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Bücher > Biographie > Coren | Index Biographie | Index Bücher
Michael Coren
Der Mann der "Herr der Ringe" erschufMichael Coren - Der Mann der Herr der Ringe erschuf - Heel Verlag - Tolkien
Berühmte Autoren haben die Eigenheit das Interesse verschiedenster Menschen auf sich zu ziehen. Bei einem Bestsellerautor wie J.R.R. Tolkien war es daher im Zuge der Filmtrilogie zu erwarten, dass ein Missstand behoben würde, der seit Jahrzehnten darauf wartet, behoben zu werden: die "ultimative" Biographie.
Grottas und Carpenters Arbeiten sind den meisten Tolkienlesern bis heute unbekannt bzw. sie haben sie noch nicht gelesen. Normalerweise kennt man die Biographie Humphrey Carpenters, der 1967 noch die Möglichkeit hatte, selbst mit dem Professor zu sprechen und auf über 250 Seiten (meine Hardbackausgabe von 1977) eine umfangreiche und spannend erzählte Geschichte zu Mittelerdes Schöpfer zu erstellen.
Es ist bis heute noch nicht ganz klar, inwiefern die Herausgabe der "History of Middle-earth" und andere Erkenntnisse eine neue Biographie beeinflussen würden, und Carpenters Ausfall Anfang der 90er, in dem er die Tolkienfans als "Anoraktragende Freaks" bezeichnete, hat ihm nicht die größte Sympathie eingebracht.
Die zur Filmtrilogie herausgegebene Biographie Michael Corens macht sich hierüber auf gar keinen Fall Gedanken. Die gerade mal 120 wenigen Seiten (große Schrift!) sind natürlich in keinster Weise material- oder kenntnisreicher als Carpenter. Doch kann man diese Biographie natürlich nicht einfach nach ihrem Inhalt beurteilen, sondern muß dies nach ihrem Ziel tun.
In der Vorstellung der Marketingmaschinerie zieht der "neue Tolkienfan" ein erhöhtes Interesse am Kultautor J.R.R. Tolkien nach sich. Und dieses Interesse soll befriedigt sein. So liefert dieses Buch z.B. einige sehr schöne Bilder des Oxforder Professors, den viele gar nicht von einem Bild her kennen. Selten gab es einen so erfolgreichen Schriftsteller, von dem so wenige Bilder in der Öffentlichkeit bekannt sind.
In einfacher Sprache beschreibt Coren das Leben des Mannes, der den "Herr der Ringe" erschuf. Es ist kurzweilig und kann bei einem ordentlichen Lesetempo in drei bis vier Studen durchgelesen sein. Man hat danach einen -wenn auch kursorischen- besseren Überblick über Tolkiens Leben. Und so mag dieses Buch für "den neuen Tolkienfan" sicherlich eine gute Idee sein - es ist schnell zu lesen und ich würde behaupten, es ist daher ein gutes Weihnachtsgeschenk.
Die wenigsten werden sich die Mühe machen, Carpenters Biographie und die von ihm edierten Briefe Tolkiens zu lesen. Nur dort wird man eine Vorstellung bekommen, wie Tolkien war - wenn das überhaupt möglich ist! Corens pauschalisierende und saloppe Art geht ihm manchmal durch und führt auch zu inhaltlichen Fehlern, wenn auch nicht ganz so vielen. Ein Beispiel aus der mir vorliegenden Hardbackausgabe, S. 95-96. Es geht um die Briefe Tolkiens an den deutschen Verlag Rütten und Löning (heute noch existent), die in den "Briefen" unter den Einträgen Nummer 29 und 30 von Carpenter abgedruckt wurden. Hier weist Tolkien die Anfrage des deutschen Verlages kurz vor dem Ausbruch des II. Weltkriegs zurück, ob er "arischer Abstammung" sei - nach damals geltendem deutschen Recht durfte kein ausländischer Autor übersetzt werden, der nicht dieser Abstammung war.
Laut Coren schrieb Tolkien "Und, so war sein abschließender Vorschlag, könnten diese deutschen Fanatiker mit ihren absolut dummen Ideen nicht bitte verschwinden und sich irgendwo aufhängen?" Abgesehen davon, dass ein gläubiger, römisch-katholischer Christ und angesehener Oxforder Professor Ende der 1930er so etwas niemals schreiben würde, so halte ich es auch für mehr als unwahrscheinlich, dass Tolkien so gedacht hätte. Er war immer an den "guten Werten" der auch in Deutschland zu findenden "nordischen Kultur", die er so sehr liebte, interessiert. Und war auf seinen auf deutschen Ursprung zurückzuführenden Namen stolz (Tolkien = Tollkühn). Hier vergaloppiert sich also Coren - und das ist nicht die einzige Stelle.
Ein schnelles Fazit: aufgrund der geringen Details und einiger Fehler kann diese Biographie nicht empfohlen werden. Es fehlen so schlichte Dinge wie eine zeitliche Übersicht oder weitere Bilder oder Literaturhinweise, die das Buch zumindest zu einer geringen Referenz hätten werden lassen können. Carpenter ist und bleibt das Maß der Dinge. Und hoffentlich lesen die neuen Tolkienfans auch dieses Buch, nicht Coren.
Rezensent Marcel Bülles
ISBN 3-89880-038-5 Preis 20 €.
Herausgeber Heel Verlag Königswinter. Erscheinungsdatum Oktober 2001

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