (vg. Englisch 'I speak elvish' vs. 'I am speaking elvish'). Diese Formen sind bekannt: zu quet- Aorist quetë in Vinyar Tengwar (VT) 41:11, Präsens quéta in VT41:13.
- mindestens drei verschiedene attestierte Infinitiv/Gerundformen gibt
Tolkiens Beispiel polin quetë (Ich kann sprechen.) mit einem einfachen Verb pol- im Aorist und quet- im Infinitiv ist nach Krege unmöglich zu verstehen. Dass Krege diese Angaben nicht etwa aus Platzmangel weggelassen hat wird aus seinen eigenen Versuchen Quenya zu verwenden deutlich: Qennan Eldarin (vermutl. 'Ich spreche Elbisch' im Sinn von 'Ich kann Elbisch') Wäre diese Form ein Aorist (angemessen für eine allgemeine Aussage) müsste das zugrundeliegende Verb qenna- sein, wäre es Präsens, käme auch qenn- in Frage. Leider findet sich ein solches Verb weder in Tolkiens ‚Etymologies', noch in Fauskangers 'Quenya Wordlist' noch (etwas überraschend!) in Kreges 'Elbischem Wörterbuch'. In letzterem findet sich allerdings qen- (sprechen), ein (offensichtlich) einfaches Verb, an den rätselhafterweise die Endung -na gehängt wurde. Für eine solche Endung eines einfachen Verbs gibt es jedoch keinerlei Beispiele oder Vorbilder. (Eine korrekte Aussage wäre Quetin i lambë eldaiva, 'Ich spreche die elbische Sprache). Auch ócolanes (vermutl. 'trug es zusammen') zeigt dieses Problem auf: Wieder musste das einfache Verb col- eine Endung auf -a bekommen, da Krege wohl nicht bewusst war, wie sich solche Verben im Imperfekt verhalten wenn die Endung nicht -a ist. Statt aber künstlich den A-Stamm cola- zu erzeugen, an den dann die Imperfekt-Endung -në gehängt wird, wäre die korrekte Form ócolles gewesen. (col + në; analog zum attestierten Partizip Perfekt Passiv colla = col + na 'getragen' und der ebenfalls attestierten Imperfektbildung vil + në -> villë (fliegen)).
Auch die Aussprachehilfe ist mehr als ungenügend, finden wir dort doch z.B. keinerlei Erwähnung dass ch im Sindarin für den Ach-Laut steht (deutsch Bach, schottisch Loch, spanisch Xavier...), und auch weit gröbere Schnitzer erlaubt sich Herr Krege: "Q(U) - der selbe kw-Laut wie im Dt." was schlicht falsch ist. Deutsches qu spricht man kv, doch Quenya qu steht natürlich für kw, das englische, halbvokalische w wie in ‚world'. Dann finden wir die Angabe: "Y - [...] später, unter Westron-Einfluß, auch in Quenya-Wörtern wie dt. sch auszusprechen" was natürlich nur bei ty und (bedingt) bei ndy stimmt. In z.B. yén ist es selbstverständlich noch immer ganz normales dt. j. R ist, so Krege, wie im englischen ‚rather' zu sprechen, rh wie im deutschen ‚Rest', doch tatsächlich trifft beides nicht einmal annähernd zu. R steht im Elbischen für ein an der Zungenspitze gerolltes r wie im Spanischen, Italienischen etc., dies sagt Krege selbst, nur sein Beispiel ist komplett falsch gewählt da modernes Englisch palatalisiertes r benutzt. Rh steht für den selben Laut in seiner stimmlosen Form und hat absolut nichts zu tun mit dem Rachen- oder Zäpfchen-r des Deutschen oder Französischen. Letztlich setzt Krege noch Q eu mit dem deutschen eu gleich, was völliger Unsinn ist, da die Diphthonge des Elbischen immer schlicht aus den beiden tatsächlich ausgeschriebenen Vokalen bestehen, also hier e und u, wohingegen deutsches eu natürlich für oi steht. Und wo ist unter "Vokale" der Hinweis auf oe = œ = ö? Plurale mit oe werden immer wieder gegeben (Nogoth > Noegyth), jedoch ohne jeden Hinweis dass in diesen Fällen nicht der Diphthong sondern der einfache Vokal gemeint ist (wie deutsches ö).
Tengwar
Da Herr Krege sich entschieden hat auch die fëanórischen Buchstaben, die Tengwar, in sein Wörterbuch aufzunehmen (ob dies passend ist mag jeder selbst entscheiden) werden wir auch auf dieses Kapitel einen genaueren Blick werfen, denn wie fast erwartet steckt auch dieser Abschnitt voller Fehler, wie dies auch schon oft in seinem Handbuch der Weisen der Fall war. Es beginnt bereits auf dem Titelbild wo wir einen Q-Text im dafür klassischen Modus finden. Doch Krege benutzt hier ‚anna' als y im Wort Quenya (welch Ironie) wo dies jedoch mit zwei Unterpunkten dargestellt werden müsste. Die Verdopplung des t in Parmaquettaron sucht man ebenfalls vergebens. In seiner Tabelle gibt er für ‚unque' schw an (für Englisch?) wozu wir keinerlei Grund zur Annahme haben, es müsste ganz klar gh sein (g-Spirant). Für ‚anna' gibt er als Quenya-Lautwert nn an, jedoch müsste es ursprünglich wiederum den g-Spiranten darstellen (siehe ‚vala' = v in der selben Zeile, ebenfalls ein stimmhafter Spirant) den Tolkien 3 oder gh schrieb. Dies wurde vermutlich (als *3anna) zur Aufzeichnung von CE genutzt und wurde später als y-Halter in die Schreibung des Q übernommen als dieser Laut verschwand. Als Beispieltext die Silmarillion-Titelseite zu nutzen scheint keine gute Idee da Christopher Tolkien hier eine teils sehr eigenartige Schreibweise nutzte auf die wir von Seiten seines Vaters keinerlei Hinweise finden. Schließlich zweifelt Krege gar Tolkiens eigene Angaben zum "Beleriand-"Modus an (eine Haltung die er Tolkien gegenüber nur zu gerne einzunehmen scheint): "plausibler wäre aber, dass es die [Schreibweise] von Eregion im zweiten Zeitalter ist" Wer sag uns dass sie dort zu dieser Zeit nicht die alte Schreibweise nutzten? Warum Tolkiens eigene Angaben in einem solchen Falle anzweifeln wo wir keinerlei Grund dazu haben? Doch wie fast zu erwarten bleibt dies nicht der einzige Fall wo es Krege nötig scheint Tolkien zu verbessern, obwohl man fast annehmen sollte dass der der all dies erfunden hat sehr wohl wusste was er tat. So finden wir zu in der Ringinschrift angemerkt es repräsentiere "ch in agh", doch wir haben hier nun mal einfach kein ch sondern genau das was Tolkien schreibt, gh, einmal mehr der oben schon erwähnte g-Spirant. Auch ein Wolfgang Krege sollte das Wort Tolkiens als Fakt akzeptieren können wenn nicht zufällig Grund zur Annahme besteht Tolkien könnte seine Meinung später geändert haben.
Wortlisten
Das Herzstück des Werkes. Hier sollten, so könnte man denken, keine Fehler enthalten sein, doch weit gefehlt. Mit beiden Ansprüchen, d.h. einerseits einer Wortliste für den Gebrauch und andererseits eine 'Etymologie' der elbischen Sprachen aufzuzeigen, muss Kreges Wörterbuch sich an existierenden Wortlisten messen. Für S wäre hier z.B. das ‚Dragon Flame' Lexikon von Didier Willis zu nennen, für Q die Wortlisten von Helge Fauskanger, und für die Etymologie des Elbischen Tolkiens ‚Etymologies', die in 'The Lost Road' publiziert sind. Schon bei einem flüchtigen Durchblättern fallen einige Dinge ins Auge, die wir im Folgenden anhand der ‚Etymologies' zu verstehen versuchen. Am ärgerlichsten sind immer wieder auftretende Sinnentstellungen von Tolkiens Beschreibungen. Einige Beispiele für diese Kategorie:
- Krege: adu- [S] doppel-, zweit- (Präfix)
Tolkien ('Etymologies' AT(AT)): again, back. Q ata again, ata-, at- back, again, re-; N ad [...] Ilk. adu, ado double... Dieser Eintrag verrät klar, dass die Noldorin-Form ad- ist, wie man sie z.B. aus Mereth aderthad (‚Fest der Wiedervereininigung') oder aduial (‚wieder-Zweilicht') kennt. Für die Angabe der Sindarin-Form ist aber die Noldorin-Form die einzig relevante, da Noldorin der konzeptionelle Vorläufer des Sindarin in Tolkiens Werken ist. (Krege geht, wie oben erwähnt, völlig darüber hinweg, dass ein Großteil der von ihm angeführten Formen N und nicht S, wie es im HdR auftaucht, sind.) adu hingegen ist eine Ilk.-Form, als solche herzlich irrelevant für einen S-Eintrag der Wortliste, es handelt sich hier einfach um eine andere Sprache die allerhöchstens (sehr spekulativ!) teilweise im Nord-S Verwendung gefunden haben könnte als Tolkien die Hintergrundgeschichte seiner Sprache umgestaltete und Ilk. wegfiel (und aus N eben S wurde).
- Krege: tir- [...][S] tirio, bewachen, tiriant, ich bewachte [...] tiri(o) [S] ich bewache, beobachte
Tolkien ('Etymologies' TIR): TIR- watch, guard. Q tirin I watch, pa.t. tirne; N tiri or tirio, pa.t. tiriant Kreges Angaben zur Bedeutung von tiri(o) widersprechen sich selber - erst soll es Infinitiv sein, dann 1. Person Sg. Tatsächlich ist tiri der reguläre N-Infinitiv zu tir-, tirio der reguläre Infinitiv zu einem anderen Verb tiria- mit gleicher Bedeutung und die Vergangenheitsform tiriant ist nicht 1. Person Sg., wie Krege annimmt, sondern die 3. Person, die als einzige ohne Endung ist und daher als Basisform geeignet ist (diese Form ist klar aus den S-Beispielen, die wir von Tolkien haben, identifizierbar; vergleiche Grammatik oben).
- Krege: aman [S] Mutter, pl. emnin [sic!]
Tolkien ('Etymologies', AM1): AM1- mother. Q amil or amme mother; Ilk aman, pl. emuin (N uses a different word, naneth[...]) Obwohl Tolkien extra darauf hinweist, dass N (und damit S) ein verschiedenes Wort verwendet, bekommen wir dennoch wieder eine Ilk.-Vokabel als S dargestellt. Zu Kreges Gunsten sollten wir davon ausgehen, dass der Plural emnin statt emuin lediglich ein Druckfehler ist.
An vielen Stellen sind Übersetzungen und andere Angaben auch unvollständig und geben nicht ganz Tolkiens Intention wieder, z.B.:
- Krege: amon [S] Berg, pl emyn
Tolkien ('Etymologies' AM2): ... amon hill ... Hier hätte man sich zumindest auch die Übersetzung ‚Hügel' gewünscht.
- Krege: -at [Q] Dualsuffix, z.B. ciryat, zwei Schiffe
Wie Tolkien aber an Beispielen in einem Brief an Dick Plotz erklärt (in 'Basic Quenya' von N. Martsch zu finden), findet man zwar ciryat (ein Paar Schiffe, nicht zwei beliebige Schiffe) zu cirya (Schiff), aber lasset (ein Paar Blätter) zu lasse (Blatt), woraus man sehr klar sehen kann, dass das Dualsuffix -t ist, und nicht -at; das -a- in Kreges Beispiel ist die natürliche Endung von cirya (überflüssig zu erwähnen, dass -et natürlich nicht als Dualsuffix angeführt wird).
Auch von Tolkien mit ON (Old Noldorin) gekennzeichnete Einträge werden bedenkenlos als S-Vokabeln verwendet; das wäre in etwa so, als würde in einem Italienischkurs von Zeit zu Zeit mal eine lateinische Vokabel als Italienisch ausgegeben werden. Diese Beispiele sind keineswegs besonders herausgesucht, sondern typisch für viele Einträge, und es lassen sich noch etliche andere anführen. Ein weiteres, großes Problem ist es, wie bereits kurz unter Grammatik angerissen, dass Krege offenbar nicht bewusst ist, dass es im Sindarin das Phänomen der Mutation gibt - Anfangskonsonanten von Wörtern verändern sich nach grammatikalischen Regeln und phonologischen Gegebenheiten ('mutieren'), so wird zum Beispiel aus mellon (‚Freund') durch den bestimmten Artikel i vellon (‚der Freund'). Demzufolge findet man in Kreges Wortliste mutierte Formen gemischt mit unmutierten, was es dem Leser, der die Grundform eines Wortes noch nicht kennt, unmöglich macht, auf sie zu schließen. So findet man z.B. unmutierte Einträge wie beren (‚tapfer')... und mutierte Einträge wie vorn (‚schwarz', von morn), hi (‚jetzt', von si), dirnen (‚bewacht', von tir-)... ohne jeden Kommentar nebeneinander. Ein ähnliches Problem tritt bei den Verbformen auf: Tolkien's ‚Etymologies' sind ein Reprint eines Notizbuchs, das er nicht sehr vereinheitlicht hat, d.h. er listet Verben entweder direkt mit ihrem Stamm (osgar-), oder mit ihrem Infinitiv (esgeri, cut around) oder mit ihrer 3. Person (osgar, he cuts around) - diese Einträge sollten ihm ja nur als Gedächtnisstütze dienen. Krege übernimmt aber leider diese oft wirre Notation, sodass einem der Grammatik nicht Kundigen oft nicht klar ist, ob er nun a) einen Wortstamm b) einen Infinitiv oder c) ein Gerund oder d) die 3. Pers. Sg. vor sich hat.
Leider wird es dem Leser, der jetzt misstrauisch geworden ist und die Angaben Kreges anhand seiner eigenen Ausgabe der ‚Etymologies' überprüfen möchte, nicht leicht gemacht, das zu tun - anders als in Didier Willis' ‚Dragon Flame' Lexikon oder in Fauskangers Quenya-Wortlisten sind die Stellen, an denen sich die einzelnen Vokabeln bei Tolkien finden leider nicht mit angegeben, was das Auffinden nur mit guten Kenntnissen der ‚Etymologies' oder einer anderen Vokabelliste möglich macht. Auch die Mischung von Quenya- und Sindarinbegriffen ist wenig geglückt - natürlich sind diese Sprachen über gemeinsame Wurzeln miteinander verbunden, aber trotzdem findet man normalerweise auch kein Lexikon, das Spanisch und Französisch durcheinander listet, nur weil beide Sprachen vom Latein abstammen. Auch beim Übersetzen ins Quenya mit Hilfe des Wörterbuchs stößt man schnell auf Probleme: Will man z.B. 'Berge' übersetzen, so findet man bei Krege nur: Berg [Q] amban, oron; [S] amon, orod. Nun werden aber bei einigen Wörtern in Q die Endungen nicht an den Nominativ Singular gehängt, sondern an einen längeren Stamm, in diesem Beispiel oront-, der (in diesem Fall durch -i gebildete) Plural lautet also nicht **oroni sondern oronti. Ein Hinweis darauf würde dem Wörterbuch sehr nützen, tatsächlich muss der interessierte Leser aber, um diese Information zu erhalten, wieder oron in der Elbisch-Deutschen Wortliste nachschlagen, wo dann zumindest der Plural oronti angegeben ist. Die Angabe der fraglichen längeren Wortstämme schon in der Deutsch-Elbischen Wortliste wäre aber ohne viel Aufwand zu machen gewesen, ihr Fehlen ist ärgerlich und macht das Wörterbuch zum Übersetzen ins Q eigentlich unbrauchbar.
Fazit
Als Hilfsmittel für eigene Übersetzungen in S oder Q ist das Wörterbuch essentiell unbrauchbar. Bei Q liegt das hauptsächlich an der Frage der nicht angegebenen Wortstämme (siehe oben); dies kann prinzipiell aber dadurch gelöst werden, indem man jedes Wort anschließend noch einmal in der Elbisch-Deutschen Liste nachschlägt, dies ist jedoch sehr mühsam. Für Übersetzungen ins S ist das Hauptproblem, dass der Leser die Grundform eines angegebenen Worts nicht zu erkennen vermag, daher kann er die angegebenen Formen eigentlich nur verstehen, wenn er das Wort ohnehin schon kennt; das kann nicht Sinn eines Wörterbuchs sein. Das gleiche Problem tritt bei Übersetzungen aus dem Sindarin auf: Viele Wörter tauchen hier mit mutierten Anfangskonsonanten auf - ohne eine Einführung des Lesers in die Theorie der Mutation kann dieser schlecht die richtige Form erkennen, unter der die Vokabeln aufgeführt sind (so taucht im LotR z.B. die Phrase aglar 'ni Pheriannath auf (‚glory to the Halflings') - wie soll der Leser nach Kreges Angaben erkennen, dass er unter perian (‚Halbling') nachsehen muss, wo das Wort dann aber noch fälschlicherweise als pherian dazu angegeben ist?). Für Übersetzungen aus dem Quenya ist das Wörterbuch besser geeignet - hier treten keine vergleichbaren Probleme auf, außerdem entfällt die Konfusion mit Ilkorin und Old Noldorin.
Was die etymologischen Zusammenhänge betrifft, so lassen sich diese aus Tolkiens Originalen wesentlich besser verstehen, weil Einträge dort direkt unter den ursprünglichen Stämmen gelistet sind, komplett mit allen daraus abgeleiteten Wörtern. Insgesamt entsteht der Eindruck, Krege "der wohl kundigste Mittelerdefreund" (Klett-Cotta) hat, mit wenig Verständnis der zugrundeliegenden Grammatik, im Wesentlichen versucht, die Einträge der ‚Etymologies' zu übersetzen und umzusortieren. Der daraus entstandene Zwitter aus Etymologien und Wörterbuch ist leider für keinen der Zwecke wirklich gut zu verwenden. Auch unabhängig von jeder grammatikalischen Theorie, die die spätere Beschäftigung mit S erschlossen hat, ist das häufige 'Zurechtbiegen' von Tolkiens Material einfach ärgerlich, und die Angabe des Verlags, Krege habe sich 'allein auf Tolkiens eigene Angaben bezogen' wirkt in diesem Zusammenhang etwas eigenartig.
Wer sich wirklich für die tiefen und vielschichtigen Hintergründe von Tolkiens Sprachen interessiert, der ist mit einiger Sicherheit mit 'The Lost Road' besser bedient, auch wenn dieses Werk zugegebenermaßen nicht so leicht zu lesen ist. Auch für alle diejenigen, die selber Texte in elbischer Sprache verfassen wollen, sind andere, schon bestehende Wortlisten und Lexika besser geeignet (siehe Links unten). Nur dem Leser, dem es im Prinzip egal ist, ob eine Form nun Tolkiens Ideen entspricht oder nicht, und der einfach mal einen Eindruck von Kreges Version des Elbischen bekommen möchte, ist das Buch zu empfehlen. Eine finale Zusammenfassung überlassen wir an dieser Stelle gerne einem namhaften Experten für Tolkiens Sprachen:
"It is the worst book ever published so far about Quenya and Sindarin." Edouard Kloczko auf 'Lambengolmor'
Und alles andere wäre nichts als ein Versuch diesen gescheiterten Versuch zu beschönigen. Wer ernsthaftes Interesse an der Materie hat dem sei dringlichst ans Herz gelegt diese Sprachen online zu studieren. Wir empfehlen hierzu: Ardalambion von Helge Fauskanger und Gwaith-i-Phethdain von Ryszard Derdzinski welche komplette Grammatikanalysen enthalten (letztere Seite nur Sindarin). Gute deutsche Quelle sind das deutsche Sindarin-Lexikon (Sindarin) von Christian Buzek und Lambion Ardava (Quenya) von Brigitte Rassbach. Diskussionen auf den Mailinglisten Elfling, Elfscript, oder Lambengolmor zu folgen sei Fortgeschrittenen ebenfalls sehr empfohlen. Wer tiefer in der Materie ist sollte auf jeden Fall Tolkiens Originale studieren und sich hierzu ‚The War of the Jewels' (wg. 'Quendi and Eldar') und 'The Lost Road' (wg. 'Etymologies') zulegen. Auch sehr empfehlenswert ist ein Abonnement von Vinyar Tengwar die von Christopher Tolkien die Exklusivrechte am sprachlichen Nachlass seines Vaters erhalten haben und diese (leider viel zu langsam) in einer Art Heft veröffentlichen, sodass wir nach und nach immer mehr über Q, S und Co. Erfahren.
Florian "Lothenon" Dombach (lothenon@sindarin.de) Thorsten Renk (thorsten@sindarin.de)
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