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| Alles zu Tolkien > News > 2003 | Index News | | "Die Welt ist mehr als Mittelerde" (22.4.) |
| Am 19. Dezember 2002 veröffentlichte der bekannte Filmrezensent Rüdiger Suchsland seinen Beitrag zu "Die zwei Türme" auf Telepolis. Zielsetzung war offensichtlich einen Artikel zu schreiben, der aufgrund seiner provokanten Art Aufsehen und somit Besucher garantierte. Er wurde zu einem der besten Beispiele für schlechten Journalismus. |
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| Der Artikel - und seine Geschichte |
| Als sich am 19. Dezember der Hinweis auf Suchslands Artikel bei Telepolis wie ein Lauffeuer in der Tolkienfangemeinde verbreitete, wußten nur die wenigsten, daß er bereits in Print erschienen war. Bereits am 16. Dezember hatte Suchsland eine wesentlich kürzere, entschärfte Version beim Münchener Merkur veröffentlicht, die sich im Inhalt, aber auch von der klassischen Struktur bei Telepolis stark unterschied (hier werden z.B. Zwischentitel verwendet). Um eine entsprechende Betrachtung zu ermöglichen, haben wir die identischen und die inhaltlich ähnlichen Passagen kursiv gesetzt |
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| Ein Ring, sie zu knechten, sie ewig zu binden.. |
| Mittelerde ist ein geistiges Ground Zero - Des Epos zweiter Teil "Der Herr der Ringe - Die zwei Türme" |
| Mittelerde bebt: Seit gestern läuft der zweite Teil von Peter Jacksons Verfilmung von J.R.R. Tolkiens Romanzyklus "Der Herr der Ringe" in den Kinos. Inhaltlich scheidet der globale Marketingerfolg sein Publikum in Gläubige und Ketzer: Was für die einen eine glaubwürdige "Neue Mythologie" für die Gegenwart oder legitime Flucht aus ihr ist, erscheint den anderen nur als konzeptloses Remmidemmi und monomanische Soap im Mammutformat. |
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Ein einziger keuscher Kuss wird mehr gehaucht als getauscht, und zwar neben, nicht auf die Lippen. Viel mehr wäre aber auch bei weniger stubenreiner Gesinnung der Macher nicht drin gewesen - ist doch Cate Blanchett kaum eine Minute im Bild und Liv Tyler vielleicht, wenn man wohlwollend zählt, fünf Minuten - von fast drei Stunden Filmdauer. Was für eine Verschwendung! |
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Nur eine dritte, Eowyn (Miranda Otto), darf den feschen Recken Aragorn, gespielt in Gestalt und Gestik eines Rocksängers von Viggo Mortensen, zumindest im Geiste lieben. Und bangen. Und schmachten. Kämpfen darf sie nicht, das dürfen in "Der Herr der Ringe - Die zwei Türme" nur die Männer. Weil die aber fortwährend im Bild sind, wird viel gekämpft, chaotisch und computeranimiert, und daher leider so verwirrend, dass auch geschulte Beobachter schnell den Überblick verlieren - im Gegensatz zu jenen PC-Spielen, dessen Bildschirmdarstellung dieser Film trotz aller neuseeländischer Landschaftsschönheiten über weite Strecken so ungemein ähnelt, gibt es hier ja kein Regelbuch, das einem hilft, alle Figuren auseinander zu halten. |
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Wer also wegen Tyler und Blanchett, den fraglos besten Darstellern im vielköpfigen Ensemble dieses Monumentalfilms, ins Kino gehen möchte, oder weil er sich unter "Fantasy" nicht nur Zaubersprüche und Schwertergeklirre vorstellt, sondern auch den Zauber romantischer Liebeszenen, sollte es besser lassen. Der Kinovorschau darf man da übrigens nicht trauen; die ist hier mehr denn je eine Mogelpackung, schon weil sie so ziemlich alles zeigt, was von Blanchett überhaupt in diesem Film zu sehen ist. |
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Man weiß also offenbar bei den Machern von Warner Bros. schon im Prinzip, wie man diejenigen Zuschauer ins Kino bringt, die nicht sowieso allein aufgrund des Titels blind hinein strömen - offenbar nicht mit Elijah Wood als Frodo. Auch das Wirken dieses "Hauptdarstellers" ist im zweiten Teil der Tolkien-Verfilmung auf eine Nebenhandlung beschränkt, was in diesem Fall aber nicht weiter beklagenswert ist, weil Wood vor allem durch seine allzu sichtbar abgekauten Fingernägel in Erinnerung bleibt. |
| Märchen für große Jungs |
[Der Zwischentitel ist beim Merkur der Gesamttitel]
Wer den ersten Teil "Der Herr der Ringe - Die Gefährten" ( Wie treu sind die Gefährten?) nicht kennt, hat Pech gehabt: Keine Einführung, kein "Was bisher geschah" erleichtert den Einstieg. Vielmehr werden alle Nicht-Eingeweihten, alle, die sich den ersten Teil erspart haben, zur Strafe einfach hineingeworfen nach Mittelerde, wo sie sich dann im Gestrüpp von Plot und Subplots, von Elben und Halblingen, Trollen und Hobbits, Orcs und Uruk-Hais, von 19 Hauptdarstellern und etwa fünf (oder waren es doch sieben?) parallel erzählten Handlungsebenen zurückfinden müssen. |
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Das Hermetische ist seit jeher Teil des Fantasy-Prinzips überhaupt, in diesem Fall ist man sich freilich nicht ganz sicher, ob es wirklich einer Arroganz der Macher geschuldet ist oder doch nur ihrer Kapitulation vor der Anforderung, die verwirrende Handlung des über 1000seitigen Romanzyklus in Filmform zu gießen. |
| Der jetzige zweite Teil "Die zwei Türme" hat überdies mit der Schwierigkeit zu kämpfen, zwischen Exposition und Showdown ein wenig in der Luft zu hängen. Anders als etwa damals in der "Star Wars"-Fortsetzung "Das Imperium schlägt zurück" (eindeutig dem bisher besten Teil der Weltraum-Saga) gibt es in diesem Fall ja eine Buchvorlage, die Handlung ist insofern bekannt, und der Film hat die Funktion, das Drama zu überbrücken, zu verbinden, weiterzuführen, und nicht einfach voranzutreiben. Zudem verzichtete Tolkien auch darauf, seinen positiven Hauptfiguren ein echtes Leid anzutun. Schon als Oberzauberer Gandalf im ersten Teil einmal in einen Abgrund stürzte, musste man nicht das Buch kennen, damit sich die Angst um sein Schicksal in Grenzen hielt. Weil hier keiner ernsthaft gefährdet ist, muss der Zuschauer auch nicht ernsthaft bangen. Um so mehr zählen also die Schauwerte, das "Wie" der Umsetzung der Story. |
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Diese Story handelt - dies für diejenigen, die tatsächlich die Handlung des "Herrn der Ringe" noch nicht einmal vom Hörensagen kennen - vom Hobbit Frodo, einem ländlich sozialisierten Quasi-Zwerg (aber so dürfen wir ihn nicht nennen, ohne uns die Verachtung zumindest der Deutschen Tolkien Gesellschaft e.V. zuzuziehen) [eigene Hervorhebung], dem schon aufgrund seiner universalen Niedlichkeit unsere Sympathien gelten sollen. Von seinem Onkel erbt er einen Ring, der theoretisch viel Macht verleiht, praktisch seinen Träger aber kraft der ihm eigenen Dynamik in eine Art Teufelspakt verwickelt - zur "dunklen Seite der Macht" hinüberzieht, würde man im "Star Wars"-Jargon sagen. Im Zentrum dieser bösen Seite sitzt der Oberbösewicht und Quasiteufel, Sauron, dessen Aussehen - so man ihn denn sieht - im Film irgendwo zwischen Alien und dem allgegenwärtigen Auge liegt, das auf Barockbildern für den dreieinigen Gott des Christentums steht. |
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Sauron wiederum bedient sich eines Oberpriesters, des bösen Zauberers Saruman, der eine gewisse Ähnlichkeit mit Osama bin Laden, aber auch mit Graf Dracula nicht verleugnen kann. Auch Saruman hat seine al-Qaida, eben besagte Orcs und Uruk-Hais. Erstere reiten auf Drachen, letztere sind gegebenenfalls zum Selbstmordattentat bereit und jedenfalls so hässlich, dass man mit ihnen einen hübschen Horrorfilm hätte bestücken können - oder die in "Die zwei Türme" fraglos enthaltenen Horrorelemente stärker hätte betonen können. Aber der Film ist ab 12 Jahren freigegeben - die Filmbewertungsstelle ist auch nicht mehr, was sie mal war -, und darum ist der tatsächliche Horror schnell geschnitten und hält sich in engen Grenzen. |
| Zurück zur Story: Frodo muss (will? aber mit der Willensfreiheit ist es hier so eine Sache...) den gefährlich-bösen Ring vernichten. Dafür muss er aber ins Zentrum des Bösen vordringen, denn nur dort kann er das Zerstörungswerk wirklich vollenden. Auf diesem weiten, drei Teile dauernden Weg wird er von Saurons Häschern gejagt, und vom Ring selbst in Versuchung geführt. |
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Der zweite Teil dreht sich nun dabei weniger um Frodos Reise, die eher der Ordnung halber in regelmäßigen Abständen in Form kurzer Schnipsel auftaucht, als um das Schicksal des Volkes von Rohan, das von Saruman mit der Vernichtung bedroht wird. Bei denen handelt es sich um Menschen, die so ähnlich aussehen, wie Europäer im Mittelalter, außer jenen, die schon zu Werkzeugen des Bösen mutiert sind und die ein jeder leicht daran erkennt, dass sie ein bisschen heroinabhängig und überdies wie Mitglieder einer Dark Wave Band aussehen - weiße Schminke, schwarze Lippen, lange, irgendwie strähnig verschwitzte Haare. Nach allerlei Zwischenschlachten kommt es am Ende zur Endschlacht um die Festung "Helms Klamm" und einem Parallelangriff auf Isengard, den Sitz von Saruman. Der wird vor allem von Bäumen geführt, denn "Der Herr der Ringe" ist auch ein Öko-Melo, bei dem der Baum als der allerbeste Freund des Menschen mit dem Rest der bedrohten Natur einen Krieg gegen alles Böse anführt. Ach ja: Frodo wandert natürlich weiter... |
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Kann man das ernst nehmen? Natürlich nicht wirklich. Macht es dann wenigstens Spaß? Leider auch ganz und gar nicht. Im Gegenteil hat man lange schon keinen so humorlosen Film mehr gesehen - wenn man sich nicht von den gelegentlichen Schmunzel-Grins-Einlagen der Hobbits entzücken lässt, oder vom glibbrigen Schelmentum Gollums, dessen Aussehen an eine missglückte Computeranimation E.T.'s erinnert, mit ähnlich prekärem Niedlichkeitsfaktor. Ansonsten: Kein Witz, kein Sex, kein subversives Crime, stattdessen schwerblütiger Bierernst - und das schlimmste Vergehen aller Filme: Langeweile. |
| Herr der großen Worte |
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Wer J.R.R. Tolkiens dreiteiligen Romanzyklus schätzt, von dem auch fast 50 Jahre nach dem Erscheinen seines ersten Bandes im Herbst 1954 nicht recht klar ist, ob es sich um ein Kinderbuch oder eine Geschichte für Erwachsene handelt - "von 12 bis 70" skizzierte ein zeitgenössischer Rezensent die Zielgruppe -, wer also diese beschreibungssatte Fantasy-Story liebt, der muss selbst entscheiden, ob er die Bilder in seinem Kopf dem Eindruck des Films aussetzen möchte. Unter den Fans war die Meinung schon vor Jahresfrist, als der erste Teil ins Kino kam, recht geteilt. |
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Technisch ist dieses Märchen für große Jungs dabei durchaus up to date. Was auch immer mit CGI, computer generated imaging, möglich ist, wird hier gemacht, und oben erwähnter Gollum ist in all seiner banalen Hässlichkeit doch ein hochinteressantes Stück Handwerk. Aber es wäre ja auch noch schöner, wenn man für 100 Millionen Dollar pro Film nicht irgendetwas erwarten dürfte. Stilistisch freilich wirkt alles über weite Strecken steril und eindimensional, in seiner Geschichte langweilig, weil zutiefst vorhersehbar. |
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Das liegt nicht allein am allzu starken Schwarz-Weiß-Charakter des Endkampfes zwischen Gut und Böse (der dann doch keiner ist, weil uns allen ja im kommenden Jahr noch der dritte Teil vorgesetzt wird), sondern daran, dass "Der Herr der Ringe" vor allem ein Herr der großen Worte ist: Ein ums andere Mal wird geredet und geredet, erklärt und gelabert, Pathos beschworen und mit rollenden Augen ein neues Zaubersprüchlein aufgesagt. Den Rest gibt einem der Soundtrack von - leider - Howard Shore, der noch nie einen Film mit derart sentimenttriefender, zugleich plump-bombastischer Klangsauce bestückt hat, wie diesmal. |
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Die meisten Mängel des Films sind freilich schon die des Buches. Auch hier tobt der Streit schon seit den 50ern. Auf der Internetseite der New York Times kann man die damalige Debatte nachlesen: Prominente Fans wie etwa der Dichter W.H.Auden stoßen da auf kaum weniger bekannte Verächter. |
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Künstlerisch lauten die häufigsten Vorwürfe Kitsch und Manierismus: Denn zur Hochzeit der literarischen Avantgarden entwarf der Oxforder Literaturprofessor Tolkien ein neoromantisches Epos, das vor allem das Verlangen des weniger kunstinteressierten Publikums nach Inhaltssattheit und "großer Erzählung", nach heldischen Helden und klarem Gut-Böse-Schema befriedigte - alles Elemente, die man nun getreulich auf die Leinwand zu bringen sucht. |
| Ein Hauch von Blut und Boden |
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Politisch halten sich die Lesarten die Waage: Man kann die letztlich glückende Rebellion der Hobbits durchaus marxistisch als proletarischen Sklavenaufstand, als Revolte der kleinen Leute interpretieren, umgekehrt aber auch als reaktionären Reflex und dumpfe Verherrlichung bäuerischen Landlebens gegen die als "böse" skizzierte industrialisierte Stadt. |
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Im Oberschurken Saruman lassen sich unschwer Züge von Tolkiens Faschismuserfahrung aufzeigen: Im Zentrum des jetzigen zweiten Teils steht der - auch so genannte - "Vernichtungskrieg" gegen das Volk der Rohan, bei der jeder informierte Betrachter Holocaust-Bezüge nicht völlig wegdenken kann, zumal Regisseur Peter Jackson in der Skizzierung von Sarumans Streitmacht und ihrer Kriegführung offen mit der Motivik von Leni Riefenstahls Parteitagsfilmen spielt. |
| Andererseits ist das, wofür Tolkien dann eintritt, eine Art Völkerbund von Mittelerde gegen das Böse, in der bis zum Erbrechen wiederholten Forderung nach Geschlossenheit, dem wenig variierten Appell an die Völker: "Ihr dürft nicht beiseite stehen, Ihr müsst kämpfen!", kaum weniger totalitär. Nur eines will partout nicht recht gelingen: Ein Loblieb auf Liberalismus, Demokratie und Individualität sucht man im "Herrn der Ringe" vergebens. |
| Ein Hauch von Blut und Boden, eine Lust am Spiel mit dem Apokalyptischen und an einer manichäisch kristallklaren Antinomie der zwei unvereinbaren Realitäten von Gut und Böse weht durchaus durch die Geschichten vom Auenland und Mittelerde, vom Bündnis der Bäume und Trolle und Elben mit den Menschen, gegen die "neue Macht". |
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Mit seinem Paralleluniversum entwirft Tolkien einen synthetischen Mythos, nicht totalitär vielleicht, aber reaktionär, in seinen Botschaften zutiefst anti-modern. Wie in vielen Mythen steht eine Reise des Helden im Zentrum, die zugleich eine Fluchtbewegung ist, eine Vertreibung aus einem Paradies, das von nun an für immer verloren ist. Diese Fluchtbewegung führt die reisenden Helden in diesem Fall ins Innere des Bösen und ähnelt darin Conrads apokalyptischem Heart of Darkness. Frodo und seine Kumpels, die schon Helden der Hippie-Bewegung waren, sind "psychadelic soldiers" der anderen Art. |
| Blut und Herkunft, erfährt man, sind stärker als Willenskraft, Mission und "Auftrag" wichtiger als Hedonismus, Individualität zählt wenig, das Volk ist alles. |
| Die Verhältnisse sind autoritär, die Mythen vulgär |
| Das Arsenal der Bilder und Denkfiguren ist dabei eindeutig der europäischen Romantik entlehnt: Und Tolkien ergreift Partei für deren harmonisierende, anti-rationale, germanische Seite, gegen die kritische, düstere, die sich als Fortsetzung und Ergänzung der Aufklärung des 18.Jahrhunderts begriff, nicht als ihr entgegengesetzte "Neue Mythologie". Hölderlin soll über Byron siegen, die Blaue Blume über "Gothic". |
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Tolkiens Werk ist in seiner Naturverherrlichung, Ruinenästhetik und Technikfeindschaft geprägt von Nostalgie gegenüber einer vorindustriellen, romantisch verkitschten und dabei von aller inhärenten, Brüchigkeit garantierenden Bedrohlichkeit befreiten, Welt. Magie und Utopie, damit auch Apokalypse (= "Heilsbeschleunigung") sollen dazu dienen, die Fragmente der modernen Welt in der Idylle einer rückwärts gewandten Utopie wieder zusammenzufügen. |
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So erscheint die Geschichte als eine kathartische Katastrophe, die zwei ungeschichtliche Zeitalter - "vorher"-"nachher" - miteinander verknüpft, und diese Katastrophe wird zu einer märchenhaften Entlastungsgeschichte ästhetisiert, die die Erfahrung des Unheimlichen und des Monströsen zur "anderen Seite" verniedlicht, die "das Gute" letztlich nicht tangiert, sofern man nur der Versuchung widersteht... |
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Dazu passt auch das traditionalistische, rechtskatholische Menschenbild des sex- und humorlosen Werkes: Frauen sind entweder madonnen- und mütterhafte Elben oder Monster, ansonsten herrschen männerbündelnde Gefolgschaftsbeziehungen (Frodo-Sam, Aragorn-Gimli) oder Vater-Sohn-Verhältnisse (Gandalf-Frodo). Die Verhältnisse sind autoritär, die Mythen vulgär, geprägt von Obskurantismus und einem diffusen Wandern um das Unsagbare, dunklen Vorahnungen - Mittelerde ist ein geistiges Ground Zero. |
| Diener des Marktes |
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Egal, ob man sich diesem nun mit Sigmund Freud oder C. G. Jung, mit Theologie oder Philosophie, Ethnologie oder Geschichtswissenschaft nähert - immer wird man mit vielerlei Fundstücken zurückkehren. Gerade diese Deutungsvielfalt, oder vielleicht einfach Beliebigkeit macht ja die kaum gebrochene Wirkung dieser Geschichten in der Gegenwart aus, die offenbar dem Weltfluchtbedürfnis vieler Menschen zur Jahrtausendwende sehr entgegenkommen. Insofern entzieht sich auch der Film aller Kritik, scheidet das Publikum in Gläubige und Ketzer. |
| Dass all dies die Fans überdies wenig bekümmern und ebenso wie die Opfer der übermächtigen Marketingstrategie kaum vom Kauf der Kinokarte abhalten dürfte, ist ebenfalls klar. Aber mit künstlerischem oder gar intellektuellem Niveau verwechseln darf man Kassenerfolge deswegen noch lange nicht.
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| Was hat dies mit Tolkien und den Filmen zu tun? |
| Schnell ist die Struktur des Textes zu erkennen. Der ursprüngliche, längere Text Suchslands mußte auf knapp 5.000 Zeichen zusammengestrichen werden. Zwei ganze Kapitel, die den Hauptteil der ausfallenden Polemik beinhalten, wurden natürlich bei Telepolis veröffentlicht. Provokation um jeden Preis? |
Was haben
- Ground Zero
- Osama Bin Laden
- Barockbilder für den dreieinigen Gott des Christentums
- Graf Dracula
- al-Qaida
- eine Dark Wave Band
- E.T.
- Blut und Boden
- ein proletarischer Sklavenaufstand
- Holocaust-Bezüge
- Leni Riefenstahl
- Vernichtungskrieg
- Conrads "Heart of Darkness"
- Apokalypse
- ein traditionalistisches, rechtskatholisches Menschenbild
- Obskurantismus
- Sigmund Freud
mit der "Herr der Ringe" Filmtrilogie zu tun? Richtig... NICHTS!
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| Diskussion mit der Redaktion |
| Binnen kürzester Zeit entsponn sich nicht nur im Forum eine äußerst lebhafte Diskussion. Die DTG wandte sich sofort an die Redaktion von Telepolis. Grund hierfür: Die Nennung der Deutschen Tolkien Gesellschaft in einem Atemzug mit "Blut und Boden" konnte nicht hingekommen werden. Viele Stimmem erschallten, man möge doch nicht so "humorlos" sein. Leider haben diese Stimmen nicht verstanden, daß der Ruf einer literarischen Gesellschaft hiermit in den Dreck gezogen wird. Pikanterweise wurde die entsprechende Passage im Merkur-Artikel gestrichen - dafür war die DTG dann doch zu unbekannt?!? |
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| 1. Email an Telepolis |
Sehr geehrte Damen und Herren,
wie Herr Suchsland in seinem mehr als merkwuerdigen Artikel zum Thema "Herr der Ringe" Filmtrilogie meinte, sollte ihn die Deutsche Tolkien Gesellschaft e.V. -die ich als ihr Vorsitzender immer wieder gerne vertrete- mit Verachtung strafen. Aber leider wird ihm dieses Kompliment nicht zuteil, denn leider erreicht er weder das sprachliche Niveau der FAZ noch die unsinnige Dummheit der SZ (das mag vielleicht als Kompliment gelten). Er erhaelt fuer seinen pseudo-linksintellektuellen Sermon nur schallendes Gelaechter.
Ich biete meine Schreibkraft gerne Telepolis an - Eure Artikel haben oft die Bissigkeit, die ich so schaetze, aber dieser "Fantasy ist eine Mischung aus Rassismus, Sexismus und Faschismus und wird nur von entgeisterten, latent gewalttaetigen Schwanztraegern gelesen" Artikel ist wirklich weit unter Eurem Niveau. Da ich selbst aus dem linkspolitischen Spektrum stamme, sind mir die Argumente nicht neu; aber Dummheiten bestaendig zu wiederholen macht sie eben nicht zu Wahrheiten.
Ich bedaure zutiefst, dass linksdenkende und links agierende Menschen diesen unsaeglichen Hang zur ueberbordenden Benutzung von nichtssagenden Fremdwoerten, Platitueden und Allgemeinplaetzen haben - denn das schlimmste am Artikel ist dass er NICHTS aussagt. Er hat keinen Inhalt, ist lediglich journalistische Fingeruebung eines Anfaengers, der sich sicherlich jeden Tag fragen muss, wer solchen Schmu veroeffentlicht.
Schade drum, denn Telepolis ist wirklich eine verdammt gute Sache :)
Mit freundlichem Gruss
Marcel Buelles
Vorsitzender
Deutsche Tolkien Gesellschaft e.V.
P.S.: Im Gegensatz zu den meisten KritikerInnen verstehen wir Spass. Aber Herrn Suchsland scheint wirklich nicht mehr zu helfen sein... Wenn er wenigstens verstehen wuerde, worueber er schreibt. Wenn er wenigstens kompetent waere... Schade. |
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| 1. Reaktion von Telepolis |
Lieber Herr Buelles,
ehrlich gesagt, ich verstehe die ganze Aufregung nicht ganz. Es ist "nur" ein Film und "nur" ein Buch, beides lässt sich unterschiedlich beurteilen und durchaus in zeitgeschichtliche Kontexte stellen. Suchsland Einschätzung finde ich nicht so daneben, obwohl ich seiner Zeit einmal die Bücher ganz gerne gelesen habe und ich den ersten Teil des Films oberflächlich ganz unterhaltsam fand. Dass der Artikel nichts aussagt, halte ich nebenbei für selbst nicht vielsagend und überzeugend. Auffällig ist bei den meisten Kritikern im Forum denn auch die Inhaltsleere der Kritik oder der Wunsch, sich die Unterhaltung nicht nehmen lassen zu wollen. Und dieses in Ruhe-Gelassen-Werden-Wollen als Symtom in unserer Zeit ist - pseudolinks oder nicht - höchst bedenklich.
Schöne Grüße
(...)
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| 2. Email an Telepolis |
Sehr geehrte/r (...),
ich bin mir sicher, dass Sie bei Telepolis.de solche Diskussionen mit Aufmerksamkeit verfolgen. Ich halte sehr viel von Ihnen, gibt es doch in dieser "Netzecke" noch die Moeglichkeit, Kritisches unverbluemt zu sagen. Meine momentane Kritik ist keine Pauschalvorurteilung Ihres Angebots - sie ist ein Hinweis darauf, dass auch Sie sich der Kritik stellen muessen, wenn einer Ihrer Autoren Unsinn erzaehlt.
Ich habe einen eigenen Thread zur Reaktion der Deutschen Tolkien Gesellschaft e.V. im Forum eroeffnet und zitiere fuer Sie meine wesentliche Kritik an Herrn Suchsland:
-- "Die Tendenz von Rüdiger Suchsland ist klar. Die Leser des "Herr der Ringe" sind eigentlich Faschisten, Sexisten, Rassisten. Diesen Anschuldigungen, die in einem solchen Artikel vorgebracht werden, muß eine literarische Gesellschaft, die es aufgrund der ihr innewohnenden
Kompetenz besser weiß als ein leider vollkommen unwissender Autor bei Telepolis.de wie Herrn Suchsland, entgegentreten. Wir stellen uns der Kritik, wir suchen die Herausforderung. Workshops und Diskussionsrunden wie "Rassismus bei Tolkien" oder die "Rolle der Frau im Herr der Ringe" sind bei uns Programm - denn im Gegensatz zu den Erwartungen sind wir keine unkritischen, ignoranten LeserInnen,
sondern aufgeschlossene, interessierte, diskussionsbereite Fans des erfolgreichsten Romans der Menschheitsgeschichte."
Ich bedaure dies so klar formulieren zu muessen, aber dieser Artikel ist keine Buch- oder Filmrezension, die bissig, kreativ, angreifend ist. Auch keine humoristische Satire, die in boesesten Bilder die offensichtlichen
Schwaechen Tolkiens blosslegen wuerde.
Sie ist ein Angriff direkter, persoenlicher Art auf mehr als 8 Millionen Leserinnen und Leser in Deutschland, die als Anhaenger einer "Blut und Boden" Ideologie beschimpft, als tendentiell sexistische denkende und agierende Menschen abgewertet und rassische Tendenzen in der Literatur
unterstuetzende Eskapisten bezeichnet werden.
Ich bin ueberzeugt, dass sich Telepolis in seiner kritischen Haltung auch kritischen Aeusserungen zu seiner Arbeit nicht verschliessen wird.
P.S.:
:: Auffällig ist bei den meisten Kritikern im Forum denn auch die Inhaltsleere der Kritik oder der Wunsch, sich die Unterhaltung nicht nehmen lassen zu wollen. Und dieses in Ruhe-Gelassen-Werden-Wollen als Symtom in unserer Zeit ist - pseudolinks oder nicht - höchst bedenklich.
Dem kann ich nur zustimmen. Seien Sie versichert, dass ich mich als Hochschulabsolvent in den Bereichen Anglo-Amerikanische Geschichte und Anglistik seit Jahren auf hohem Niveau der Auseinandersetzung mit Tolkien
stellen muss. Diesen Job habe ich mit Freude -und wie in diesem Fall- mit viel Aerger uebernommen, versuche ihn aber auch so gut wie moeglich auszufuellen. Ich bin kein Apologet - Tolkien zu entschuldigen ist mir
fremd - aber unsinnige Allgemeinplaetze wie die Ihres Autors muessen entlarvt und ans Tageslicht gezerrt werden. Ich weiss, dass vielen Tolkienfans diese Diskussion mittlerweile egal ist - einer Deutschen Tolkien Gesellschaft nicht. Ich freue mich auf eine weitere, lebhafte Diskussion!
Mit freundlichem Gruss
Marcel Buelles
Vorsitzender
Deutsche Tolkien Gesellschaft e.V.
P.P.S.: Ich freue mich uebrigens immer ueber einen direkten Kontakt - Emails sagen nicht einmal die Haelfte von dem, was man z.B. in einem Telefongespraech erarbeiten kann. Wenn Sie oder Ihre KollegInnen oder Herr Suchsland Interesse an einem direkten Gespraech haben, wuerde ich mich
sehr darueber freuen. (...)
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| 2. Reaktion von Telepolis |
Aber, mein lieber Herr Buelles,
wie kommen Sie denn darauf, dass Suchsland auch noch die Leser des "Herrn der Ringe" als "Faschisten, Sexisten, Rassisten" verurteilt. Da meine ich, wird aus irgendeiner seltsamen Entrüstung heraus überhaupt erst gar nicht gelesen. Vieleicht verfolgen Sie ja eigene Ziele, wenn Sie übertreibend und schon ziemlich an den Haaren gerbeigezogen sagen, dass dies "ein Angriff direkter, persoenlicher Art" auf die Tolkien-Leser sei. Was manche dieser liebenswürdigen Tolkien-Leser dagegen an beleidigenden Äußerungen gemacht, müsste Ihnen als Leiter einer literarischen Vereinigung doch auch bitter aufstoßen, da so eine Diskussion auch gar nicht möglich wäre.
Wir lassen die Diskussion natürlich im Forum zu. Dafür ist es ja auch da . Suchsland hat eine Einschätzung gemacht, sie kann beschimpft, kritisiert, verdammt oder vielleicht auch einmal mit Argumenten - die ich von Ihnen immer noch nicht gehört habe - bekämpft werden. Wie üblich haben Autoren ihre freie Meinung - wir sind keine Partei- oder sonstwie ideologisch stramm ausgerichtete Publikation -, nicht jeder aus der Redaktion und andere Autoren muss jeden Satz jedes anderen unterscheiben, als Meinungsbeitrag stehe ich dazu - und auch zur Ausdrucksweise, selbst wenn manchen Hobbit-Fan Intellektuelles zum Schimpfwort zu geraten scheint. Aber damit wird es meinerseits jetzt auch genug sein, weil die Welt mehr ist als Mittelerde.
Schöne Grüße (...)
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| 3. Email an Telepolis |
Sehr geehrte/r (...),
ich kann leider nichts an der mittlerweile sinkenden Bereitschaft zu einer vernuenftigen Diskussionskultur in diesem unseren Lande aendern - so bedeutsam bin ich dann doch nicht.
Aber eigene Ziele? (...), lesen Sie doch bitte diesen Artikel. Die Deutsche Tolkien Gesellschaft e.V. wird namentlich genannt. Das ist doch der Grund - wir sind hier von Herrn Suchsland als Erklaerungs-, Vermittlungs-, Ursacheninstanz genannt worden. Wir sind doch die eigentlich "Boesen", die "Sektierer" - wenn man Begriffe aus den Printmedien nutzen moechte.
Er nennt uns in einem Atemzug mit "Blut und Boden" - (...), Sie koennen doch nicht ernsthaft entschuldigen, dass ein Autor bei Telepolis.de einer literarischen Gesellschaft (und mag es indirekt erscheinen) faschistoide Tendenzen oder faschistoide Tendenzen unterstuetzende Verhaltensweisen unterstellt? DAS waere eine bittere Enttaeuschung! Die Welt ist nicht Mittelerde - da haben Sie mehr als Recht. Aber Telepolis.de ist auch nicht Gott - und darf als solcher ungestraft und unherausgefordert schalten und walten!?!?!
Und Ihr Hinweis auf fehlende Argumente - verwirrt mich. Ich habe doch aus Herrn Suchslands Artikel zitiert, Stellen genannt, in dem seine Angriffe halt- und bodenlos sind.
Ich bin doch froh, wenn Kritik geaeussert wird. Wenn man sich mit Tolkien auseinandersetzt, kann das doch nur zu einem vernuenftigen, auf guten Argumenten basierenden Diskurs zur Fantasyliteratur fuehren. Staerken und Schwaechen muessen ausgelotet und praesentiert werden.
Aber eine Pauschalverurteilung -und diesen Artikel als etwas anderes zu verstehen, grenzt an willentliche Ignoranz- in dieser Form stehen zu lassen, waere nicht in Ordnung.
Ich bedaure sehr, dass ich Sie persoenlich mit dieser Diskussion belaestige. Ich habe an die Redaktion als Kollektiv geschrieben, die sich sicherlich auf ihren Sitzungen nicht nur zukuenftigen Themen, sondern auch
dem Feedback widmet. Und das Feedback zu diesem Artikel musste ich loswerden. Ihn so stehen zu lassen hiesse Herrn Suchslands Polemik zu unterstuetzen - und das werde ich ganz bestimmt nicht tun.
P.S.: Ich habe schon wesentlich duemmeres gelesen. Es ueberrascht mich so sehr, weil es von Telepolis kommt. Das bin ich nicht gewohnt - und habe ich nie erwartet. Auch daher meine Reaktion!
Mit freundlichem Gruss
Marcel Buelles
Vorsitzender
Deutsche Tolkien Gesellschaft e.V.
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| 4. Email an Telepolis |
Sehr geehrte Mitglieder der Redaktion von Telepolis.de,
sicherlich ist es erfreulich zu sehen, dass Zugriffszahlen bei einem Artikel weit ueber dem Durchschnitt liegen - wie bei Ruediger Suchslands Artikel vom 19.12.2002. Ich freue mich auch immer wieder ueber gute und/oder schlechte Verrisse/ Lobhudeleien zum "Herr der Ringe" und
aehnlichem, sie sind doch meistens auf die eine oder andere Weise unterhaltsam.
(...) war so freundlich erste Emails mit mir auszutauschen, aber ich glaube meinen Standpunkt nicht ganz klar gemacht zu haben. Als Referenz erwaehne ich meinen letzten Beitrag im Forum:
http://www.heise.de/tp/foren/go.shtml?read=1&msg_id=2727378&forum_id=36748
Ich erwarte von Ihnen eine Distanzierung von einer wie auch immer gearteten Vermengung der Deutschen Tolkien Gesellschaft mit Nationalsozialisten und Verbrechern unserer Zeit. Es gibt hier keinen Interpretationsspielraum, hinter dem sich ein Autor verstecken koennte- die Nennung unseres Namens als Begruendungsinstanz zusammen mit "Blut und Boden" und "Osama Bin Laden" ist nicht akzeptabel.
Ich bitte Sie dies aus eigenem Interesse heraus zu tun. Mir waere eine entsprechende Email von seiten der Redaktion vollkommen ausreichend - alles andere wuerde dieser Sache eine Oeffentlichkeit geben, an dem weder Sie noch wir Interesse haben. Aber ich moechte der Mitgliederversammlung
der Deutschen Tolkien Gesellschaft e.V. im naechsten Jahr sagen koennen "Telepolis.de hat sich von einer Vermengung von DTG und Drittem Reich distanziert." Alles andere ist nicht in Ordnung.
Ich bitte Sie sich der weitreichenden Konsequenzen eines solchen Artikels klar zu werden. Haette Herr Suchsland einen bitterboesen Verriss geschrieben - wunderbar. Am besten noch ohne die DTG zu nennen - umso besser. Leider ist beides nicht eingetreten.
Mit freundlichem Gruss
Marcel Buelles
Vorsitzender
Deutsche Tolkien Gesellschaft e.V.
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| Und das Ende vom Lied? |
| Wir sind mehrfach gefragt worden, was aus dieser Diskussion geworden ist. Und warum dieser Artikel so lange hat auf sich warten lassen. Die Antwort ist relativ einfach: Wir haben darauf gehofft, daß Telepolis den Fehler einsieht und eine entsprechende Korrektur vornimmt. |
| Doch nichts ist passiert. Vollkommen unverhohlen schrieb Suchsland nur wenige Tage später einen vollkommen normalen Artikel zum Merchandising rund um "Herr der Ringe". Auch sonst ist Suchsland eher ein ruhiger Typ. Eine kurze Internetrecherche bringt ein äußerst produktives Leben im Bereich Filmrezension zutage, aber keinerlei Ausfälle dieser Art. Warum beim "Herr der Ringe"? Hat dieser Schreiberling etwas gegen Fantasy, New Line Cinema, Peter Jackson? Oder hat er seine langjährige Erfahrung als Rezensent einfach genutzt, um Telepolis die dringend benötigten Hits zu bringen? Gerüchten zufolge war dies der meistgelesene Artikel in der Geschichte von Telepolis! |
| Der Deutschen Tolkien Gesellschaft e.V. fehlen sicherlich auch die juristischen Möglichkeiten, um solch begründeter Kritik Nachdruck zu verleihen. Einige Mitglieder machten auch klar, daß Telepolis keinen Pfennig wert sei - doch viele sahen das anders. |
| Der hohe, gerade auch politische, Anspruch bei Telepolis ist bekannt. Nicht zuletzt die Kolumne von Mathias Bröckers, [The WTC Conspiracy], die World Trade Center Verschwörung, machte Telepolis weit über seine bisherigen Grenzen bekannt. |
| Doch gerade dieser hohe Anspruch birgt auch eine Gefahr in sich, der die Redaktion bereits erlegen ist. Kreidet sie tagtäglich -gerade jetzt in Zeiten des zweiten Irakkrieges der Vereinigten Staaten- die heuchlerische Darstellung eines "just war" der USA gegen eine imaginierte "Achse des Bösen" an und schwingt sich damit auf das hohe moralische Roß der Gerechtigkeit und Menschlichkeit, erscheint ein solcher Ausfall wie der von Suchsland und die Reaktion der Redaktion selbst als Heuchlerei. |
| Unter dem wehenden Banner von Meinungsfreiheit und journalistischen "Rechten" werden verbale Tiefschläge der allerschlechtesten Sorte verteilt. Wer sich der Tatsache der Nennung der Deutschen Tolkien Gesellschaft im selben Atemzug mit Osama Bin Laden und dem nationalsozialistischen Propagandaslogan "Blut und Boden" mit dem Hinweis "Das ist doch eine Satire" oder "Die Welt ist mehr als Mittelerde" entzieht, verkennt die Zeichen der Zeit. Und verkennt die Geschichte dieses Landes, minimalisiert die Verbrechen der Nazis, weil er sie banalisiert. Nachdenken ist besser als einfach alles ungelesen zu veröffentlichen. |
| Die DTG bleibt bei ihrer Forderung und erwartet eine Richtigstellung der Redaktion von Telepolis. Und das zu recht. |
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| Die Dummheit der Medien |
| An dieser Stelle sei noch einmal der Hintergrund dieses Artikels erwähnt. Aufgrund der erschreckenden Inkompetenz und Ignoranz vieler JournalistInnen hat die DTG zu Beginn des Jahres drei Richtigstellungen zu verschiedenen Themenbereichen angeboten und dieser Artikel schließt diese Kurzreihe ab. |
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| Die DTG weist an dieser Stelle darauf hin, daß das komplette Zitieren von Artikeln unbeachtet ihrer Erscheinungsweise den entsprechenden Copyrightregelungen unterliegt. Die DTG erlaubt sich diese Zitate auf Basis ihrer satzungsgemäßen Aufgabe zu veröffentlichen. Die Rechte liegen beim Autoren Rüdiger Suchsland, Telepolis.de und dem Münchner Merkur. |
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| [Gekürzte Version: Merkur München] |
| [Vollversion: Telepolis.de] |
| [Die erfolgreichsten Artikel 2002 - die DTG ist mit dabei ;)] |
| [Suchslands Artikel zum Merchandising, 25.12.2002] |
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